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Lehrstellenoffensive

11.05.2016

Vom Kfz-Mechatroniker zum Wirtschaftspsychologen

Bilal Tenlik will mit seinem Werdegang vom Lehrling zum Studenten an der Hochschule für Ökonomie und Management anderen Jugendlichen Mut machen, sich hochzuarbeiten.
Bild: Ulrich Wagner

Bilal Tenlik hat die Mittelschule besucht, eine Ausbildung gemacht und ging zur Bundeswehr. Dann aber begann ein kaum zu stillender Durst in ihm zu brennen.

Er will ein Vorbild sein. Jungen Menschen zeigt Bilal Tenlik, dass sie es schaffen können. Dass der Aufstieg möglich ist. Auch mit einem Mittelschulabschluss. Auch, wenn man mit einer Lehre startet. Denn heute ist sich der 33-Jährige sicher, dass er wesentliche Fähigkeiten, die eine Karriere erst möglich machen, sich genau dort erarbeitet hat: als Auszubildender zum Kfz-Mechatroniker. „Denn dort lernte ich das Arbeiten. Dort lernte ich Selbstdisziplin. Dort erwarb ich mir Durchhaltevermögen.“

Seine Eltern, die in der Türkei geboren sind, aber bereits mit sechs Jahren nach Deutschland kamen, motivierten Tenlik, eine Lehre zu machen. „Ich bin froh, dass ich so tolle Eltern habe, die damals dahinter her waren, dass ich erst einmal eine Ausbildung gemacht habe.“ Er weiß, dass dieses Glück nicht alle haben. Dabei seien gerade die Eltern so wichtig. Sein Vater ist gelernter Lackierer, seine Mutter Verkäuferin. Der Vater kannte die Branche in Marktoberdorf, wo Tenlik geboren ist, und knüpfte für seinen Sohn Verbindungen zu Kfz-Betrieben. Schon während der Lehre sei ihm klar geworden, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, einen Beruf zu erlernen. „Das fehlt mir oft, wenn ich mit Jugendlichen spreche: der Stolz, von einem Unternehmen ausgewählt worden zu sein, der Stolz, dass die jetzt in mich auch investieren.“ Nachdem er ein Jahr noch als Geselle gearbeitet hat, ging Tenlik zur Bundeswehr. Acht Jahre blieb er dort. Eine wichtige Zeit für ihn. Denn auch dort profitierte er von seinem technischen Beruf. Schnell konnte er Aufgaben übernehmen, die weit über seine bisherigen hinaus gegangen sind. Er war auch in Afghanistan und im Kosovo, nicht aber im Truppen-, sondern im Fachdienst. Dennoch waren es Erlebnisse, die prägen.

Vor allem aber nutzte er die Zeit gegen Ende bei der Bundeswehr, um sich beruflich weiterzubilden. Er absolvierte zunächst den IHK-Wirtschaftsfachwirt und kam beim Lernen auf den Geschmack. Also sattelte er ein Studium an der Hochschule Augsburg noch drauf: Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Logistik und Controlling. In den ersten Monaten wurde er bei seinem Studium noch von der Bundeswehr finanziell unterstützt, erzählt er. Auch das ist für ihn eine wichtige Botschaft an alle, die weiterkommen wollen und nicht den geradlinigen Weg einschlagen: „Ich muss mich umfassend informieren. Es gibt so viele Fördermöglichkeiten heute, aber die sind oft nicht bekannt.“

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Zur Hochschule Augsburg pflegt er noch immer Kontakt. Schließlich habe er dort viel Unterstützung erfahren. Ein studentisches Projekt brachte ihn auch zu seinem heutigen Arbeitgeber, der MAN. Am Ende seiner beruflichen Laufbahn wähnte sich Tenlik aber noch immer nicht. Im Gegenteil. Er sei auf ein wunderbares Team und einen Chef, der motiviert, gestoßen. Sein Wunsch, sich noch weiter zu qualifizieren, wuchs: Jetzt macht er seinen Master. Weil ihn die tieferen Zusammenhänge in einem Unternehmen interessieren, weil er immer noch gründlicher sein Wissen erweitern will, studiert er wieder: Wirtschaftspsychologie an der FOM, der Hochschule für Ökonomie und Management in München. Im dritten Semester. Nebenberuflich. Knapp 12000 Euro koste ihn das zweijährige Studium.

Es ist ein nicht zu stillender Wissensdurst spürbar. „Ich kann mich für vieles begeistern“, sagt er. Er sieht aber auch, wie viel Wissen und Erfahrung nötig sind, um Karriere zu machen. Und die will er machen. Daraus macht er keinen Hehl. Aber was ist es, das ihn anspornt? Geld? Ansehen? „Ich will gerne Verantwortung übernehmen und bei Entscheidungen auch eingebunden sein“, erklärt er. „Aber alle meine Qualifizierungen mache ich für mich“, betont er. „Wenn du irgendetwas erwartest, bremst dich das nur“, sagt er und ergänzt: „Ich habe immer einen Schritt gemacht. Dann habe ich geschaut, wo stehe ich jetzt, wo geht es weiter?“ Diese Strategie empfiehlt er auch anderen jungen Menschen.

Hürden sind dazu da, überwunden zu werden. Das gilt gerade auch beim Berufseinstieg. Mit der Lehrstellenoffensive unserer Zeitung wollen wir junge Menschen auf dem Weg in den Beruf unterstützen. Es ist eine gemeinsame Aktion mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben, der Handwerkskammer für Schwaben sowie den Arbeitsagenturen der Region. Alle Informationen zur Lehrstellenoffensive gibt es unter www.leo-bayern.de.

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