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24.06.2019

Waldhorn-Werkstatt: Spitzeninstrumente aus dem kleinen Mindelzell

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Engelbert Schmid baut Waldhörner. Musiker aus der ganzen Welt reisen zu ihm in nach Mindelzell, um Instrumente zu kaufen. Die Schmid-Hörner, sagt er, seien schneller spielbar als andere.
Bild: Ulrich Wagner

Engelbert Schmid ist selbst ein begnadeter Musiker. Seine Waldhorn-Werkstatt liefert ihre Instrumente in rund 70 Länder. Doch Schmid hat noch eine andere Leidenschaft.

Engelbert Schmid blickt aus dem Fenster, in Richtung der Hügel, hinter denen Krumbach liegt. Dann beginnt er unvermittelt kräftig zu lachen. „Ja, wie hätte ich denn nach Krumbach kommen sollen?“, fragt er. Schmid, Jahrgang, 1954, wächst auf einem kleinen Bauernhof in Mindelzell auf, etwa acht Kilometer von Krumbach entfernt. Er ist der jüngste von drei Söhnen. In der Schule sind seine Leistungen außerordentlich und schließlich gibt der Vater dem Drängen des Volksschullehrers nach, den Sohn aufs Gymnasium gehen zu lassen.

Wie Engelbert Schmid seine Leidenschaft für Waldhörner entwickelte

Aufs Gymnasium Krumbach? „Wir hatten auf dem Hof Pferde, aber kein Auto, es gab keinen Schulbus“, erinnert sich Schmid. So besucht er das Augsburger Gymnasium St. Stephan – ein Internat. Das sollte seinem Leben eine entscheidende Wendung geben. Ein Klassenkamerad schwärmt ihm vom Klang der Waldhörner vor, den er bei einer Treibjagd hören konnte. Schmid ist fasziniert, noch im Gymnasium lernt er das Waldhorn-Spielen. Heute ist Schmid mit seiner Werkstatt in Mindelzell einer der weltweit führenden Hornbauer, Spitzenmusiker aus aller Welt sind regelmäßig zu Gast. Bei einem flüchtigen Gang durch die Räume mag man dies zunächst kaum vermuten. Auf den Tischen liegen Feilen, Hämmer, Schieblehren, Zangen, Bohrmaschinen. Doch das glänzende, filigran-dünne Messingblech, das in den Regalen steht, deutet an, dass in dieser Werkstatt im südöstlichen Landkreis Günzburg etwas ganz Besonderes entsteht.

Schmid hat den Instrumentenbau von der Pike auf gelernt. Er ist Metallblasinstrumentenmacher- und Schlagzeugmacher-Meister. Und er ist Musiker, ein sehr erfolgreicher. Das Waldhorn beherrscht er virtuos, schon in jungen Jahren wird sein Talent entdeckt. Er gewinnt zweimal den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, studiert an Konservatorien in Augsburg und München, spielt im Alter von 21 Jahren beim Berliner Radiosinfonieorchester, dann bei den Berliner Philharmonikern, er wird Solohornist beim Münchner Rundfunkorchester.

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Zugleich zieht ihn die Technik des Instruments immer stärker in ihren Bann. Schon mit 16 Jahren beschäftigt er sich im Algebra-Unterricht damit, wie er Erkenntnisse aus Mathematik und Physik in den Instrumentenbau einbringen kann. Mit einem Akustik-Professor aus Braunschweig und mit der physikalisch-technischen Bundesanstalt tüftelt er seit Ende der 70er Jahre an entsprechenden Systemen und er findet schließlich Firmen, die ihm beim Bau der Prototypen helfen. Lächelnd erzählt er von den ersten Computern mit sechs Metern Breite und zwei Metern Höhe, die damals zum Einsatz kamen.

So wurde die Waldhorn-Werkstatt so erfolgreich

Im Jahr 1990 gründet er im kleinen Ort Tiefenried, wenige Kilometer von Mindelzell entfernt, eine Werkstatt mit drei Mitarbeitern. Unter den Spitzenmusikern sei das „bald herumgegangen wie ein Lauffeuer“, denkt Schmid zurück. Es gelingt ihm rasch, sein Unternehmen auf dem Markt zu etablieren. Seine musikalische Karriere gibt er auf, um sich dem Instrumentenbau zu widmen. 2005 erfolgt der Umzug nach Mindelzell. Heute sind bei Schmid 16 Mitarbeiter beschäftigt, demnächst sollen es 18 sein.

In Sachen musikalischer Kontaktpflege ist Schmid weltweit unterwegs, er stellt seine Instrumente auf Fachsymposien einem ausgewählten Publikum vor. Viele Musiker besuchen ihn in seiner Werkstatt. Schmid erläutert, wie es ihm gelungen sei, die Ventiltechnik des Instruments auf ein neues Niveau zu heben. Die Schmid-Hörner seien schneller und weicher spielbar als vergleichbare Instrumente. Außergewöhnlich sei, dass er neben Messing-Legierungen auch Instrumente aus Sterlingsilber fertige.

Wenn der 64-Jährige über seine Instrumente spricht, dann fällt immer wieder auch das Wort „Romantik“. Ja, er sei „ein Romantiker“, sagt er. Und damit hängt es wohl auch zusammen, dass sich Schmid schon seit einigen Jahren nicht mehr ausschließlich auf den Instrumentenbau konzentriert. Zunehmend bekannt ist er auch durch den Weinbau.

Der Instrumentenbauer aus Mindelzell wurde in Spanien zum Winzer

1995 kauft Schmid ein Grundstück auf der kanarischen Insel La Palma. Er beginnt kleine Mengen Wein anzubauen. „Ich bin dann irgendwie in dieses Thema reingerutscht“, sagt er. In wenigen Monaten lernt Schmid autodidaktisch Spanisch und eignet sich ein profundes Wissen über den Weinbau an. 2010 pachtet er 30 Hektar Land nördlich von Valladolid in der kastilischen Hochebene. Schmid setzt stark auf die ursprünglich aus dem Raum Bordeaux/Frankreich stammende Rebsorte Cabernet Sauvignon, aber auch die spanischen Sorten Tempranillo oder Garnacha Tintorera hat er im Sortiment. Seine Weine, die bei einem der größten Weinwettbewerbe der Welt, der Austrian Wine Challenge (AWC) vielfach ausgezeichnet wurden, nennt er in Anlehnung an seinen Namen „Don Angel“ (Angel ist das spanische Wort für Engel).

Vor vier Jahren reifte die Idee, die spanische Weinernte in seine Heimat zu bringen und den Wein zu Hause, in Kellerräumen in Mindelzell, zu produzieren. Das Areal nördlich von Valladolid hat er inzwischen abgegeben und etwas weiter östlich 25 Hektar Land gekauft. Diese Fläche möchte er auf 50 Hektar ausweiten. Bei der Organisation des Weinbaus spielt seine 34-jährige Tochter Susanne, die in Frankreich Weinbau studiert, eine wichtige Rolle. Rund 15.000 Flaschen wurden zuletzt jährlich produziert. Schmid möchte die Menge langfristig deutlich erhöhen.

In einem Alter, in dem andere an Rente und Ruhe denken, hat Schmid noch einiges vor. Doch irgendwann „später“ möchte er in die Geschäftsführung auch seinen Sohn einbinden. Später? „Mein kleiner Sohn ist drei Jahre alt. Mit 30 Jahren wäre er im richtigen Alter“, sagt Schmid mit einem Augenzwinkern. „Ich habe also noch einige Jahre vor mir.“

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