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Audi

23.05.2019

Warum der Audi-Chef den TT in Frage stellt

Guter Dinge, trotz sinkender Absätze: Audi-Chef Bram Schot (links) und Finanzvorstand Alexander Seitz bei der Hauptversammlung.
Bild: Marijan Murat, dpa

Schot steht vor einer großen Aufgabe: Der Absatz von Audi ist gesunken, der Dieselskandal nicht verarbeitet. Vor Aktionären kündigt er einen radikalen Umbau an.

Bram Schot liebt fischige Vergleiche, wohl weil er aus den küstenreichen Niederlanden stammt und einer seiner Großväter Fischer war. Der habe ihn gelehrt: „Du musst da fischen, wo die größten Fische sind, aber auch im Auge behalten, was die anderen Fische machen.“ Im Interview mit unserer Redaktion auf dem Autosalon in Genf wünschte sich der Audi-Chef, das Unternehmen solle werden wie ein Delfin. Denn das seien extrem intelligente, fröhliche und sehr agile Tiere, zudem schnell und wendig. Der 57-Jährige weiß: „So ziehen Haifische auch schon mal gegenüber Delfinen den Kürzeren.“

Audi-Chef vergleicht Diesel-Krise mit einem Haiangriff

Metaphorisch bleibt sich Schot auch in seiner Rede auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Neckarsulm treu, als er sagt: „Unser Tigerhai war die Dieselkrise.“ Diese Lektion habe sich für die Audianer angefühlt wie der Verlust eines Armes. Der Manager mit den breiten Schultern äußert sich zugespitzter und persönlicher als sein Vorgänger Rupert Stadler. Zum Tigerhai-Vergleich hat ihn das Schicksal der heute 29-jährigem Bethany Hamilton inspiriert. Schot schwärmt: „Eine beeindruckende Frau! Ein Profi auf dem Surfbrett. Mit fünf Jahren hat sie ihren ersten Wettbewerb gewonnen.“

Doch dann, sagt Schot mit aufgewühlter Stimme, habe die damals 13-Jährige ein Tigerhai angegriffen. Die junge Frau verlor ihren linken Arm. Was dem Audi-Chef imponiert: Bethany Hamilton konnte vier Wochen nach dem Angriff, den sie überlebt hat, wieder das Training aufnehmen und gehört wieder zu den Besten ihrer Sportart.

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Schot hat daraus für sich und die diesel-gramgebeugte Audi AG gelernt, dass es die einzige Chance in einer solchen Situation sei, weiterzukämpfen, wieder die Balance zu finden und konsequent auf die eigenen Stärken zu setzen. Derart gefühlsbetont sprach kein Audi-Chef vor Schot bei solchen Anlässen. Sein Vorgänger Stadler sagte auf Hauptversammlungen meist Sätze wie: „Wir wissen, wohin wir wollen und stellen uns bestmöglich für die Zukunft auf.“ Die Zukunft war für Audi lange vor allem eines: skandalgeprägt und teuer. So kostete die „Diesel-Thematik“ Audi von 2015 bis 2018 die schmerzhafte Summe von 3,423 Milliarden Euro, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

Audi-Chef Bram Schot will 15 Milliarden Euro einsparen

Das ist der Tigerhai für Schot. Der Raubfisch, räumt der Konzern-Chef ein, habe Audi im vergangenen Jahr „noch einmal gepackt“. Deshalb sei 2018 nicht das beste Jahr in der Audi-Geschichte gewesen. Das Ingolstädter Unternehmen hatte wie Konkurrenten massive Probleme, neue Autos zu verkaufen. Denn die Umstellung auf den strengeren Abgas-Prüfstandard WLTP war zeitraubend. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres klemmt es noch bei Audi, gingen die Auslieferungen doch um 3,6 Prozent auf 447247 Wagen zurück. Schot meint selbstkritisch: „Wir hätten mehr verkaufen können.“

Damit Audi gegenüber den enteilten Konkurrenten Mercedes und BMW Boden gut machen kann und „Kunden beim Wort Audi wieder dieses Kribbeln unter der Haut bekommen“, baut der neue Chef das Unternehmen radikal um. In Neckarsulm nennt Schot Details seines Kribbel-Plans. Demnach will Audi bis 2022 nun 15 statt den bisher geplanten zehn Milliarden Euro an Kosten einsparen. Schot geht nicht genauer auf die schon geäußerten Pläne ein, Stellen im Management streichen zu wollen. Audi-Finanzchef Alexander Seitz sagt nur: „Beim Personal prüfen wir den Ersatzbedarf, wenn Stellen frei werden.“ Doch noch gibt es keine konkreten Beschlüsse. Die Gespräche mit den Betriebsräten dauern an. Dafür legt Schot weitere Einzelheiten seiner Elektroauto-Pläne offen. Dabei kennt er „keine Tabus“.

Audi-Aktionäre mahnen zum umweltfreundlichen Flottenumbau

Um das zu beweisen, sagt Schot zur Zukunft des Sportwagens TT: „In wenigen Jahren werden wir den TT durch ein neues emotionales Modell in der gleichen Preisklasse ersetzen. Durch ein Elektroauto.“ Der Audi-Chef stellt auch den Sportwagen R8 in Frage. Schon 2025 sollen 40 Prozent aller verkauften Autos Elektro- und Hybridfahrzeuge sein. Schließlich will Audi wie Volkswagen insgesamt spätestens 2050 CO2-neutral arbeiten und damit das Klima schützen.

Wie passt es aber dazu, dass 2025 jeder zweite Audi ein SUV, also ein meist großer Wagen, sein soll? Schot versucht Kritiker der Autoindustrie damit zu beruhigen, dass ein großer Anteil dieser SUVs elektrisch angetrieben werde. Audi will jedenfalls die neue Währung „CO2“ einführen, ein radikaler Schritt, wie auch die Einrichtung eines Kundenbeirats. Schot verspricht: „Wir werden den Kunden von der ersten Projektskizze an einbeziehen.“ Vielleicht hätte eine solche Idee geholfen, den Diesel-Skandal zu vermeiden. Der Audi-Chef beteuert: „So etwas wie die Diesel-Krise wird es hier nie mehr geben.“

Vertrauen die Aktionäre Schot? Andreas Breijs von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagt zu Schot: „Ich halte Sie für den richtigen Mann an der richtigen Stelle. Sie sind unbelastet.“ Der Aktionärsschützer äußerte aber Zweifel an der Elektroauto-Strategie: „Fragen sie sich, wo die Rohstoffe wie Lithium und Kobalt herkommen sollen.“

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Audi-Chef hat eine große Aufgabe vor sich.

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