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Porträt

08.06.2019

Warum die Auto-Welt auf den Italiener John Elkann schaut

John Elkann ist Präsident von Fiat Chrysler.
Bild: Miguel Medina, afp

Erst will Fiat-Chrysler-Chef John Elkann mit Renault fusionieren, dann lässt er den Deal platzen. Er stammt aber eben auch aus einer komplizierten Familie.

Beim Segeln sind je nach Wind manchmal schnelle Entscheidungen zu treffen. John Elkann ist begeisterter Hobby-Segler und hat nun unverhofft eine einschneidende Wahl getroffen. Der Präsident von Fiat Chrysler zog das Fusionsangebot für den Autohersteller Renault zurück. Die Franzosen blieben angesichts der plötzlichen Flaute konsterniert zurück, auch in Italien verstand man den Rückzieher nicht gleich. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der 43 Jahre alte Italiener und Chef der Turiner Agnelli-Dynastie sich ein Leben lang auf solche Momente vorbereitet hat. Geben oder Nehmen, Ja oder Nein, ein Familien- und Firmenoberhaupt muss so etwas können.

Ganz freiwillig ist Elkann dabei nicht in seine Rolle geraten. Sein Großvater mütterlicherseits war Giovanni Agnelli, Erbe des Fiat-Gründers und jahrzehntelang der schillerndste Unternehmer Italiens. 1997 bestimmte der „Avvocato“ den damals erst 21-Jährigen zu seinem Nachfolger, nach dem Tod des Großvaters im Jahr 2003 trat der gelernte Ingenieur Elkann dann tatsächlich als Haupt-Erbe an die Spitze der Familienholding mit dem heutigen Namen Exor.

Elkanns Frau Lavinia stammt aus dem italienischen Hochadel

Zuvor bereitete sich der zurückhaltende Lockenkopf generalstabsmäßig auf seine Zukunft vor. Unter falschem Namen machte er Praktika in aller Welt, studierte und hospitierte. Geboren wurde Elkann 1976 in New York, er wuchs in London, Rio und Paris auf. 2004 übernahm Elkann den Posten des Vizepräsidenten bei Fiat und redete ein gewichtiges Wort bei der Nominierung von Sergio Marchionne als Fiat-Geschäftsführer mit. Marchionne war der letzte große Lehrmeister des Konzernchefs, er führte das Unternehmen in die Fusion mit Chrysler und starb 2018 überraschend an Krebs. Seither ist Elkann auf sich alleine gestellt. Sein Bruder Lapo, bekannt als Stilikone, bildet den anarchischen, exzessiven Gegenpol in der Familie.

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Elkann ist, wie es sich für einen Agnelli gehört, mit einer Dame aus dem italienischen Hochadel verheiratet. Lavinia Borromeo entstammt einem der ältesten Geschlechter Italiens, das Paar hat drei Kinder.

Exor ist auch an Juventus Turin beteiligt

Familien sind komplizierte Gebilde, das gilt nicht zuletzt für die etwa 100 Agnellis, die über Exor auch Marken wie Ferrari, den Fußballverein Juventus Turin oder die Zeitschrift The Economist kontrollieren. Als Elkanns Mutter Margherita Agnelli einst das Erbe ihres Vaters neu verhandeln wollte, bezog der Sohn Position gegen seine Mutter. Vergleichbar hart wurde es zuletzt auch geschäftlich. Als der mit nur 15 Prozent an Renault beteiligte französische Staat vor der Fusion mit Fiat Chrysler nun Bedenkzeit für Verhandlungen mit seinem Partner Nissan forderte, zog Elkann die Reißleine und machte die „politischen Bedingungen“ in Frankreich für das Scheitern verantwortlich. Elkann fürchtete offenbar in den Strudel der Interessen des französischen Staates zu geraten. Für italienische Unternehmer ist das ein Tabu, für einen Agnelli ein unvorstellbares Szenario.

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