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Arbeitsrecht

07.03.2020

Warum für Frauen in Top-Positionen oft kein Mutterschutz gilt

Delia Lachance ist die Gründerin von Westwing. Für die Dauer ihres Mutterschutzes und der Elternzeit muss sie den Konzernvorstand verlassen. Das Mutterschutzgesetz greift bei Frauen in Top-Positionen oft nicht.
Bild: Andreas Gebert, dpa

Die Gründerin des Online–Händlers Westwing, Delia Lachance, geht in Elternzeit. Ihren Vorstandsposten muss sie – wie auch andere Frauen im Top-Management – so lange abgeben.

Der Zeitpunkt war – wenn wohl auch eher zufällig – gut gewählt. Kurz vor dem Internationalen Frauentag, an dem es weltweit um Frauenrechte und Gleichstellung geht, lief eine Meldung über den Nachrichtenticker, die viel über den Stand der Gleichberechtigung in deutschen Vorstands-Etagen verriet. Der Online-Möbelhändler Westwing kündigte an, dass Delia Lachance, Gründerin des Konzerns und eine der bekanntesten Unternehmerinnen Deutschlands, in Mutterschutz und Elternzeit geht und dafür "wie rechtlich erforderlich" aus dem Vorstand des Konzerns zurücktritt. Nach sechs Monaten, heißt es weiter in der Mitteilung, wolle sie wieder zurückkehren. 

Für Frauen, die wie Lachance in herausgehobenen Führungspositionen sind, gelten in Deutschland oft weder Mutterschutz noch Elternzeit. So greift das Mutterschutzgesetz nur bei angestellten Arbeitnehmerinnen sowie Schülerinnen und Studentinnen, nicht aber bei selbstständigen Frauen, Geschäftsführerinnen oder weiblichen Vorstandsmitgliedern. Sie müssen ihren Beruf rein theoretisch in dieser Zeit wie gewohnt ausüben.

Nur 15 Prozent aller Start-up-Gründer sind weiblich

Die Gründerin hat sich in einem langen Instagram-Post selbst dazu geäußert: Würde sie im Amt bleiben, schreibt Lachance dort, und in dieser Zeit nicht zu einer wichtigen Sitzung erscheinen, könnte sie dafür zur Verantwortung gezogen werden – selbst, wenn es sich um den Tag ihrer Entbindung handelt.

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Shame on you @gruenderszene for bashing me and and my company for me going on maternity leave. You know nothing about my work or the circumstances of my contract or my leave and you didn’t even do the effort to research with a bit more care - but then obviously this blaming wouldn’t have any foundation. This article has been published by a women who ironically has been recently at an all female dinner table I hosted to promote #sisterhood It would have been easy to just call or email me to clarify the facts but objectivity was obviously not to purpose of this article. Publishing sth like this when I am highly pregnant is just disgusting to the lowest. I usually don’t react to trash like this because that’s exactly the attention that kind of media desires but this is just overstepping a border. I have been silent here on instagram in the last weeks because i have been super busy prepping my leave with our team to detail, busting my preggo self to the last minute and now I am getting here again that I am only the pretty face of Westwing that actually doesn’t work except for making pictures. Can we just stop judging people on their looks? I am not stupid or lazy or a bad entrepreneur because I care about beauty and fashion. Can we also finally stop treating creative work as less valuable then numbers crunching? So many horrible stereotypes are being celebrated here, reading this literally brought me to tears. Next to a lot of twisted facts regarding my compensation there has not even been done the research to understand this fact: I had to step out of the Westwing management board, because the law for board members of stock cooperations in Germany is still archaic when it comes to maternity leaves. There is no possibility to do any maternity leave to an extent that I would make myself liable when i would miss an important meeting on the actual day of my childbirth (yes, you read that correctly) This is the frustrating reality and shows that we still have to go a long way to give women equal career chances. Maybe that’s something you should talk about @gruenderszene and not take the opportunity to bash me and my team six weeks before my due date

Ein Beitrag geteilt von Delia Lachance (@delia_westwing) am

Anlass für ihren Beitrag war ein Artikel des Online-Magazins Gründerszene, in dem die Frage aufgeworfen worden war, ob die Elternzeit von Lachance "zum Problem für ihre Firma" werden könnte. "Ihr solltet euch dafür schämen, mich und mein Unternehmen dafür zu kritisieren, dass ich in den Mutterschutz gehe", antwortete die Gründerin und erhielt dafür im Internet viel Zuspruch.

Die Westwing-Gründerin bemängelt in ihrem Beitrag auch den Stand der Gleichberechtigung in Deutschland. "Das ist die frustrierende Realität und zeigt, dass wir immer noch einen langen Weg vor uns haben, wenn wir Frauen gleiche Chancen im Beruf geben wollen", schreibt Lachance.

Frauen in der Digitalwirtschaft verdienen im Schnitt 35.876 Euro

Deutschland hinkt bei der Zahl der Gründerinnen in der Tat hinter anderen Nationen hinterher. Nur 15 Prozent aller Start-up-Gründer sind weiblich. Geht es um Hochtechnologie-Firmen, sind es sogar nur fünf Prozent.

 

Das Institut für Innovation und Technik hat anlässlich des Weltfrauentags ausgerechnet, dass der generelle Frauenanteil in der Digitalwirtschaft bei nur 17 Prozent liegt. In den USA sind es 26, in Kanada 25, in Australien sogar 28 Prozent – auch in Bulgarien, Litauen, Rumänien und den skandinavischen Ländern sind es mindestens 20 Prozent. Daneben verdienen Frauen in der Internetbranche deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen: Im Schnitt liegt ihr Verdienst bei 35.876 Euro, Männer erhalten durchschnittlich 25 Prozent mehr.

"Das größte Potenzial, das Deutschland bisher brach liegen lässt, sind Mädchen und Frauen in der IT und Digitalwirtschaft", betonte Oliver J. Süme, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Internetwirtschaft, der an der Studie beteiligt war. Süme forderte, dass Unternehmen die Förderung von Frauen zur Chefsache machen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.03.2020

Ach ja, was ich versäumt habe zu schreiben; Warum schreibt Frau Westwing nur auf Englisch, wenn sie sich so sehr für FRAUEN einsetzt? Sind vielleicht nur Frauen in Gehobenen Positionen und mit Englischen Sprachkenntnissen gemeint?

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07.03.2020

Ist das "Jammern auf hohem Niveau"?
Sie ist doch, solange der Betrieb funktioniert, keinem eine Antwort zu Ihrer Entscheidung schuldig.
Anstatt eine Ellenlage "Botschaft" zu schreiben, könnte sie sich auch in die Situation ihrer Mitarbeiter versetzen, die nicht sich nicht so Pressewirksam äussern können.

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