1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Warum immer mehr Windenergie den Strompreis nach oben treibt

Energiewende

27.10.2017

Warum immer mehr Windenergie den Strompreis nach oben treibt

Deutsche Stromkunden zahlen immer mehr, obwohl Norddeutschland vor einem neuen Windrekord stehen könnte.
Bild: Martin Schutt, dpa

Wenn Windräder mehr Energie erzeugen, als die Netze aufnehmen können, werden sie abgeschaltet. Die Betreiber bekommen trotzdem Geld – und das zahlen am Ende die Verbraucher.

Verbraucher in Deutschland zahlen jedes Jahr hunderte Millionen Euro für Strom, den es in Wahrheit gar nicht gibt. Schuld daran ist das schlecht ausgebaute Netz, das noch immer nicht in der Lage ist, die Mengen an Strom, die durch Windkraft erzeugt werden, zuverlässig aufzunehmen und zu verteilen. Die Betreiber von großen Windkraftanlagen kommen aber auch dann auf ihre Kosten, wenn sie wegen einer drohenden Überlastung der Netze keinen Strom einspeisen dürfen. Mit garantierten Zahlungen will der Staat Investoren dazu bringen, ihr Geld in erneuerbare Energien zu stecken. Der Haken an der Sache: Am Ende zahlen die Stromkunden die Zeche.

Experten rechnen mit neuem Windrekord in Deutschland

Gerade die großen Windparks in Norddeutschland erzeugen häufig viel mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann. Weil es auch sechs Jahre nach dem Start der Energiewende noch immer keine großen Trassen gibt, die diesen überschüssigen Strom in den Süden bringen, wo er benötigt würde, drehen sich viele Windräder nutzlos. Sie müssen phasenweise vom Netz genommen werden. An diesem Wochenende wird es wieder dazu kommen. Der Energieversorger Eon rechnet wegen des stürmischen Wetters mit einem neuen Windrekord in Deutschland. Damit die Anlagenbesitzer in solchen Fällen nicht leer ausgehen, erhalten sie Entschädigungszahlungen für den nicht abgenommenen Strom. Und diese steigen immer weiter. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung summierten sie sich allein im vergangenen Jahr auf 643 Millionen Euro. Das ist nahezu doppelt so hoch wie 2015 und macht den Strom für alle teurer. Denn die Kosten werden über die sogenannten Netzentgelte auf die Endabnehmer umgelegt.

 

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Bayerische Staatsregierung kritisiert diese Praxis massiv. Auch Industrieverbände schlagen Alarm: "Uns treibt natürlich die Sorge um, dass heimischen Firmen im internationalen Wettbewerb Nachteile durch hohe Energiekosten entstehen", sagt Peter Lintner von der Industrie- und Handelskammer für Schwaben auf Nachfrage.

Netzbetreiber kündigen höhere Netzentgelte an

Die Netzentgelte werden für die Nutzung und Instandhaltung der Netze erhoben, also etwa für den Transport des Stroms oder Investitionen in neue Leitungen. Sie machen mehr als ein Fünftel des Gesamtpreises aus. In unserer Region betreiben die Konzerne Amprion (in Schwaben) und Tennet (Altbayern) die großen Übertragungsnetze. Beide haben bereits deutliche Erhöhungen der Netzentgelte zum Jahreswechsel angekündigt und begründen das vor allem mit "netzstabilisierenden Maßnahmen". Hintergrund: Die Einspeisung von Sonnen- und Windenergie ist stark wetterabhängig. Um diese schwer kalkulierbaren Schwankungen auszugleichen, müssen die Netzbetreiber beispielsweise Reservekraftwerke bereit halten und hochfahren oder eben Windparks vorübergehend abschalten.

Zum Problem wird das vor allem für große Industriekunden, die von höheren Kosten im Übertragungsnetz stark betroffen sind. Privathaushalte profitieren zumindest im kommenden Jahr von einem Sondereffekt: Weil die Zusammensetzung der Netzentgelte im niedrigeren Spannungsbereich neu geregelt wird, fallen die Mehrkosten nicht so stark ins Gewicht. In den folgenden Jahren könnte dieser Effekt allerdings verpuffen. Dann könnten weiter steigende Netzentgelte auch private Verbraucher in vollem Umfang treffen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

27.10.2017
Mich wundert wirklich dass die ungeheure Vergütung von nachfragelos verfügbarem Ökostrom erst jetzt solche Wellen schlägt, das ist ja seit vielen Jahren weithin bekannt. Allerdings muss ich einen groben Fehler im Artikel besichtigen: Mitnichten liegt das an fehlenden Stromtrassen! Vielmehr wurde einfach kopflos weiter und weiter ausgebaut... Auch als die gelegentlichen auftretenden Spitzenleistungen weit über unserem Bedarf lagen. Dass dadurch normale Kraftwerke eingespart werden können, ist ein gefährlicher Irrglaube!
Permalink
28.10.2017

Man sieht, daß es den Deutschen gut geht, vielleicht sogar sehr gut geht. Ansonsten würden sie sich das nicht gefallen lassen, respektive würden ansonsten nicht mal solche Gesetze erstellt und verabschieet werden können.

Permalink
29.10.2017

Man sieht, daß es den Deutschen gut geht, vielleicht sogar sehr gut geht.

Nicht nur das. Sie sind häufig sogar zu faul zum Anbieter-Wechsel weg vom Grundversorger. Da sind zwar auch keine Riesen-Ersparnisse zu erzielen, aber ca. 150 Euro bei einem Jahresverbrauch um die 3000 kw/h sind es schon. Der hohe Strompreis hat viele Ursachen. Eine wichtige ist das miserable Management der im Prinzip richtigen Energiewende:

https://www.welt.de/finanzen/article154788688/Strom-ist-teuer-wie-nie-Wie-es-dazu-kam.html

Permalink
29.10.2017

Also wegen 150€ wechsle ich keinen Anbieter. Viel effizienter erscheint mir die einfache, aber nicht immer billige Umstellung auf moderne E-Geräte bis hin zu LED. Ich hatte letztes Jahr einen Stromverbrauch wie 1998 ( ja ich führe darüber Buch - ein Hobby von mir) und die aktuellen Kosten sind auf dem Level von 2006. Das reicht mir. Und alles ohne Solaranlage. Die mag ich nicht.

Permalink
30.10.2017

Also wegen 150€ wechsle ich keinen Anbieter.

So ein Wechsel ist in längstens einer Viertelstunde geschafft. Ich würde es auch noch wegen weniger Ersparnis tun, schon um den Konzernen die Preistreiberei nicht allzu einfach zu machen. Für Gas gilt das gleiche. Die Einsparmöglichkeit ist dort noch größer. Schöner Stundenlohn, würde ich sagen.

Ob eine Umstellung auf modernere E-Geräte wie A+++ sinnvoll ist, hängt von einigen Faktoren ab, z. B. davon wie viele Personen im Haushalt leben, die die Geräte nutzen. Die Beleuchtung habe ich auch längst auf LED umgestellt.

Eine Fotovoltaikanlage kommt bei mir dann auf jeden Fall aufs Dach, wenn eine bezahlbare Speichertechnologie mit entspr. Lebensdauer zur Verfügung steht und Elektroautos auf dem Markt sind, die eine echte Alternative hinsichtlich Reichweite, Batterielebensdauer, Ladezeit und Preis darstellen.

Permalink
30.10.2017

Danke. Ich weiß, ein Wechsel wäre/ist ziemlich einfach. Ich glaube, daß A+(++)-Geräte sich immer rentieren. In einem 1-Personenhaushalt ist halt dann der Ammortisationszeitraum um einiges länger. Weiß ich wie meine finazielle Situation in 10 Jahren ist? Was ich mir/uns jetzt leisten kann, das leiste ich mir.

Trifft mich morgen der Schlag hat meine Restfamilie keine so hohe Stromrechnung. [url=http://www.smilies.4-user.de][img]http://www.smilies.4-user.de/include/Alien/smilie_alien_024.gif[/img][/url]

Permalink
29.10.2017

"Dass dadurch normale Kraftwerke eingespart werden können, ist ein gefährlicher Irrglaube"

.

Das ist ein Irrglaube, der durch Leute wie Raimund Kamm ausgesprochen und durch Zeitungen wie die Augsburger Allgemeine ohne Hinterfragung verbreitet wird. Kein Mensch weiß, dass zum Beispiel die Solarstromanlagen an ca. 1 000 Stunden im Jahr Sonnenstrom liefern, das Jahr aber ca. 8500 Stunden hat!!

Permalink
29.10.2017

"Kein Mensch weiß, dass zum Beispiel die Solarstromanlagen an ca. 1 000 Stunden im Jahr Sonnenstrom liefern, das Jahr aber ca. 8500 Stunden hat!!"

Schön, dass Sie wissen, was sonst kein Mensch weiß.

Meine Solarstromanlage lohnt sich auf jeden Fall, da könnte ich noch locker E-Autos mit aufladen. Außerdem ist zu rechnen, dass Stromspeicher in Zukunft effektiver werden.

Permalink
29.10.2017

Klar rechnet es sich für sie. Weil Leute wie ich pro Jahr 20.000 Millionen € (=20 Milliarden) dafür bezahlen !

Permalink
29.10.2017

Boah, dass Sie sich das leisten können, 20 Milliarden pro Jahr! Da müssen Sie ja echt viel verdienen um das bezahlen zu können....

Permalink
29.10.2017

Bleiben Sie doch entspannt.

Als Mieter wäre ich auch zurecht stinksauer, weil es in dem Fall so gut wie keine Möglichkeiten gibt um eine Solarstromanlage zu installieren, obwohl es in Mehrfamilienhäuser wesentlich rentabler wäre. Allerdings haben Sie es eh nicht so mit den Grünen.

Permalink
30.10.2017

Kein Mensch weiß, dass zum Beispiel die Solarstromanlagen an ca. 1 000 Stunden im Jahr Sonnenstrom liefern, das Jahr aber ca. 8500 Stunden hat!!

Jeder, der sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, weiß, dass Solar- und Windstromanlagen solange eine entsprechende Speichertechnologie fehlt, nicht grundlastfähig sind. Biogasanlagen wären es - aber sicher auch keine Lösung. Es braucht eine vernünftige, schnell zu- und abschaltbare, Übergangslösung. Aber ohne die Dreckschleudern Kohlekraftwerke. Ein modernes Gas-Kraftwerk steht in Irsching/Bayern, ist stillgelegt und wird mit Millionen vor dem Vergammeln bewahrt. Warum betreibt man es nicht mit aus überschüssigem Solar- und Windstrom erzeugtem, ins vorhandene Erdgasnetz eingespeistem, Methangas?

Permalink
30.10.2017

Warum betreibt man es nicht mit aus überschüssigem Solar- und Windstrom erzeugtem, ins vorhandene Erdgasnetz eingespeistem, Methangas?

.

Eine sehr gute Speicherlösung, nur momentan noch viel zu teuer, ca 2€ pro kWh!

Ich empfehle mal den folgenden Vortrag von H. Sinn, ehem. Chef des IFO-Instituts, da werden die Zusammenhänge sehr gut erklärt:

.

https://www.youtube.com/watch?v=jm9h0MJ2swo

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Die Firmenzentrale von Wirecard im bayerischen Ascheim. Foto: Peter Kneffel
Wirecard

Finanzaufsicht verbietet Spekulationen auf fallende Kurse bei Wirecard

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen