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Spritpreise

24.05.2019

Warum ist Tanken gerade so teuer? 

Tanken ist in den vergangenen Tagen deutlich teurer geworden.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Der Benzinpreis steigt seit elf Wochen immer weiter an. Zum Teil kostet ein Liter Benzin fast 1,60 Euro. Das Ärgerliche: Experten sagen, der Ölpreis sinke.

Wer am Donnerstag zum Tanken gefahren ist, musste tiefer in die Tasche greifen. In der Stadt Augsburg zum Beispiel kostete ein Liter Benzin am frühen Nachmittag an den meisten Tankstellen rund 1,51 Euro. Die teuersten Tankstellen verlangten über 1,59 Euro, wie dem Portal ich-tanke.de zu entnehmen war.

Die Spritpreise haben einen Jahreshöchststand erreicht, berichtet der ADAC. Im bundesweiten Vergleich kostet ein Liter Super E10 demnach 3,1 Cent mehr als in der Vorwoche. Im Schnitt sind es 1,53 Euro. Zum Vergleich: Anfang März zahlte man nur rund 1,35 Euro. Teurer ist auch Diesel-Kraftstoff.

Warum ist Heizöl aktuell so teuer?

Auch die Heizölpreise haben seit Jahresanfang zugelegt. Zahlte ein Kunde Anfang des Jahres für 100 Liter Heizöl rund 64 Euro, liegt der Preis heute bei rund 72 Euro. Zugrundegelegt wird dabei eine Abnahme von 3000 Litern, die Daten stammen vom Tankmesstechnik-Unternehmen Tecson.

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Hauptgrund für die Zunahme seit Jahresanfang sei der gestiegene Rohöl-Preis, berichtet Johannes Gösling, Geschäftsführer der Präg-Energiegruppe in Kempten. Vor allem der Konflikt zwischen den USA und dem Iran habe die Rohölpreise seit Anfang des Jahres steigen lassen. Die USA boykottieren iranisches Öl. Seit 2018 drohen sie Länder und Firmen mit Strafen, die Öl aus dem Iran beziehen. Eine Ausnahmeregel für Italien, Griechenland, die Türkei, China, Indien, Japan, Südkorea und Taiwan ist kürzlich weggefallen. "Dies ergibt eine deutliche Verknappung auf dem Ölmarkt und treibt den Preis hoch", sagt Gösling. "Je nachdem, was Trump twittert, ergeben sich weitere Verknappungen", sagt er.

Dazu komme, dass die Raffinerien in Schwedt und Leuna nicht richtig arbeiten konnten, da Russland verunreinigtes Rohöl geliefert habe. Die Raffinerie im bayerischen Vohburg fällt seit einer Explosion vergangenes Jahr aus.

Der Ölpreis ist in dieser Woche gesunken

Diese Woche gab es zwar eine leichte Entspannung für den Rohölpreis, berichtet Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst der Commerzbank. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordsee-Sorte Brent sei unter 70 Dollar gefallen. Anfang der Woche habe das Fass noch 73,50 Dollar gekostet. Was das Tanken betrifft, hat Fritsch aber beobachtet, dass die Raffinerien ihre Marge deutlich ausgeweitet hätten – also den Betrag, den sie auf den Ölpreis aufschlagen. Schließlich kostet die Verarbeitung des Öls Geld, zudem will die Raffinerie Gewinn machen. "Wir liegen hier bei 14 Dollar pro Barrel, das ist der höchste Stand seit dem Frühjahr 2016", berichtet Fritsch.

Die Marge der Raffinerien steige zwar regelmäßig, wenn es Richtung Sommer geht, weil dann mehr Auto gefahren werden. "Diesmal scheint es mir aber mehr zu sein als eine Normalisierung", berichtet Fritsch. Und noch ein Faktor erklärt die gestiegenen Preise für das Tanken: der schwächere Eurokurs. Öl wird in Dollar gehandelt, sodass Treibstoffe in Europa teurer werden.

Wann wird Tanken wieder billiger?

Der ADAC sieht den Anstieg der Preise an der Tankstelle kritisch. "Denn trotz aller Bewegung auf den Weltmärkten liegen die Notierungen für Rohöl und Dollar heute wieder auf ähnlichem Niveau wie Mitte April", berichtet der Klub. Somit ist Tanken derzeit zu teuer."

Was den Rohölpreis – wie diese Woche – nach unten drücken könnte, ist der Handelskonflikt der USA mit China: "Der Konflikt trübt die Marktstimmung ein", sagt Commerzbank-Experte Fritsch. "Falls wir im Handelskonflikt keine schnelle Lösung sehen, könnte es weitere Bremseffekte geben." In den USA geht die Ölnachfrage anscheinend zurück und die Lagerbestände steigen.

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