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Analyse

16.02.2015

Warum vielen Bankfilialen auf dem Land das Aus drohen könnte

Bankautomat statt Filiale: Auch Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken leiden unter den niedrigen Zinsen.
Bild: Symbolbild: dpa

Die Niedrigzinspolitik der Zentralbank trifft nicht nur die kleinen Anleger. Auch das Bankensystem mit Sparkassen und Volksbanken gerät unter Druck - mit Folgen für uns alle.

Für die Sparer sind die Zinsen in den kaum mehr wahrnehmbaren Bereich geschrumpft – meist gibt es weniger als 0,5 Prozent für eine feste Geldanlage. Wer alle Register zieht und sein Geld bei einer Online-Bank parkt, kann mit Müh und Not auf zwei Prozent kommen – muss sich dann aber über Jahre an ein Institut binden, dessen Mutterhaus in Osteuropa oder Russland liegt. Nicht beruhigend. Es erscheint heute fast wie Hohn, dass über Jahre gefordert wurde, die Deutschen müssten mehr in ihre private Altersvorsorge investieren.

Längst ist die Niedrigzinssituation nicht nur ein Problem für den Kleinsparer, sondern für unser gewachsenes regionales Bankensystem insgesamt. Auch Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken leiden unter den niedrigen Zinsen.

Ihnen wird ausgerechnet die Solidität ihres Hauptgeschäfts zum Verhängnis: Die Sparer bringen ihr Geld zur Bank am Ort, diese vergibt Kredite an Häuslebauer und Unternehmen am Ort. Aus der Differenz zwischen Sparzins und Kreditzins bestreitet die Bank ihre Einnahmen. Kunde und Bankangestellter kennen sich oft persönlich und seit Jahren. So wächst Vertrauen. Und so haben die Regionalbanken die Erschütterungen der Finanzkrise gut überstanden.

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In der Niedrigzins-Welt stößt das altbewährte Modell an seine Grenzen. Der simple Grund: Die Spanne zwischen Sparzins und Kreditzins wird immer kleiner. Die Einnahmen der Bank schrumpfen. Die Kunden bekommen die Folgen bereits zu spüren. Viele Hausbanken heben die Gebühren an, bei der Postbank kostet eine Überweisung auf Papier bald 99 Cent. Bausparkassen kündigen lukrative Altverträge. Die Sparkasse Ulm hat versucht, Kunden aus gut verzinsten Sparverträgen zu drängen.

Ursache des Zins-Dramas ist unbestritten die Politik der Europäischen Zentralbank. Diese versucht verzweifelt, die Kreditvergabe in den südeuropäischen Ländern anzukurbeln und den Krisenländern auf die Beine zu helfen. Offiziell würde Mario Draghi das nie sagen. Er betont, dass es ihm darum geht, die Deflation zu bekämpfen. Der Leitzins liegt inzwischen nahe null, nun pumpt die Zentralbank über eine Billion Euro durch Anleihenkäufe in den Markt. Ob die Rechnung am Ende aufgeht, ist offen. Nur mit Geld, aber ohne Reformen zum Beispiel in Frankreich und Italien wird es nicht gehen.

Sicher, der Aktienmarkt boomt. Dass der Dax zeitweise die 11 000-Punkte-Schallmauer durchbrochen hat, liegt auch daran, dass Investoren anderswo kaum Rendite finden. Die Regionalbanken könnten ihren Kunden nun Aktien und Fonds verkaufen. Aber ist es erstrebenswert, dass Kleinanleger zu Spekulanten werden? Dass sie jeden Tag nervös auf die Kurse starren? An der Börse kann man gewinnen, aber auch verlieren. Das klassische Einlagengeschäft bot den Sparern mehr Sicherheit.

Nun besteht die Gefahr, dass sich die regionale Bankenwelt kaputtspart. Keine Panik, Sparkassen und Volksbanken werden nicht verschwinden. Aber sie werden gezwungen sein, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen. Und viele Filialen auf dem Land könnten sich bald nicht mehr rechnen.

Wenn es gut geht, bleibt ein SB-Center erhalten. Statt auf Angestellte trifft der Kunde dann auf Geldautomaten – wenn er seine Bankgeschäfte nicht gleich online erledigt. Die HypoVereinsbank bekommt derzeit viel Kritik dafür, dass sie einen großen Teil ihrer Filialen schließt. Sie dürfte aber nicht das einzige Institut bleiben.

Die Tragik ist, dass die deutschen Sparkassen und Regionalbanken die Krise nicht verschuldet hatten. So wird ein gesundes Bankensystem zum Opfer einer Rettungspolitik für marode Strukturen.

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