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12.04.2020

Was Zimmerer Philipp Brehmer an seinem Beruf liebt

Auszubildender Philipp Brehmer (links) geht gemeinsam mit dem seit 40 Jahren bei Taglieber Holzbau beschäftigten Josef Förg seine Pläne durch.
Foto: Taglieber

Plus Philipp Brehmer hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Das Handwerk hat für ihn einen ganz besonderen Charme.

Muskelkater gehört für ihn zum Alltag. Wenn der 28-jährige Philipp Brehmer nicht gerade in schwindelerregender Höhe auf einem Dachbalken balanciert, dann sind seine Kraft und Ausdauer gefragt. Dass ihm seine Arbeit körperlich viel abverlangt, stört ihn nicht. Als Zimmerer ist sein Alltag zwar meist sehr anstrengend, dafür aber auch abwechslungsreich.

Holz hatte Brehmer schon immer begeistert. Seinen Traumjob als Zimmerer hatte der 28-Jährige allerdings erst über Umwege entdeckt. Nach dem Abi begann er zunächst ein Studium zum Bauingenieur in Würzburg. Schnell merkte er, dass ihm die Arbeit hinter dem Schreibtisch alleine nicht reichte. Als er bei einem Praktikum Einblicke in das Handwerk bekommen hatte, entschloss er sich, eine Ausbildung zum Zimmerer zu machen. Er sagt: „Die Arbeit mit Holz macht mir großen Spaß.“

Das ist auch privat der Fall. Zu Hause möchte Brehmer die elterliche Scheune ausbauen, um sie irgendwann einmal zu bewohnen. Den ersten Teil des Dachstuhls hat er bereits gedämmt und verkleidet. Alles was er dafür wissen muss, lernt er bei seinem Ausbildungsbetrieb Taglieber Holzbau in Oettingen im Landkreis Donau-Ries. Dort wird gesägt, gebohrt, gefräst, gestemmt und montiert. „Mir gefällt der Grundgedanke, dass ich mit Holz – einem nachwachsenden Rohstoff – arbeite“, sagt der Azubi im dritten Lehrjahr. Außerdem können laut der Bayerischen Staatsforsten Bäume einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Sie produzieren Sauerstoff und können C02 aus der Luft für ihre Lebensdauer binden. Wird Holz verbaut, bleibt die Speicherwirkung erhalten.

Holz ist unglaublich vielseitig

Im Vergleich zu anderen Baustoffen, findet Brehmer, gibt es bei Holz keine Nachteile. Vorteile dafür umso mehr: besserer Schallschutz, ein angenehmeres Raumklima und niedrigere laufende Kosten. „Holz ist unglaublich vielseitig“, betont er. Natur- und Umweltschutz steht bei Zimmerern hoch im Kurs. Das Holz mit dem bei Taglieber gearbeitet wird, wird deshalb wann immer möglich regional und aus nachhaltiger Forstwirtschaft eingekauft und verarbeitet. Seit der Gründung 1933 wird Nachhaltigkeit bei dem Familienbetrieb großgeschrieben. Auch das Bürogebäude und die Produktionshallen auf dem Betriebsgelände sind Holzbauten und haben im Außenbereich eine Holzfassade.

Dass sich der Beruf des Zimmerers durch den technischen Fortschritt und die zunehmende Digitalisierung in den vergangenen Jahren stark verändert hat, weiß der 28-Jährige zu schätzen. „Früher musste vieles von Hand gemacht werden; heute erleichtern Maschinen unliebsame Arbeiten“, erklärt er. Trotzdem brauchen Zimmerer immer noch Kraft und dürfen nicht zimperlich sein. Wenn Brehmer nicht in der Fertigung der verschiedenen Bauteile hilft, ist er auf Montage. „Für jemanden, der nicht gerne draußen ist – ist das allerdings nichts“, sagt er und lacht. Selbst bei Regen und Schnee gibt es keine Ausreden. Die schwere körperliche Arbeit auf der Baustelle ist deshalb kein Zuckerschlecken. Wer in diesem Job arbeiten will, sollte auch tragen können. Zu Beginn seiner Ausbildung hatte er regelmäßig Muskelkater. Inzwischen hat sich das gebessert. „Man arbeitet viel körperlich – aber wenn man sich als Zimmerer bewirbt, weiß man, dass man keinen Bürojob hat.“ Grundsätzlich sei es daher empfehlenswert auch zu Hause etwas für die eigene Fitness zu tun. Viele Bewerber schreckt die harte körperliche Arbeit ab.

Gute Auszubildende zu finden, ist schwer

Gute Auszubildende zu finden ist schwer, weiß die Prokuristin Franziska Taglieber. „In den vergangenen Jahren hat sich unser Familienbetrieb noch leichter getan“, sagt sie. Heuer sei das nicht mehr der Fall gewesen. Tendenziell würden Bewerbungen inzwischen immer später eintreffen. Zwischen vier und sechs Zimmerer-Azubis beginnen bei Taglieber Holzbau durchschnittlich jedes Jahr. Beim Vorstellungsgespräch achtet Taglieber darauf, dass Bewerber keine Höhenangst haben und Leidenschaft für den Beruf mitbringen. Wer eingestellt werden will, sollte außerdem keine allzu schlechte Mathenote haben. „Viele wissen nicht, dass in der Berufsschule alles per Hand berechnet werden muss“, erklärt sie.

Teamfähigkeit und Kreativität sollten Lehrlinge allerdings auch mitbringen, findet Brehmer. Er betont: „Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist vor Ort wichtig.“ Was auf dem Papier als perfekter Plan aussehe, lasse sich nicht immer auf der Baustelle umsetzen. Dann ist Kreativität gefragt, um ein bestmögliches Ergebnis zu bekommen: „Das geht nur mit Berufserfahrung“, weiß Brehmer. Die möchte er auch erst einmal nach seiner Ausbildung sammeln.

Zimmerer kleiden sich bei besonderen Anlässen in traditioneller Kluft

Bei seiner Arbeit trägt Philipp Brehmer eine dunkle Cordhose. Manchmal auch eine Weste und darunter ein weißes Hemd. „Das ist unsere traditionelle Kluft, die wir für besondere Anlässe anhaben“, sagt er und streicht über die Knopfleiste auf seiner Brust. Vorgeschrieben seien die Kleidungsstücke für Zimmerer allerdings nicht. Im heißen Sommer greift er gerne einmal zu einer kurzen Hose, um die Arbeit etwas erträglicher zu machen.

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