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Corona-Pandemie

16.12.2020

Welche Branchen von der Corona-Krise profitieren

Die Fahrrad-Branche ist schon länger im Aufwind.
Bild: Hendrik Schmidt, dpa

Plus Nichts hat die Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg so belastet wie die Corona-Krise. Aber es gibt auch Branchen, die dank Corona Gewinne gemacht haben.

Die Gastronomen ächzen unter dem Corona-Lockdown. Ihre Restaurants haben geschlossen, es gibt zwar staatliche Hilfe, aber die Zukunft ist ungewiss. Der Handel stöhnt ebenfalls, die Umsätze sind merklich nach unten gegangen. Für Skilifte, Tanzschulen oder Weihnachtsbudenbetreiber fällt gerade die Geschäftsgrundlage weg. Doch es gibt Branchen, die die Corona-Krise fast unbeschadet lässt, ja, die sogar stärker dastehen als früher.

1. Die Fahrradbranche zählt zu den Gewinnern der Corona-Krise

Zu den Gewinnerbranchen zählt mit Sicherheit die Radl-Industrie. Im Frühjahr war in vielen Geschäften die Nachfrage enorm. Die Zahlen sind entsprechend. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) rechnet damit, dass zwischen Januar und Juni rund 3,2 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft wurden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von 9,2 Prozent. Tendenz für die zweite Jahreshälfte 2020 den weiteren ZIV-Angaben zufolge: steigend.

2. Nachfrage nach veganem Fleisch ist gestiegen

Corona-Krise und Klimakrise überlagern sich bekanntlich. Welche für die erheblich gesteigerte Nachfrage an Fleischersatzprodukte ursächlich ist, muss vorerst offenbleiben. Fakt ist aber, dass die Nachfrage nach veganem Hackfleisch oder vegetarischen Bratwürste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie um 62 Prozent in der ersten Hälfte des Jahres anstieg. Ein Trend, der sich verstetige, wie eine Verbandssprecherin auf Anfrage mitteilte.

3. Batteriehersteller spüren trotz Corona keine Krise

Keine Krise ist auch bei den Batterieherstellern zu spüren. Lithium-Ionen-Batterien sind die Schlüsseltechnologie für die häufiger verkauften E-Autos, aber auch für Mobiltelefone, Hörgeräte oder Elektrowerkzeuge. Bleibatterien sichern die Notstromversorgung medizinischer Geräte, darunter Beatmungsgeräte oder Operationswagen, berichtet der Branchenverband ZVEI.

Für Varta ist der Standort Nördlingen ein wichtiger.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Der Batteriehersteller Varta ist voller Zuversicht. „Varta ist bisher sehr gut durch die Krise gekommen“, teilt das Unternehmen mit. „Unser Geschäft in diesem Jahr läuft sehr gut, sodass wir erst kürzlich unsere Prognose für 2020 erneut angehoben haben.“ Das Unternehmen investiert in Nördlingen und baut die Produktion aus, mittlerweile wird dort in drei Schichten produziert. Der gesamte Batteriemarkt war bereits 2019 um 17 Prozent gewachsen, berichtet der ZVEI. Dieser Trend dürfte sich 2020 fortgesetzt haben.

4. Rund 90 Prozent der Versicherer sehen in der Corona-Krise eine Chance

Gegen die Risiken des Lebens müssen sich die Menschen immer absichern. Recht unbeschadet kommt die Versicherungswirtschaft durch die Corona-Krise. Einige Monate nach dem Ausbruch der Pandemie stelle sich die Situation für die deutsche Versicherungswirtschaft positiver dar, als es zunächst schien, berichtet die Unternehmensberatung EY. Rund 90 Prozent der deutschen Versicherer sehen in der Krise inzwischen Chancen, 14 Prozent gehen von leichtem Wachstum aus.

Angesichts abgesagter Veranstaltungen und geschlossener Geschäfte und Gaststätten hoffen viele Versicherer bei Betriebsschließungsversicherungen und Veranstaltungsausfallversicherungen auf ein wachsende Neugeschäft, berichtet EY. Mehr Abschlüsse erwarte sich die Branche auch bei Krankenzusatzversicherungen, Reiserücktrittsversicherungen, Rechtsschutzversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. „Wir kommen gut durch die Krise“, berichtet zum Beispiel Sprecher Stefan Liebl von der Versicherungskammer Bayern.

Versicherungen als Produkt erweisen sich in der Corona-Krise als stabil, vor allem eine Sparte boomt: Lebensversicherungen. „Aufgrund des Niedrigzinsniveaus sind die Anleger auf der Suche nach Rendite“, erklärt er. „Die Kompetenz dafür sehen die Kunden sehr stark bei den Versicherern.“

5. Seife, Desinfektionsmittel & Putzmittel sind wegen Corona sehr gefragt

Dass Seife und Desinfektionsmittel in der Corona-Epidemie stärker nachgefragt werden, liegt auf der Hand. Aber auch Putz- und Spülmittel kauften die Bundesbürger häufiger. Wer sich länger zu Hause aufhält, putzt häufiger. Dieses Jahr gingen Haushaltspflegeprodukte im Wert von 5,2 Milliarden Euro über die Ladenkassen. Das sind stolze 9,2 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, berichtet der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Vor allem Reinigungsmittel mit einem Plus von 18,2 Prozent und Geschirrspülmittel mit plus 15,1 Prozent erlebten reißenden Absatz. „Das Bedürfnis nach ,Sicherheit und Wohlfühlen zu Hause‘ zeigt sich in einer insgesamt soliden Umsatzentwicklung“, sagt Verbandsgeschäftsführer Thomas Keiser.

6. Der Bau boomt auch trotz der Corona-Krise

Wird die Corona-Krise den Immobilienboom beenden und die Preise fallen lassen? Diese Spekulationen aus dem Frühjahr sind bisher nicht wahr geworden. Die Bauwirtschaft hat sich in der Krise zur Stütze der Konjunktur entwickelt. Die Bauwirtschaft ist „glimpflich durch das Jahr 2020 gekommen“, meldete der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes im November. Im Wohnungsbau zeigten die Auftragseingänge nur im April und Mai ein Corona-Zittern und gaben leicht nach, für das Gesamtjahr erwarte man aber ein Umsatzwachstum von vier Prozent und rund 300000 neu fertiggestellte Wohnungen.

Der Bauwirtschaft geht es in der Corona-Krise nicht schlecht.
Bild: Jens Kalaene, dpa

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie rechnet für dieses Jahr bei den Wohnungen gar mit einem Auftragsplus von 12,5 Prozent. Die Klaus-Gruppe mit Sitz in Augsburg berichtet zum Beispiel, sie sei bisher gut durch die Pandemie-Krise gekommen: „Der Verkauf von Wohnungen läuft unverändert gut.“ In Bezug auf die Käuferschicht lasse sich feststellen, dass der Anteil an privaten Kapitalanlegern nochmals leicht zugenommen habe. Bei Eigennutzern mit höherem Fremdfinanzierungsanteil komme es öfters zu Verzögerungen bei der Kreditzusage, da die Banken doch vorsichtig sind.

Die Branche spürt allerdings, dass die Unternehmen sparen und weniger investieren. Im Wirtschaftsbau rechnet das Baugewerbe mit einem Minus von fast sechs Prozent. In der Klaus-Gruppe warnt man: „Die Nagelprobe, wie sich die Krise auswirkt, wird erst 2021 erfolgen. Es ist zu befürchten, dass der deutliche Rückgang der Aufträge im Industrie- und Wirtschaftsbau zunehmen wird und dass auch die Kommunen wegen der einbrechenden Steuereinnahmen weniger investieren können.“

Was die Baustellen selbst betrifft, laufe der Betrieb unter bestmöglicher Einhaltung der Corona-Regeln planmäßig, berichtet die Klaus-Gruppe. "Natürlich bedingen die Regeln mehr Zeitaufwand und höhere Kosten, aber das verkraften wir", teilt das Unternehmen mit.

7. Streaming-Dienste erfreuen sich im Lockdown großer Nachfrage

Die Action-Reihe „Barbaren“ über die Schlacht im Teutoburger Wald, „The Crown“ oder die Star-Wars-Fortführung „The Mandalorian“ – Serien wie diese finden derzeit aufgrund von Kurzarbeit und Ausgangssperren viele Zuschauer. Zu sehen sind sie bei den boomenden Streaming-Anbietern. Der erst im November 2019 gestartete Dienst Disney+ hat binnen eines Jahres ganze 86,6 Millionen Nutzer weltweit gewonnen. Nummer eins ist Netflix mit rund 200 Millionen Abos. Der Dienst wuchs vor allem im ersten Halbjahr stark, im zweiten kamen weniger neue Kunden hinzu. Auch Amazon Prime erreicht ein Millionenpublikum.

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