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02.01.2012

Weltbild verbannt Erotik

Weltbild soll Erotik aussortieren. Im Bild: Filiale in Dortmund.
Bild: Foto: dpa

Zollitsch tritt zudem bei Verkauf auf Bremse

Freiburg Die katholische Kirche setzt alles daran, dass im Augsburger Weltbild-Konzern innerkirchlich umstrittene Literatur aus dem Erotik- und Esoterik-Bereich nicht mehr vertrieben wird. „Die Geschäftsführung von Weltbild verbannt seit Wochen lückenlos dem katholischen Verständnis widersprechende Schriften“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch.

Der Verlag war im Oktober in die Kritik geraten, weil er im Internetangebot auch Erotik- und Esoterik-Literatur hatte. Auch Papst Benedikt XVI. äußerte sich Anfang November. Er mahnte, dass es Zeit sei, die „Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken“.

Die katholische Kirche tritt andererseits beim von den Bischöfen beschlossenen Verkauf von Weltbild auf die Bremse. „Wir werden den Verlag nicht auf überhastete Weise verkaufen“, sagte Zollitsch. Der Erhalt der Arbeitsplätze habe sehr hohe Priorität. Ein Aus für Weltbild oder ein drastischer Abbau der Arbeitsplätze sollten verhindert werden. „Wir haben eine soziale und menschliche Verantwortung.“ Am Ziel, den Verlag zu veräußern, halte die Kirche aber uneingeschränkt fest. Einen Verkauf in den kommenden zwei Jahren bezeichnete Zollitsch als realistisch. „Aber sicherlich nicht als Schnellschuss in den nächsten Monaten“. Der Verkauf werde Zeit brauchen, da es aufgrund der Größe nicht viele mögliche Käufer gebe.

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Es gebe zudem offene Fragen: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass ein erheblicher Teil christlicher und katholischer Bücher auch über Weltbild vertrieben wird, teilweise in großen Zahlen“, sagte Zollitsch. Es müsse ein Vertriebsweg für diese christliche Literatur nach dem Verkauf gefunden werden.

Nicht leicht herauszufiltern

Das Problem mit den erotischen und esoterischen Büchern ist, dass im Zeitalter des Internet-Handels die Kontrolle über das Gesamtsortiment schwerfällt. Um gegenüber der Konkurrenz von Amazon und anderen Händlern zu bestehen, hatte Weltbild sein Online-Sortiment um das lieferbare Großhandelsangebot von KNV in Stuttgart und Libri in Hamburg ergänzt. Es geht damit um Größenordnungen von über 700000 Titeln. Man werde alle Möglichkeiten prüfen, den Vertrieb der umstrittenen Bücher zu unterbinden, sagte Weltbild-Chef Carel Halff im Herbst unserer Zeitung. Bei Romanen und Lexika mit streckenweise zweifelhaftem Inhalt sei dem aber im elektronischen Zeitalter Grenzen gesetzt, da kritische Passagen nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Tatsächlich waren die umstrittenen und in der Diskussion im Herbst genannten Titel („Schlampeninternat“/ „Zur Hure erzogen“) nicht mehr über die Suche im Weltbild-Online-Shop auffindbar. Einige erotische Bücher mit Titeln, die dies nicht sofort signalisieren, finden sich dort allerdings immer noch (Beispiel: „Zuckermond“, „Kurz und schmerzvoll“). Um sie zu finden, muss man aber sehr gezielt suchen. (dpa, mke)

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