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Mindelheim

18.07.2019

Wie Volkswagen und Grob mit der Elektromobilität Gas geben

Die Firma Grob in Mindelheim setzt auch auf Elektromobilität.
Bild: Ulrich Wagner

Plus VW-Zulieferer Grob aus dem Unterallgäu setzt auf Elektromobilität - und wird dafür vom Autobauer ausgezeichnet. Das hilft der Firma in schweren Zeiten.

Volkswagen fährt volles Risiko. Der Konzern setzt wie kaum ein anderer europäischer Autohersteller auf Elektrofahrzeuge. Ab 2025 will das Unternehmen dann bis zu drei Millionen Stromer pro Jahr verkaufen. Dafür sollen in sechs Jahren 50 reine Elektrofahrzeuge das Licht der Auto-Welt erblicken. Um die Revolution finanziell zu stemmen, will Volkswagen bis Ende 2022 gut 34 Milliarden Euro in neuen Technologien, darunter vor allem in die Elektromobilität stecken.

Der Autozulieferer Grob aus Mindelheim setzt auf Elektromobilität

Volkswagen geht also nicht evolutionär, sondern revolutionär vor. Wer so forsch voranschreitet, braucht starke Verbündete. Ein besonders wichtiger Mitstreiter sitzt in Mindelheim im Unterallgäu. Die Firma Grob hat frühzeitig auf Elektromobilität gesetzt und entsprechende Maschinen etwa zur Herstellung von mit Strom angetriebenen Motoren entwickelt und gebaut.

Christian Grob, Sohn der verstorbenen Unternehmer-Legende Burkhart Grob und Vorsitzender des Aufsichtsrates, gab demnach für das Maschinenbau-Unternehmen die Elektro-Devise aus: „Wir müssen Vollgas geben. Langsamer wird man von allein.“ Die Risikobereitschaft der Allgäuer zahlt sich jetzt zunehmend aus, entwickelt Grob doch selbst neue Technologien zur Herstellung von Komponenten für E-Autos und hat dazu auch eine Firma in Italien übernommen. Das Unternehmen baut und liefert heute schon Maschinen zum Bau von E-Motoren und Batterie-Modulen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Grob-Werke, Christian Grob.
Bild: Grob

Grob will auch Maschinen zur Fertigung von Batteriezellen bauen

German Wankmiller, Vorsitzender der Grob-Geschäftsführung, kündigte im Gespräch mit unserer Redaktion an: „Wir planen auch den Einstieg in den Bau von Maschinen zur Produktion von Batteriezellen.“ Bekanntlich wollen deutsche Hersteller wie Volkswagen in dem Bereich tätig werden, um das interessante Geschäft nicht den heute dominierenden Asiaten zu überlassen.

Volkswagen hat nun die traditionell intensive Zusammenarbeit mit Grob durch eine enge Elektro-Partnerschaft noch einmal ausgeweitet. Die Wolfsburger kaufen dafür kräftig Maschinen von den Mindelheimer ein, wie übrigens auch BMW, Daimler, Ford, General Motors, Renault/Nissan und chinesische Autofirmen. Von Volkswagen ist nun aber bekannt, dass die Manager und Ingenieure besonders mit den bayerischen Maschinen zufrieden sind. So sind die Grob-Werke nun von Volkswagen mit dem Volkswagen Award als weltweit bester Lieferant im Bereich „Elektromobilität“ ausgezeichnet worden.

400 Leiharbeiter mussten bei Grob schon gehen

Die Ehrung geht auf ein besonders gut gelaufenes Projekt mit Volkswagen für eine elektrische Antriebsplattform im besonders wichtigen chinesischen Markt zurück. In der von VW-Chef Herbert Diess unterzeichneten Urkunde heißt es: „Mit dieser Auszeichnung möchten wir die außergewöhnlichen Leistungen und die hohe Innovationskraft ihres Unternehmens würdigen, mit denen sie zum Erfolg der Volkswagen AG beigetragen haben.“ Grob-Chef Wankmiller sagte dazu: „Das ist für uns in Zeiten eines tiefgehenden Umbruchprozesses die größte Unterstützungsmaßnahme, die man sich wünschen kann.“

Dieses Luftbild zeigt den stark gewachsenen Mindelheimer Hauptstandort des Maschinenbauers Grob.
Bild: Ulrich Wagner

Der Unterallgäuer Autozulieferer investiert pro Jahr rund 20 Millionen Euro in die E-Mobilität. Etwa 30 Prozent der 4800 festen Mitarbeiter in Mindelheim arbeiten in dem neuen technologischen Gebiet. Wankmiller räumte dabei ein: „Es ist ein Glück, dass wir so konsequent auf E-Mobilität gesetzt haben. Hätten wir das nicht gemacht, hätten wir jetzt ein großes Problem.“ Denn Grob kann Umsatzrückgänge auf dem schwächelnden chinesischen Markt weitgehend mit zusätzlichen Aufträgen im Bereich der Elektromobilität kompensieren.

Der Anteil des China-Geschäftes am Konzernumsatz betrug 2018 noch satte 38 Prozent. Inzwischen sind es nur noch 24 Prozent. Insgesamt gingen die Jahreserlöse der Grob-Gruppe zuletzt von 1,55 auf 1,45 Milliarden Euro zurück. „Die goldenen Zeiten für die Branche sind vorbei“, meinte Wankmiller. Er rechnet jedoch damit, dass Grob den Auftragseingang in etwa konstant halten kann. Nach wie vor gilt seine Zusicherung: „Die festen Beschäftigten sind uns heilig.“ Das Unternehmen rüttelt also nicht an der Stammbelegschaft, hat aber in den vergangenen 18 Monaten rund 400 Stellen für Leiharbeiter abgebaut. Es wurden aber 150 solcher Kräfte fest angestellt. Nun beschäftigt Grob lediglich 50 Leiharbeiter. Wankmiller bleibt insgesamt aber verhalten optimistisch: „Wir sehen etwa in China nach rasanter Talfahrt wieder Boden.“

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