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Webasto

19.05.2020

Wie Webasto mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat

Der Autozulieferer Webasto, bei dem Ende Januar Deutschlands erster bekannter Corona-Fall auftrat, hat ein schweres Quartal hinter sich.
Bild: dpa

Ein Mitarbeiter von Webasto infizierte sich Ende Januar mit Covid19. Das Virus war in Deutschland angekommen. Mit welchen Folgen das Unternehmen heute zu kämpfen hat.

Webasto ist seit Januar in Deutschland besser bekannt als manch anderes Unternehmen aus der Automobilbranche. Dafür verantwortlich ist allerdings nicht ein ordentlich aufgestocktes PR-Budget, sondern das Corona-Virus, dessen Gefahren den Deutschen bis dahin doch eher peripher erschienen waren. Webasto, der international tätige Autozulieferer aus Stockdorf bei München, bis dahin vor allem für die von ihm produzierten Auto- und Cabrio-Dächer weltweit geschätzt, hatte Deutschlands Corona-Patienten Nr. 1 – und musste damit umgehen.

Eine chinesische Mitarbeiterin des Unternehmens hatte den deutschen Kollegen bei einem Meeting angesteckt. Der Mann aus dem Landkreis Landsberg wurde unfreiwillig berühmt, musste in Quarantäne und mit ihm neun weitere Webasto-Kollegen, die sich auch infizierten. Die Unternehmenszentrale in Gauting-Stockdorf (Kreis Starnberg) musste vorübergehend geschlossen werden. Deutschland hatte jetzt Corona. Bei Webasto war Krisenkommunikation angesagt.

Webasto-Chef Engelmann: Sind mit einem blauen Auge davongekommen

Das war am Dienstag auf eine Art nicht anders, wenn man so will. Denn die Pandemie und ihre Folgen sind für Webasto und alle anderen ja nicht vorbei. Das Jahrespressegespräch fand daher natürlich digital statt. Und dabei interessierte vor allem, wie der Vorstandsvorsitzende Holger Engelmann auf die vergangenen Monate zurückblickt, die ihm und dem von ihm geführten Unternehmen eine so nicht gekannte Ausnahme-Situation beschert hatten.

 

Engelmann beschrieb es so: „Wir sind heute sehr froh und glücklich, dass wir aus der für uns damals sehr unbekannten, herausfordernden Situation am Ende mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Das hat gut funktioniert. Wir sind als Team zusammengewachsen. Wir konnten der Außenwelt beweisen, dass wir immer ehrlich und transparent waren. Und das hat für uns viel gebracht.“

Man habe auch Glück dabei gehabt. Er selbst zum Beispiel, habe sich – obwohl er der besagten Kollegin aus China damals die Hand gegeben hatte – nicht angesteckt. Natürlich seien sie heute im Unternehmen viel sensibler was Hygiene-Vorschriften, das Desinfizieren, angehe und dafür die „Risiken auszuschließen“. Seit damals hätten sich zwar in Deutschland nochmals zehn Webasto-Mitarbeiter angesteckt. Allerdings alle im „privaten Umfeld“. Sie seien inzwischen alle wieder genesen. Aus anderen Webasto-Ländern seien „vereinzelte Fälle“ bekannt, teilt das Unternehmen ferner mit. Eine Infektionskette wie in Stockdorf habe es nicht wieder gegeben.

Webasto: Frühe Corona-Konfrontation "war für uns eher positiv"

Angesprochen auf die Lehren, die man aus seiner solchen Situation ziehen könne erklärte Engelmann: „Wir haben gelernt, dass wir offen und transparent sein müssen.“ Dass man sehr schnell auf die Reaktionskette reagieren müsse. „Wir haben alles daran gesetzt, diese unmittelbar zu stoppen. Wir haben proaktiv unserer Verwaltung geschlossen, haben sehr schnell Kontaktlisten erstellt.“ Was über die interne Kommunikation der betroffenen Namen gelang. Alles in einer „sehr schnellen Frequenz“, sagt Engelmann. „Damit haben wir die Weiterentwicklung des Virus gestoppt. Das war unser Erfolgsrezept.“

 

Wo andere vielleicht etwas lernen könnten? Dass man, im Falle einer Ansteckung im Unternehmen, eine entsprechende Taskforce aufbauen müsse, um die Behörden zu entlasten. Nachträglich bilanziert Engelmann: Dass das Unternehmen früh mit Corona konfrontiert wurde „war für uns eher positiv, weil wir uns frühzeitig auf die Pandemie einstellen konnten, einen Leitfaden geschrieben haben, anhand dessen wir unsere Werke und die kleineren Standorte informieren und ihnen sagen konnten, wie sie mit so einer Situation umgehen müssen. Weil wir schnell wussten, wie wichtig mobiles Arbeiten ist, konnten wir effektiver und schneller darauf reagieren.“

Einen Umsatzrückgang habe es wegen des Lockdowns der Zentrale nicht gegeben, weil dabei nur die Verwaltung und der Entwicklungsstandort betroffen gewesen seien. „Und die haben wir sehr schnell wieder zum Laufen gebracht.“

Webasto schreibt im ersten Quartal 2020 einen Verlust von 40 Millionen Euro

Dennoch leidet auch Webasto unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sowie der schon vor der Krise schwierigen Situation in der Automobilbranche samt Handelskonflikten. 2019 hat sich der der Gewinn – allerdings auch wegen Investitionen in neue Technologien und Projektanläufe sowie der Übernahme eines südkoreanischen Jointventures – auf 107 Millionen Euro (vor Zinsen und Steuern) fast halbiert (2018: 202 Millionen Euro).

 

Im ersten Quartal 2020 sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent eingebrochen. Vor Zinsen und Steuern schrieb man einen Verlust von 40 Millionen Euro (Vorjahr: plus 24 Millionen Euro). Webasto spart, hat bis zum September Kurzarbeit angemeldet, Stellen werden nur intern besetzt und 2020 wird keine Dividende ausgezahlt.

Corona-Krise hat gravierende Auswirkungen auf Geschäftszahlen von Webasto

Engelmann sagt: „Das wird im Ergebnis kein gutes Jahr für Webasto werden. Wir werden alles versuchen, den Verlust aufzufangen. Ob uns das gelingen wird, ist sehr stark davon abhängig, wie die Volumina in den nächsten Monaten laufen. Die vorauszusagen, ist im Augenblick äußerst schwierig.“

In China, dem wichtigsten Markt, liefen die elf Werke, seien „gut ausgelastet aber noch nicht stabil“. In Europa laufe die Produktion, aber auf niedrigem Niveau. Die globale Lage bleibe „extrem unsicher“ der Höhepunkt der Krise sei noch nicht erreicht. Das habe „gravierende Auswirkungen auf die Geschäftszahlen“. In diesem und wohl auch noch im kommenden Jahr.

Webasto setzt für die Zukunft verstärkt auf E-Mobilität

Webasto und seine weltweit rund 14.000 Mitarbeiter müssen zudem schaffen, was viele Zulieferer derzeit zu stemmen versuchen. Den Umstieg hin zur E-Mobilität. Den größten Anteil der 3,7 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr machte mit 84 Prozent erneut das Geschäft mit den Dachsystemen aus, in dem Webasto Weltmarktführer ist.

Der Umsatz im Bereich Batterien und Ladelösungen konnte Webasto 2019 zwar mehr als verdoppeln. Allerdings machen diese 43 Millionen bisher nur ein Prozent vom Umsatz aus. Der nun soll in diesem Bereich langfristig erheblich gesteigert und ebenbürtig zum Autodach-Geschäft werden, erklärte Engelmann. Die Auftragsbücher seien mit insgesamt mehr als 22 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre jedenfalls gefüllt. Der Anteil von Kundenprojekten mit Lösungen für die Elektromobilität am Auftragsbestand mache inzwischen elf Prozent aus.

Dass man – virusbedingt – inzwischen weit bekannter also vorher ist, muss bei der weiteren Entwicklung nicht schaden.

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