1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Wie die Firma H&B Motorcycle Motorräder zu Unikaten macht 

Unternehmen der Region

12.01.2020

Wie die Firma H&B Motorcycle Motorräder zu Unikaten macht 

Peter Bader (links) und Ludwig Hafner haben zusammen vor rund 20 Jahren H&B Motorcycle gegründet. Mit der Edel-Motorradschmiede machten die beiden Handwerker ihr Hobby zum Beruf. Heute erzielt das kleine Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 500.000 Euro.
Bild: Stefan Reinbold

Plus Früher frisierten Peter Bader und Ludwig Hafner Mopeds. Inzwischen rüsten sie Motorräder zu Schmuckstücken um. Kunden aus der ganzen Welt bestellen bei ihnen.

Mit Greta Thunberg schließen diese beiden Herren keine Freundschaft mehr. Breitbeinig und mit verschränkten Armen stehen Peter Bader und Ludwig Hafner zwischen einem guten Dutzend chromblitzender Motorräder in ihrem Showroom in Thannhausen. "Die Gretel gehört auf den Mond geschossen", sagt Bader mit einem Augenzwinkern. Fürchten muss sie sich vor dem bulligen Mann mit den tätowierten Armen und dem leicht ergrauten Vollbart aber nicht. Bader ist die personifizierte Friedfertigkeit, Maschinist bei der Freiwilligen Feuerwehr, offenherzig, immer freundlich und zu Späßen aufgelegt, mit einer großen Leidenschaft für Motorräder, die er mit seinem Kumpanen Hafner teilt.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Sorgen machen sich die beiden Gründer der Motorrad Edelschmiede H&B Motorcycle in Thannhausen wegen der Fridays-for-Future-Bewegung nicht. Das Geschäft läuft ausgezeichnet, wenn man sich wie die beiden Motorradtuner auf die Veränderungen am Markt einstellt. Als offizieller Indian-Service-Point vertreiben und bearbeiten sie in erster Linie Motorräder dieser amerikanischen Marke.

Nach individuellen Wünschen umgebaute Motorräder sind das Geschäft von Hafner und Bader

Neben dem Tuning und den Umbauten betreiben Hafner und Bader aber auch das ganz normale Geschäft einer Motorradwerkstatt. "Wir rüsten alle Marken aus. Bestimmt 50 Prozent der Maschinen, die wir umbauen, sind Harleys oder andere Marken. Wir machen auch den Kundendienst oder den TÜV", erklärt Bader. "Man braucht ja auch ein laufendes Geschäft." Ihr eigentlicher Markenkern jedoch sind Custom-Bikes, also individuell umgebaute Motorräder. Damit haben sich die Thannhauser in der Szene einen Namen gemacht.

Wie die Firma H&B Motorcycle Motorräder zu Unikaten macht 

Inzwischen erstreckt sich ihr Kundenstamm dank des Internets über die ganze Welt, von Kanada bis Neuseeland. Darunter sind treue Stammkunden wie ein Mann aus Rüsselsheim, der seit zwölf Jahren jeden Herbst sein Motorrad nach Thannhausen bringt. Inzwischen hat er erstmals seinen Sohn mit dessen Maschine mitgebracht. Gemeinsam ist ihnen die Vorliebe für Wertarbeit made in Bavaria.

Breite Reifen, viel Chrom, dumpfe Auspuff-Geräusche

Rein äußerlich bedienen die Motorräder aus Thannhausen das Rockerklischee vorbildlich: Bis zu 30 Zentimeter breite Hinterreifen, viel Chrom und knatternde Auspuffrohre. Vor allem Letztere sind ein elementares Utensil. Die serienmäßig gelieferten Teile "kannst du gleich wegmachen", sagt Hafner. Die liefern nicht den richtigen Sound. Der von H&B präferierte Auspuff bringt dagegen "einen schönen Klang", gerät Hafner ins Schwärmen. "So richtig dumpf". Heutzutage sei das mit dem Krach aber nicht mehr so einfach. Die stufenlosen mechanischen Lautstärkeregler für den Auspuff dürfen seit etwa drei Jahren nicht mehr verbaut werden und die maximale Lautstärke ist auf einen Schallpegel von 73 bis 77 Dezibel begrenzt. Für ältere Maschinen gilt eine Art Bestandsschutz.

Elementares Teil: Der Auspuff muss einen schönen, dumpfen Sound hergeben.
Bild: Stefan Reinbold

Die Bikes, die in der Ausstellungshalle in der Thannhauser Carl-Zeiss-Straße ordentlich in Reihen aufgestellt sind, gehören Kunden, die sie zur Reparatur, zum Auffrischen oder Umbauen Bader und Hafner überlassen. Der Laden ist das Aushängeschild des kleinen Unternehmens. Es riecht nach neuen Gummireifen. Über einer schwarzen Ledercouch prangt eine mächtige beleuchtbare Werbetafel, Plakate, Fotos, Pin-up-Kalender zieren die Wände. Die eigentliche Arbeit und die Reparaturen verrichten die beiden nach wie vor in den Garagen ihrer Privathäuser in Thannhausen und Burtenbach.

In den zurückliegenden knapp 20 Jahren haben der gelernte Kfz-Schlosser Bader und der Spengler Hafner ihr Hobby zum Beruf gemacht. Schon als Jugendliche schraubten sie in ihrer Freizeit an Mopeds herum. 1998 gründeten sie ihr Unternehmen als Nebenerwerb. Anfangs legten sie nach der Arbeit lediglich an Maschinen von Freunden und Bekannten Hand an. Die Qualität ihrer Arbeit bescherte ihnen jedoch nach und nach immer mehr Aufträge.

Auch heute noch sind Empfehlungen die beste Kundenakquise. "Da kannst du Werbung machen, so viel du willst", sagt Bader. "Du musst halt höllisch aufpassen, was du machst. Einen Hund reinhauen darfst du nicht." Im Gegensatz zum Preisdumping im Internet setzten Hafner und Bader nach eigenem Bekunden von Anfang an auf solide Qualität und Handarbeit. "Der Vorteil ist, dass wir alle unsere Teile selber bauen", sagt Hafner.

Tüv-Siegel für die selbst hergestellten Teile

Die Kunststoff- und Faserverbundwerkteile werden in der benachbarten Firma Sonnleitner hergestellt. Bader hat im Jahr 2007 erstmals die Genehmigung erlangt, seine eigenen Teile mit einem TÜV-Siegel zu versehen. Ein großer Vorteil, der aber auch mit Verantwortung verbunden ist. Teile, die Kunden übers Internet irgendwo bestellt haben, verbauen Hafner und Bader nicht. Das aufgebaute Vertrauen soll nicht aufs Spiel gesetzt werden. Sollten die Fremdteile versagen, würden stets sie verantwortlich gemacht. Den Schuh wollten sie sich nicht anziehen.

Irgendwann wurde klar, dass die Arbeit nicht mehr nur nebenher erledigt werden kann. "Wenn du siehst, wie viele Anrufe du über den Tag verpasst hast und merkst, dass du das abends gar nicht mehr alles reinholen kannst, aber nicht willst, dass dir deine Kundschaft flöten geht", dann sei es naheliegend, das Hobby zum Beruf zu machen, erinnert sich Bader. Er machte sich im Jahr 2008 selbstständig. Hafner hängte den alten Job drei Jahre später an den Nagel. Heute erwirtschaften die beiden mit ihrem Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 500.000 Euro.

Aufwind erhielten sie vor allem, als sie 2015 den Status als offizieller Vertragshändler für Victory-Motorräder erhielten. "Wir hatten uns voll auf Victory eingeschossen", sagt Bader. Die Motorräder eigneten sich hervorragend zum Umbau. "Die Qualität war gut – zu gut für den billigen Preis", seufzt Bader. Doch der Mutterkonzern Polaris stellte nur zwei Jahre später die Produktion von Victory-Motorrädern ein und konzentrierte sich auf die Produktion von Indian-Bikes. Die Marke genießt in den USA Kultstatus und ist dabei, Harley-Davidson den Rang abzulaufen. Für Hafner und Bader sprang die Uhr wieder zurück auf null. Doch schon sechs Wochen später konnten sie den Status als Indian-Service-Point erwerben, weil es in ihrer Region damals keine Indian-Händler gab. "Wir haben uns wieder aufgerappelt", sagt Bader.

Es melden sich vermehrt Frauen, die ein Motorrad kaufen wollen

Die Kunden – vom ganz normalen Arbeiter bis hin zum Firmenchef – blieben treu. In aller Regel sind das keine hitzigen Jungspunde oder Rockerbanden, sondern ältere Semester ab 40 Jahren aufwärts bis zum Rentner. Preise zwischen 13.000 und 30.000 Euro für ein neues Motorrad – ohne Umbau – erfordert eine gewisse Liquidität.

In den vergangenen Jahren meldeten sich auch vermehrt Frauen bei Hafner und Bader, die sich vor allem für kleinere und leichtere Modelle wie die Indian Scout oder die Scout Bobber interessieren. "Mit 95 PS gehen diese Maschinen richtig ab", sagt Hafner. Außerdem eignen sich die Motorräder gut für einen Umbau. "Da will jeder seinen eigenen Stil", fügt Bader hinzu.

Lesen Sie dazu auch: "Fridays for Hubraum"-Gründer: "Man wird gleich als Klimaleugner abgestempelt"

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren