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Unternehmen aus der Region

07.10.2019

Wie die Firma KSL Geld mit Staub verdient

Staub in allen möglichen Formen stellt die Firma KSL her. Geschäftsführer Rupert Stadler hält zwei Sorten Prüfstaub in den Händen. Das rote Pulver ist die Sorte „Brasil“ und simuliert Staub aus Brasilien.
Bild: Jakob Stadler

Plus Die sehr speziellen Produkte von KSL Staubtechnik werden unter anderem für  Druckverfahren benötigt. Die Lauinger Firma stellt auch Staub nach dem Vorbild der Natur her.

Staub. Damit verdient die Firma KSL Staubtechnik aus Lauingen im Landkreis Dillingen ihr Geld. Mal ist statt von Staub auch von Puder oder Pulver die Rede. Immer geht es um winzige Partikel, abgepackt in Beuteln oder Kanistern. Der größte Teil besteht aus Kalk oder Stärke. 1500 Tonnen verkauft das Unternehmen im Jahr. Wer braucht das?

Geschäftsführer Dr. Rupert Stadler malt eine Wellenlinie. Die symbolisiert die Struktur von Papier – je größer die Wellen, desto grober ist es. Papier hat eine raue Oberfläche, das verringert die Gleitfähigkeit. Das heißt, dass zwei Blätter, die aufeinander liegen, leicht aneinander haften können. Damit Maschinen, die bedrucktes Papier weiterverarbeiten, einzelne Blätter von einem Stapel aufnehmen können, müssen sich die Blätter leicht voneinander lösen. „Damit das schön gleitet, braucht man unser Puder“, sagt Stadler und malt Kreise in die Täler zwischen seinen Wellen – die stehen für die Staubkörner.

Im Idealfall sind die Partikel exakt so groß, dass sie die Lücken genau ausfüllen. „Also versuchen wir, ein Puder herzustellen, bei dem die Korngrößenverteilung möglichst eng ist“ – wo also alle Körner annähernd die gleiche Größe haben. Und weil es viel verschiedenes Papier gibt, stellt die Firma 30 verschiedene Druckbestäubungspuder her.

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Geschäftsführer Rupert Stadler: Staub ist für die Druckindustrie wichtig  

Außerdem verhindert das Puder, dass sich die Farbe von einem Blatt auf ein anderes überträgt: Der Staub sorgt für einen minimalen Abstand zwischen den Blättern. So wird auch das Trocknen der Farbe beschleunigt. Manche Stäube sind mit Fett behandelt, sodass sie Wasser – und damit auch auf Wasser basierende Farbe – abstoßen. Pulver und Farbe können sich nicht vermischen. Die Stäube werden als „mechanisches Trennmittel“, wie Stadler sagt, beim sogenannten Bogenoffsetdruck eingesetzt. Mit dem Verfahren werden etwa Verpackungen von Elektrogeräten bedruckt.

Seinen Doktortitel, der Rupert Stadlers Namen von dem des früheren Audi-Chefs unterscheidet, hat er in Chemie. „Aber wir machen hier keine Chemie“, betont der 48-Jährige. Doch es hilft, dass er sich mit Materialeigenschaften auskennt. Unter den 35 Mitarbeitern sind verschiedene Fachleute, etwa ein Physiker und ein gelernter Drucker.

Die meisten Mitarbeiter haben ihre Tätigkeit im Unternehmen erlernt – Staubhersteller sind zu selten für einen Ausbildungsberuf.

Miroslawa Mlynarska füllt das fertige Pulver ab. Fast alle Maschinen bei KSL sind von der Firma selbst entworfen worden.
Bild: Jakob Stadler

Die Druckindustrie ist nur eines der Standbeine des Unternehmens. KSL-Stäube sorgen auch dafür, dass Kunststoffe, etwa der Kunstdarm bei der Wurstherstellung, nicht zusammenpappen. Wieder andere Stäube helfen dabei, Glasplatten kratzerfrei zu lagern. Und dann sind da noch die Test- und Prüfstäube: „Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagt Stadler. Es gibt einerseits genormte Stäube. Unternehmen, die etwa Filter herstellen, können damit die Qualität ihrer Waren testen. Um zu vergleichen, wie gut ein Filter filtert, muss der Teststaub immer gleich sein. Einfach im Wohnzimmer zu kehren hilft da wenig. „Unter jeder Couch liegt etwas anderes“, sagt Stadler.

Auf Anfrage werden auch neue Staubformen kreiert, oft um die Natur abzubilden. Dann steht meist ein Problem am Anfang. So war da etwa der Autohersteller, der ein Problem mit seinen Autos in einer sandigen Region Chinas hatte. Die Scheibenwischblätter hielten dort nur extrem kurz, was Neuwagenkunden nicht akzeptieren. KSL entwickelte anhand von geologischen Daten einen Staub, ähnlich dem in der besagten Region. Damit konnte der Autohersteller das Problem nachstellen und lösen.

Um schnell liefern zu können, hat KSL ein Lager mit gängigen Staubsorten.
Bild: Jakob Stadler

Stärke und Kalk stehen am Anfang

Vorne, am Eingang des Lauinger Firmengeländes, stehen mehrere Silos. In zwei schlauchförmigen Gebäuden sind die beiden großen Produktionslinien. „Das hier ist für die ganze Stärkegeschichte“, erklärt Stadler und verweist auf die eine Seite. „Der Bereich da drüben ist das gleiche für Kalk.“ Aus diesen beiden Stoffen wird der mit Abstand größte Teil des Staubes hergestellt. Das Verfahren ist jeweils fast dasselbe. In den Silos wird das eingekaufte Rohmaterial eingelagert. Dann folgen drei physikalische Prozesse: Mahlen, Sichten und Sieben. Beim Mahlen wird das Material zerkleinert. Beim sogenannten Sichten wird das Pulver nach oben geblasen. Wie sich Spreu und Weizen mit Hilfe eines Luftstroms trennen lassen, werden so die allerkleinsten Partikel, die nicht benötigt werden, herausgefiltert. Danach folgt das Sieben. In einer Halle ruckeln mehrere eiserne Gestelle das Pulver durch immer kleinere Löcher. So entstehen die verschiedenen sortenreinen Größen. Diese können noch behandelt werden, etwa, um sie wasserabweisend zu machen.

Der Grundstoff – Kalk oder Stärke – wird gemahlen, gesichtet und gesiebt. So sind am Ende alle Körner fast gleich groß.
Bild: Jakob Stadler

Im Labor wird die Qualität noch einmal mit einem Laser untersucht. Das Prinzip erklärt Stadler mit einem Laserpointer und einem feinmaschigen Netz, wie es beim Siebdruck verwendet wird. Leuchtet er mit dem Laserpointer durch das Netz, erscheint an der Wand ein Muster. Anhand des Musters könnte man die Größe der Löcher im Netz berechnen.

Die besonderen Test- und Prüfstäube werden in einem anderen Gebäude hergestellt. Im Prinzip stehen dort die gleichen Maschinen – aber in deutlich kleinerer Ausführung. Hier kommt es nicht darauf an, große Mengen herzustellen. „Da kann es sogar sein, dass einer nur 200 Milligramm von einem Staub braucht“, erklärt Stadler. Dafür gibt es hier eine Menge Material, das anderswo im Unternehmen nichts verloren hätte. Auf einer großen Tüte steht „Baumwolle“, daneben steht ein Zementsack.

KSL Staubtechnik: Nur wenige Wettbewerber

Ein Hidden Champion, also ein Weltmarktführer in einer Nische, sei KSL nicht, erklärt Stadler – zumindest sei es Definitionssache. Aber: „Wir brauchen uns nicht verstecken.“ KSL liefert weltweit, vor allem an den Fachhandel, der an den Endverbraucher weiterverkauft. Es gibt Wettbewerber, wenn auch wenige. Einige sind sogar in der Nische noch weiter spezialisiert. Da sei ein Unternehmen, das ebenfalls Teststäube herstellt – sich dabei aber auf die Zucht von Milben konzentriere.

Aktuell stammen etwa 75 Prozent des Umsatzes aus der Druckindustrie. „Das wird weniger“, sagt Stadler – denn es werde weniger gedruckt. Doch das Unternehmen entwickelt gerade ein weiteres Standbein. Im Oktober geht ein Reinraum in Betrieb. Die Firma will dort als Dienstleister Pharmaprodukte in kleine Mengen teilen.

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