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Raumfahrt

01.03.2021

Wie ein Bergbauernsohn Chef der europäischen Weltraumorganisation wurde

Josef Aschbacher ist Chef der Europäischen Weltraumorganisation. Vor ihm liegen schwere Aufgaben.
Foto: ESA

Josef Aschbacher kam als Bergbauernsohn am Fuße des Wilden Kaisers zur Welt. Nun leitet er die Europäische Weltraumorganisation. Warum das keine leichte Aufgabe ist.

Eigentlich teilen die vier Platzhirsche der Europäischen Weltraumorganisation ESA – Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien – seit ihrer Gründung 1975 den Posten des Generaldirektors unter sich auf. Weil sie auch die größten Beitragszahler sind. Nur der Däne Erik Quistgaard hatte bisher Anfang der 1980er Jahre die Ausnahme gemacht.

Nun gibt es wieder eine solche: Der Tiroler Josef Aschbacher löst im März 2021 den Deutschen Jan Wörner auf dem Pariser Chefsessel ab. Obwohl Wien nur ein Prozent des ESA-Etats finanziert. Zum Vergleich: Deutschlands Anteil beträgt 20 Frankreichs sogar fast 27 Prozent, das damit an der Spitze liegt.

Aschbacher tritt ein schweres Erbe an: Die Zeiten sind schwer für die europäische Raumfahrt

Josef Aschbacher ist alles andere als ein ESA-Neuling. Er steht schon seit 1989 in Diensten der Organisation, der zwar sehr viele EU-Länder angehören, die aber keineswegs ein Organ der Europäischen Union ist. Die ESA ist unabhängig, ihr gehören etwa auch Norwegen, die Schweiz, Brexit-Britannien und als assoziiertes Mitglied Kanada an.

Aschbacher tritt ein schweres Erbe an, denn die Zeiten sind nicht gerade rosig für die europäische Raumfahrt. Das sieht der 1962 in der Gemeinde Ellmau am Fuße des Wilden Kaisers geborene Bergbauernsohn genauso. Ellmau ist vielen Menschen wohl eher über die ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ bekannt.

Aschbacher muss dafür sorgen, dass die ESA technologisch nicht ins Hintertreffen gerät

Die ESA, einst gegründet, damit Europa seinen eigenen Weg zwischen den bis dato einzigen Weltraumnationen Sowjetunion und den USA gehen konnte, hat inzwischen unfassbar viel Konkurrenz. Zu dem Dreierklub sind etwa Indien, China, Japan, beide Koreas, der Iran oder Israel dazugekommen – und überdies viele private Unternehmen.

Vor allem Elon Musk macht der ESA mit seinen preiswerten Raketen wie etwa der Falcon 9 Konkurrenz. Auch wenn das aktuelle Raketenprogramm der ESA – die Ariane 6 – günstiger sein soll als der Vorgänger Ariane 5. Doch Ariane 6 muss erst einmal abheben. Nun ist der erste Start für 2022 geplant.

Tesla-Gründer Elon Musk macht der ESA Konkurrenz.
Foto: Susan Walsh/AP, dpa

Aschbacher weiß, dass die Europäer im Verhältnis viel weniger Geld für Raumfahrt ausgeben als etwa die USA. Er muss nun dafür sorgen, dass die ESA technologisch nicht ins Hintertreffen gerät. An der nötigen Begeisterung für die Raumfahrt wird es dem verheirateten Vater von drei Kindern sicher nicht mangeln.

Schon als Bub verfolgte er 1969 am Fernseher die Mondlandung mit, lieh sich in der Pfarrbücherei Bände über das Weltall aus. Später studierte er Meteorologie und Geophysik in Innsbruck und hat bis heute über 100 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht. Aschbacher wird nun eine Organisation mit 2200 Mitarbeitern verantworten – samt einem Weltraumbahnhof im südamerikanischen Französisch-Guayana. Sicher der Höhepunkt seiner Laufbahn. Sein höchster Traum wurde ihm aber verwehrt: Seine Bewerbung als erster österreichischer Astronaut vor über 30 Jahren, sie blieb erfolglos.

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