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Welthandel

18.02.2019

Wie gefährlich sind US-Zölle für die deutsche Wirtschaft?

Am Hafen in Bremerhaven warten diese BMW auf ihre Ausfuhr nach Amerika. Ist das eine Bedrohung und was heißen US-Zölle für Autobauer?
Bild: Ingo Wagner, dpa

Demnächst könnte US-Präsident Trump deutsche Autos mit hohen Importzöllen belegen. Welche Folgen das für die Autoindustrie hätte, darüber streiten Experten.

Ein Experte ist ein Mensch mit umfangreichem Wissen auf einem Fachgebiet. Über solche ausgeprägten Spezialkenntnisse auf dem automobilen Feld verfügen ohne Zweifel Professor Ferdinand Dudenhöffer und Professor Stefan Bratzel. Ja, beide Spezialisten gelten als eine Art deutsche Auto-Päpste, wobei sie sich natürlich nicht für unfehlbar halten. Manchmal fallen ihre Enzykliken, also Briefe an die Auto-Welt, konträr aus, so jetzt wieder einmal. Es geht um die Frage, wie stark sich drohende US-Zölle für Einfuhren europäischer Fahrzeughersteller auf deutsche Premium-Autobauer wie Mercedes, Audi, BMW und Porsche auswirken.

Dudenhöffer: Luxuskunden zahlen auch 250.00 Dollar mehr

Bekanntlich drohen Strafzahlungen von bis zu 25 Prozent, schätzt die US-Regierung die Einfuhr europäischer Wagen als Bedrohung der nationalen Sicherheit ein. US-Präsident Donald Trump hat nun bis zu 90 Tage Zeit, um sich in der Glaubensfrage in Stellung zu bringen. Hinter den Kulissen heißt es aus den Führungsriegen der deutschen Auto-Hersteller: Irgendwelche Zölle werde es geben. Offiziell äußern wollen sich die Top-Manager auf Anfrage aber nicht. Bei Dudenhöffer und Bratzel ist das anders. Für Experten wie sie gehört Gesprächigkeit zur Geschäftsgrundlage.

Dudenhöffer hält Einschätzungen des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, die deutschen Auto-Exporte in die USA könnten im Fall von amerikanischen Zöllen langfristig um fast die Hälfte zurückgehen, für „weltfremd“. Der Experte sieht die angedrohten Zölle nicht als ernsthafte Gefahr an. Sie könnten Käufer ohnehin teurer deutscher Oberklasse-Fahrzeuge kaum abschrecken. Nach dem Motto: Wenn ein Amerikaner etwa umgerechnet 100.000 Euro für ein edles Modell aus Germany ausgibt, sei er auch bereit, bis zu 25.000 mehr für ein solch schönes Auto zu zahlen.

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Bratzel: US-Zölle senken die Margen der Autobauer

Die Dudenhöffer-Trump-Enzyklika widerspricht hier fundamental der Bratzel-Enzyklika. Denn der Experte verkündet mit dem Brustton der Überzeugung gegenüber dieser Redaktion: „Das ist schon ein Unterschied, ob etwa ein Porsche 100.000 oder doch 125.000 Euro kostet.“ Und dann kommt Bratzel auf die ökonomischen Folgen möglicher hoher Zölle auf europäische Auto-Importe zu sprechen: Die Hersteller könnten gezwungen sein, aufgrund der Zölle weniger Geld pro Fahrzeug zu verlangen und damit letztlich auf Marge zu verzichten.

Dabei warnt der Experte vor einem zweiten negativen Effekt für die heimischen Autobauer: Denn durch den bereits bestehenden Handelskonflikt zwischen den USA und China werden auch Konzerne wie BMW schon längst in Mitleidenschaft gezogen, liefern sie doch in Amerika produzierte Autos in das asiatische Riesen-Reich. Hinzu kommen nach Bratzels Einschätzung weitere negative Faktoren wie der Brexit.

Und die Unternehmen investierten Milliarden in Zukunftsthemen wie die Elektrifizierung, das autonome Fahren und die Digitalisierung, ohne dass sich die Aufwendungen kurzfristig rechneten. So meint Bratzel: „Die sieben fetten Jahre sind für unsere Autoindustrie zu Ende gegangen.“ Der Himmel über der Branche verdunkle sich.

Dabei schlägt sich ein dritter Experte nicht auf die entspannte Seite Dudenhöffers, sondern die besorgtere Bratzels. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, ist überzeugt: „Zölle auf die Einfuhr von Fahrzeugen in die USA brächten gewaltige Belastungen für die deutsche und bayerische Wirtschaft, die weit über die unmittelbar betroffenen Unternehmen hinausreichen.“ Seiner Ansicht nach kann nicht die Rede davon sein, dass die nationale Sicherheit der USA durch deutsche Fahrzeuge bedroht sei. Im Gegenteil: Bayerische Firmen sorgten für fast 530.000 Jobs in den USA.

Warum Trumps Auto-Politik einem Komödienstadl gleichkommt, kommentiert unser Autor hier: Trumps Handelspolitik gleicht dem Komödienstadel

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