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Wie krisenfest ist die deutsche Industrie wirklich?

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Kommentar Von Stefan Stahl
05.06.2019

Auf den ersten Blick scheint die Wirtschaft unbeeindruckt von den stürmischen Zeiten. Doch am Horizont braut sich etwas zusammen, das uns nicht kaltlassen darf.

Die jüngsten Exportzahlen sind trügerisch. Demnach macht Deutschland mit den beiden Handelskriegern USA und China sogar noch bessere Geschäfte als im Vorjahr. Ist alles klar auf dem deutschen Volkswirtschaftsdampfer? Heißt es weiter: Volle Fahrt voraus? Erfassen uns Trumps protektionistische Wellen nicht? Sind deutsche Autos und Maschinen einfach zu gut, sodass sie die ganze Welt kaufen muss, egal wie hoch die Zölle einmal auf sie sein mögen?

Der Illusion sollte man sich nicht hingeben. So geht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – kurz OECD– von einem deutlichen Geschwindigkeitsverlust für die Globalisierung aus. Das würde die deutsche Industrie besonders hart treffen. Schon heute leiden heimische Unternehmen wie BMW, die in den USA Produkte auch für den chinesischen Markt fertigen, massiv unter dem heftigen Handelskrieg zwischen den beiden führenden Volkswirtschaften der Welt.

Noch sind viele Auftragsbücher prall gefüllt

Nicht auszudenken, wenn Trump sein Strafzoll-Spielzeug China nicht mehr ausreicht und er Europas Autoindustrie mit dem Zoll-Bann belegt. Noch ist es nicht soweit. Der ökonomische Chef-Pubertierende belässt es bei Drohungen. So sind die Auftragsbücher vieler Firmen noch prall gefüllt. 2019 könnte trotz aller globalen Risiken – Trump und Brexit – mit einem blauen Auge für die deutsche Wirtschaft enden.

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Also doch ab in die Hängematte der Selbstzufriedenheit? Besser nicht. Denn im weltpolitisch-ökonomischen Untergrund braut sich was zusammen. Polit-Privatier und Groß-Denker Joschka Fischer warnt davor, dass „wir Europäer gehäckselt werden, wenn wir nicht zusammenstehen“. Der Welten-Erklärer meint damit, das amerikanische Jahrhundert sei zu Ende gegangen. Parallel dazu hat China einen enormen Aufstieg vollzogen. Letztlich gelangt Fischer, dessen jüngstes Buch „Abstieg des Westens“ heißt, zum Schluss: „Die Konkurrenz einer aufsteigenden und einer absteigenden Weltmacht führt in der Regel zu heißen Konflikten.“

Genau das erleben wir derzeit. Dabei stemmt sich Trump wie ein beleidigter Bub gegen China, während die Mächtigen des asiatischen Kolosses clever und zielgerichtet eine knallharte imperialistische Wirtschaftspolitik zur Zementierung ihrer diktatorischen Macht durchziehen. Dabei treiben die Herrscher um Präsident Xi Jinping einen Keil durch Europa. Denn sie schieben ein Trojanisches Pferd namens „Neue Seidenstraße“ durch den alten Kontinent.

China macht viele von sich abhängig

Offiziell verkaufen sie die kommunistisch-kapitalistische Wallfahrt als Investitionspaket zum Segen Europas. So beteiligen sich die Chinesen an Häfen und Flughäfen, geben Geld für den Straßenbau. Doch die in den Pferd steckenden Wirtschaftskrieger wollen vor allem eines: Abhängigkeit schaffen. Der Einfluss Chinas in Europa soll steigen. Und hier hat Trump recht: Mächtige in Europa reagieren blauäugig auf die finanziellen Liebesgrüße aus Peking.

Deutschland versucht sich durchzulavieren – zu groß ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von China und den USA. Die Strategen in Berlin wollen es sich mit keinem der beiden kalten Krieger verscherzen, während Frankreichs Präsident Macron zu Recht vor der Hegemonial-Politik Pekings warnt. Europa steht wieder nicht zusammen, was Xi Jinping veranlasst, die Vorherrschaft seines Modells zu preisen – eine perfide Aktion.

Wenn Europa nicht einen klaren Kurs gegenüber den Anmaßungen aus Peking und Washington findet, könnte Deutschland zwar nicht, wie der Übertreiber Fischer behauptet, „gehäckselt“, wohl aber wirtschaftlich aufgerieben werden.

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