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Corona-Krise

20.07.2020

Wie sich die Autobauer von der Corona-Krise erholen

Die Welt der Autobauer sieht ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Krise schon wieder deutlich besser aus.
Bild: Imago Images

Plus Bei Audi, BMW und Daimler ist die Kurzarbeit auf dem Rückgang. Auch die Absatzzahlen steigen teilweise wieder - vor allem in China. Kündigungen drohen trotzdem.

Im März zwang die Corona-Krise Deutschlands wichtigsten Industriezweig in die Knie. Nicht zuletzt weil die Nachfrage massiv zurückging und die eng vernetzten Lieferketten zusammenbrachen, waren die großen deutschen Autobauer gezwungen, ihre Werke zu schließen. Erst Ende April liefen die Fließbänder unter strengen Schutzvorkehrungen schrittweise wieder an. Knapp drei Monate später, sieht die Welt bei Audi, BMW und Daimler schon deutlich besser aus: Die Absatzzahlen erholen sich – und die Kurzarbeit wird allmählich zurückgefahren.

Auch beim Ingolstädter Hersteller Audi entspannt sich sie Situation. Bis Herbst sollen alle Mitarbeiter in die reguläre Beschäftigung zurückgekehrt sein, sagte Vorstandschef Markus Duesmann vergangene Woche bei einer Online-Diskussion mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf Focus Online. Wie eine Unternehmenssprecherin gegenüber unserer Redaktion mitteilt, seien im Juni rund 11.000 Mitarbeiter im Stammwerk Ingolstadt und 4400 in Neckarsulm tageweise von Arbeitsausfällen betroffen gewesen. Insgesamt beschäftigt Audi in Deutschland knapp 61.000 Angestellte.

Absatz: Audi verzeichnet in China Rekordzahlen

„Kurzarbeit an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm wurde bis vorerst Ende Juli vereinbart. Inwieweit es weiterhin zu Arbeitsausfällen an den deutschen Standorten kommt, prüft das Unternehmen fortlaufend in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat.“ Auch in den internationalen Werken in Brüssel, im ungarischen Györ und im mexikanischen San José Chiapa laufe die Produktion inzwischen wieder: „Wir orientieren uns vorausschauend und flexibel an den Marktanforderungen“, sagt die Sprecherin.

Weltweit hat Audi im ersten Halbjahr rund 707.200 Fahrzeuge ausgeliefert, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 22 Prozent bedeutet. Die Juni-Zahlen deuten aber auf eine leichte Erholung des Markts hin: Im vergangenen Monat hat das Unternehmen global nur noch gut acht Prozent weniger Autos verkauft als im Juni 2019, was vor allem mit der positiven Entwicklung in China, dem größten Automarkt der Welt, zusammenhängt: „Gerade haben wir das stärkste Mai- und Juni-Ergebnis aller Zeiten in China erreicht mit jeweils mehr als 65.000 verkauften Fahrzeugen“, sagt die Sprecherin. In Europa und den USA seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie hingegen weiterhin deutlich zu spüren: „Grundsätzlich stellen wir uns auf ein sehr herausforderndes Jahr 2020 ein. Wir haben aber die richtige Substanz und das richtige Portfolio, um erfolgreich durchzustarten.“

Bei BMW wird Kurzarbeit nur noch vereinzelt in Anspruch genommen

Der Münchner Autobauer BMW befindet sich ebenfalls auf dem Weg zurück in die Normalität. „Seit Mitte Juni arbeiten alle Automobilwerke wieder im regulären Schichtbetrieb“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Kurzarbeit werde nur noch vereinzelt in Anspruch genommen. Zu Hochzeiten der Corona-Krise, in den Monaten April und Mai, waren mehr als 30.000 Mitarbeiter betroffen – im Wesentlichen in den Werken Dingolfing, München, Regensburg und Leipzig.

Europaweit setzte das Unternehmen im ersten Halbjahr dieses Jahres knapp 372.500 BMWs und Minis ab, was im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von gut 32 Prozent bedeutet. Der Konzern geht davon aus, dass auch der weltweite Absatz am Ende des Jahres deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen wird. Allerdings laufen die Geschäfte im asiatischen Raum auch für den Münchner Konzern wieder ordentlich. „In China sehen wir seit März Anzeichen einer Erholung. Im zweiten Quartal lag dort der Absatz dank des Nachholbedarfs der Bevölkerung über dem des Vorjahres.“ Im ersten Halbjahr haben die Münchner in China insgesamt knapp 330.000 BMWs und Minis verkauft – gegenüber dem Vorjahr ein Minus von lediglich sechs Prozent.

Sparmaßnahmen: Bei Daimler sind viele Stellen bedroht

Auch beim Stuttgarter Hersteller Daimler, bei dem sich zu Hochzeiten der Corona-Krise bis zu 80 Prozent der in Frage kommenden Mitarbeiter in Kurzarbeit befanden, wird das Instrument nur noch in einigen wenigen Bereichen angewandt. „Überall dort, wo die Auftragslage, die behördlichen Vorgaben und die globalen Märkte es zulassen, arbeiten wir wieder regulär“, sagt ein Sprecher. Die Stammmarke Mercedes-Benz lieferte von April bis Juni mit weltweit rund 457.700 Autos gut 20 Prozent weniger Fahrzeuge aus als im Vorjahr. In China erzielte Mercedes im selben Zeitraum allerdings ein sattes Plus von fast 22 Prozent.

Dennoch wollen die Stuttgarter offenbar im großen Umfang Personal einsparen. Laut Medienberichten sollen weltweit bis zu 20.000 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Auf Basis vorläufiger Zahlen fuhr der Dax-Konzern im zweiten Quartal einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 1,68 Milliarden Euro ein.

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