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Bodensee

25.05.2019

Wie zwei Unternehmerinnen gegen Plastik kämpfen

Angelika (rechts) und Rosemarie Jürgens aus Bodolz am Bodensee stellen seit 2017 mit ihrem Unternehmen „Little Bee Fresh“ Bienenwachstücher her – als nachhaltige Alternative zur Plastikfolie.
Bild: Stefan Trautmann, Little Bee Fresh

Plus Rosemarie und Angelika Jürgens stellen aus Bienenwachs und Baumwolle Tücher her, die Frischhaltefolie ersetzen. So funktioniert das natürliche Produkt.

Ein erdig-würziger Geruch erfüllt die kleine Verpackungsstation in Bodolz bei Lindau am Bodensee. Zwei Mitarbeiter bringen an einem langen Tisch farbenfroh bedruckte Wachstücher in die richtige Form, falten und verpacken sie. In dem kleinen Raum türmen sich bereits etliche versandfertige Kisten. "Wir kommen mit der Produktion kaum nach, weil die Nachfrage aktuell so hoch ist", sagt Angelika Jürgens. Gemeinsam mit ihrer Mutter Rosemarie hat die 29-Jährige im April 2017 das Unternehmen "Little Bee Fresh" gegründet. Die beiden Frauen stellen Bienenwachstücher her – als Alternative zur Plastikfolie. Darin eingewickeltes Obst, Gemüse oder Brot bleibt länger frisch. Die Nahrungsmittel werden einfach in die nach Wachs duftenden und leicht klebrigen Tücher eingeschlagen. Durch die Wärme der Hände sind diese formbar und der mit Bienenwachs imprägnierte Stoff haftet aneinander.

Bienenwachstücher ersetzen Frischhaltefolie

Lebensmittel, Gläser oder Schüsseln können dann in den Kühlschrank gestellt oder sogar eingefroren werden – ganz ohne Plastik. Die Tücher halten, je nach Verwendung, bis zu einem Jahr. Dafür werden sie einfach sanft mit kaltem Wasser abgewaschen. Die in Bienenwachs getränkten Baumwolltücher sind luftdurchlässig und antiseptisch. Die beiden Gründerinnen wollten damit eine umweltfreundliche Alternative zu Frischhalte- und Alufolie schaffen, um die Welt ein bisschen plastikfreier zu machen.

Doch wie kamen sie auf die Idee? "Wir sind Hobbyimker", sagt Angelika Jürgens. "Das heißt, wir hatten immer mit Bienen und Produkten wie Honig und Wachs zu tun." In einem Urlaub sind die beiden erstmals auf Wachstücher gestoßen. "Der eigentliche Auslöser zur Gründung unseres Unternehmens war aber Tante Ida", sagt Angelika Jürgens. Die Gärtnerin und Imkerin lebte zuvor im Haus der Jürgens-Frauen. Bei Renovierungsarbeiten stießen Mutter und Tochter auf dem Dachboden auf Idas Tagebuch. Neben etlichen Rezepten beschrieb die Frau darin auch, wie sie ihr Brot, um es frisch zu halten, in ein wachsgetränktes Leinentuch wickelte.

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Nach zwei Jahren beschäftigt die Firma elf Mitarbeiter

"Dann kam eins zum anderen", sagt Angelika Jürgens und lacht. "Wir haben es selbst ausprobiert und Freunden davon erzählt." Mittlerweile hat das Unternehmen elf Mitarbeiter und beliefert etwa 100 Einzelhändler in ganz Deutschland, darunter Unverpackt-Läden oder Tchibo. Die Tücher kosten je nach Größe zwischen 5,90 und 27,80 Euro. "Pro Monat verkaufen wir um die 1000 Bienenwachstücher", sagt Angelika Jürgens.

Immer mehr Menschen wollen möglichst plastikfrei leben. Der Trend ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Deshalb ist "Little Bee Fresh" nicht das einzige deutsche Unternehmen, das Bienenwachstücher herstellt. Auch "Bee Food Wraps" aus Baden-Württemberg oder "Wabenwerk" aus Kaufbeuren produzieren die natürlichen Frischhaltetücher. Daneben gibt es viele kleine Hersteller. Probleme durch die Konkurrenz befürchten Angelika und Rosemarie Jürgens aber nicht. "Der Bedarf ist aktuell so groß, dass wir ihn sogar gemeinsam nicht decken können", sagt Angelika Jürgens. Viele würden zudem nur in kleinem Rahmen fertigen und verkaufen. Laut Angelika Jürgens ist "Little Bee Fresh" der aktuell größte deutsche Hersteller.

Baumwolle und Wachs kommen aus Biobetrieben

Das Bienenwachs für die Tücher beziehen Mutter und Tochter von Bioland Imkereien aus Deutschland. "Die Mengen, die wir mittlerweile brauchen, könnten wir in unserer Imkerei nicht herstellen", sagt Angelika Jürgens. Der erste Schritt in der Produktion ist die mehrfache Reinigung des Wachses. Dann kommt das Naturprodukt ins Labor. Dort wird seine Reinheit untersucht. Es dürfen keine Behandlungsmittelrückstände oder Pestizide mehr vorhanden sein. Das Wachs ist bio. "Das ist uns sehr wichtig, weil es um die Haltungsbedingungen der Bienen geht."

Der zweite wichtige Bestandteil des Produkts – die Baumwolle – ist ebenfalls bio-zertifiziert und kommt aus dem Schwarzwald. Der Stoff wird dort auch bedruckt. Für die bunten, liebevollen Designs der Tücher und Verpackungen ist Angelika Jürgens verantwortlich. Sie ist Grafikerin. "Gewachst und zugeschnitten wird in unserer Produktion in Lindau mit einer Mischung aus Bio-Bienenwachs, Bio-Jojobaöl und Baumharz." Um die richtige Zusammensetzung zu finden, haben Angelika und Rosemarie Jürgens rund ein Jahr gebraucht. Immerhin sollen die Tücher im Bestfall genauso lange halten und nicht brechen. Nur so sind die Bienenwachstücher eine echte und nachhaltige Alternative zur Plastikfolie.

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25.05.2019

Respekt den Gründerinnen und ihrer Geschäftsidee.
1.000 Tücher pro Monat bei einem Preis von 5,90 bis 27,80 Euro also vielleicht 20.000 Euro Umsatz.
Und das bei 11 Beschäftigten!!
Da sollten einem Wirtschaftsredakteur durchaus Fragen kommen - oder?

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