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Immobilien

30.12.2020

Wohnen in Bayern: Preise für Häuser und Wohnungen explodieren

In Augsburg sind die Immobilienpreise im letzten Jahrzehnt stark gestiegen.
Bild: S. Wyszengrad (Archiv)

Plus Immer mehr Menschen suchen nach einem Eigenheim. So haben sich die Preise etwa in Augsburg im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Corona-Epidemie hat dieses Jahr viele Krisenverlierer hervorgebracht, große Teile der Immobilienwirtschaft gehören nicht dazu. Die Preise für Wohnungen und Häuser sind binnen einem Jahr in Deutschland um 7,8 Prozent gestiegen, berichtet das Statistische Bundesamt, das Zahlen zum dritten Quartal 2020 vorgelegt hat.

Der Anstieg betrifft nicht nur die großen Metropolen wie Berlin, Hamburg und München und andere Großstädte über 100.000 Einwohnern. Auch auf dem Land haben die Preise angezogen – sogar überdurchschnittlich: In dichter besiedelten Kreisen sind Häuser im Schnitt 9,7 Prozent teurer geworden, in dünner besiedelten Gegenden kosten sie im Schnitt 8,4 Prozent mehr.

3600 bis 7000 Euro pro Quadratmeter: So hoch sind die Preise in Augsburg

Der Wunsch nach einer eigenen Immobilie scheint in Deutschland trotz Krise ungebrochen zu sein. „Die Corona-Krise hat bei vielen Bayern den Wunsch verstärkt, die eigene Wohnsituation zu verändern“, berichtet die Commerzbank im Rahmen einer Umfrage. Dabei stehe der Wunsch nach dem Kauf einer Immobilie an erster Stelle. 39 Prozent der Bayern würden gerne ein Haus oder eine Wohnung kaufen, um selbst darin zu wohnen. Die Nachfrage treibt die Preise.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich Immobilienpreise zum Beispiel in Augsburg mehr als verdoppelt, berichtet Stefan Roßmayer, Leiter der Commerzbank-Niederlassung in Augsburg, die für große Teile Schwabens zuständig ist. Je nach Lage liege der Quadratmeterpreis für eine bestehende Immobilie in Augsburg zwischen 3600 und 7000 Euro. Eine 100-Quadratmeter-Altbauwohnung kann dann bis zu 700.000 Euro kosten.

Anleger wollen Negativzinsen vermeiden – und investieren in Immobilien

Die Commerzbank spürt das ungebrochene Interesse an Wohneigentum in Form einer hohen Kreditnachfrage: Die Niederlassung habe in diesem Jahr bereits 322 Millionen Euro an neuen Baufinanzierungen vergeben – ein Drittel mehr als im Vorjahr, als es die Corona-Krise noch gar nicht gab. Was sind die Gründe?

Dass die eigenen vier Wände ein Lebenstraum vieler Bürger sind, sei das eine, sagt Roßmayer. Dazu kommt ein Anlagenotstand, da die Zinsen niedrig sind und Banken dazu übergehen, bei hohen Summen auf dem Konto die Strafzinsen an die Kunden weiterzureichen, die sie selbst für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank zahlen. „Gerade jetzt bei diesem Niedrigzinsniveau werden mehr Gelder in Immobilien geparkt – auch um Negativzinsen auf dem Konto zu vermeiden“, berichtet Roßmayer.

In Augsburg sind die Immobilienpreise im letzten Jahrzehnt stark gestiegen.
Bild: Peter Fastl (Symbolbild)

Das stützen Beobachtungen der Klaus-Gruppe aus Augsburg, die Wohnungen baut. „Der Verkauf von Wohnungen läuft unverändert gut“, berichtet das Bauunternehmen. „In Bezug auf die Käuferschicht lässt sich feststellen, dass der Anteil an privaten Kapitalanlegern nochmals leicht zugenommen hat.“

Teure Immobilien: Auch die Mieten steigen

Neben Immobilien fließt das Geld auch in andere Anlagen – vor allem Fonds und Aktien waren dem Bundesverband deutscher Banken zufolge dieses Jahr begehrt – und das trotz des Einbruchs am Aktienmarkt im Frühjahr.

Im Zuge der Immobilienpreise steigen auch die Mieten: Im dritten Quartal 2020 lagen sie im Schnitt um 3,4 Prozent höher als ein Jahr davor, hat das Hamburger Gewos-Institut ermittelt. Die Industriegewerkschaft Bau warnt bereits vor einer Wohnungsnot: „Die Corona-Krise wird eine neue Sozialwohnungsnot in Deutschland provozieren, die uns im schlimmsten Fall über Jahre erhalten bleiben wird“, sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger. „Die Zahl der Menschen, die sich hohe Mieten nicht mehr leisten können und eine bezahlbare Wohnung suchen, wird nochmals steigen.“

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31.12.2020

Und seit einigen Tagen treibz die neue Verordnung, wer die Maklergebühren zu tragen hat, die Immobilienpreise wohl um 1%-2% hinauf. Der Staat wird einen Teufel tun, denn er ist doch der Hauptprofiteuir von hohen Immoblienpreisen.

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30.12.2020

Schuld ist die EU Zins Politik. Es gibt keine andere brauchbare Anlageformen mehr. Es gibt Strafzinsen auf Bankguthaben. Wer nicht kauft, der verliert Geld. Zwar sind die Preise sehr hoch aber die Zinsen für Darlehen sind dafür zeitlos gering.

Das ist alles die Schuld der maßlos verfehlten EU Finanzpolitik. Und alle verantwortlichen Politiker klatschen und würdigen sich gegenseitig selbst, während alles andere an die Wand gefahren wird.

Den Finanzminister freut es. Wer etwa Bundesanleihen hat, der zahlt sogar drauf. Kurz: der Staat alleine profitiert von dieser katastrophalen Finanzpolitik, da er so günstig wie nie das Volk verschuldet.

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30.12.2020

Betrachtet man die Löhne und Gehälter in den einzelnen Regionen und Städten, sind es nicht die Arbeiter / Angestellten die das "Hochlohnland" Deutschland zu verantworten haben. Es sind Spekulanten, Konzerne, Immobilienhaie und global agirende "Heuschrecken". Wenn selbst 100000 € Jahresgehalt in München gerade so zum (Über-)Leben reichen, und sich Bürgermeister, Stadt- und Landräte eher darüber Gedanken machen wie man grosse Konzerne möglichst bevorzugen kann.. Tja...

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30.12.2020

Die Preisentwicklung am Markt ist doch ganz logisch. Wenn der Staat Geld druckt wie verrückt dann steigen eben die Immoblilien und andere Anlageklassen im Preis. Das heißt sich dann Inflation.

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30.12.2020

Das heisst nicht Inflation, sondern "Absprache" unter denen die die richtigen Kontakte pflegen.

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30.12.2020

Mich wundert es auch, woher diese scheinbar unermessliche Kaufkraft kommt. Wohnraum über Kredite zu finanzieren, ist derzeit brandgefährlich. Ein Preisrutsch auf dem Markt kann die Kreditsicherheit einer belasteten Immobilie platzen lassen.
Das einzig positive an dieser Entwicklung ist, dass es für Eigentümer, die Leerstand provozieren, bald staatliche Zwangsmaßnahmen geben wird. Die Alternative dazu wäre eine hohe Obdachlosigkeit.

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31.12.2020

>> Das einzig positive an dieser Entwicklung ist, dass es für Eigentümer, die Leerstand provozieren... <<

Leerstand?

https://www.stern.de/noch-fragen/wird-die-einwanderungsgesellschaft-in-zukunft-noch-pluraler-sein-als-sie-es-bereits-heute-ist-3000205128.html

>> Das neue Grundsatzprogramm der Grünen wurde beschlossen, enthält ambitionierte migrationspolitische Ziele, so wollen die Grünen die „Einwanderungsgesellschaft“ zum Staatsziel machen, mehr Zuwanderung von Arbeitnehmern, Asylsuchenden und nachziehenden Angehörigen, weniger Abschiebungen... <<

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