Angesichts eines dramatisch eingebrochenen Konsums alkoholhaltiger Biere in Deutschland schlägt Bayerns Brauer-Präsident Georg Schneider Alarm. In einem Interview mit unserer Redaktion sagte er: „Gerade kleinere Brauereien stehen vor großen Herausforderungen, zumal die Bierpreise in Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor zu niedrig sind.“ Preise von 14,99 oder 15,99 für einen Kasten Bier seien für mittelständische Brauer nicht ausreichend. Der Branchen-Vertreter stellte klar: „Davon können vielleicht Groß-Konzerne leben, Mittelständler nur schwer.“ Schneider forderte: „Ein Kasten Bier eines mittelständischen Brauers müsste 20 bis 25 Euro kosten.“ Dann könne er auskömmlich wirtschaften.
Lage der Brauwirtschaft ist angespannt
Die Lage der Brauwirtschaft ist angespannt. Das zeigen am Montag veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach ist der Bierabsatz im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken. Das ist der stärkste Absatzrückgang seit Beginn dieser Aufzeichnungen im Jahr 1993. Und erstmals fiel der Bierabsatz in Deutschland unter die Marke von acht Milliarden Litern in einem Jahr.
Alkoholfreie Biere sind immer mehr gefragt
In den Zahlen sind indes alkoholfreie Biere nicht enthalten. Hier gibt es einen Lichtblick für die unter Druck stehenden heimischen Brauer: Denn alkoholfreie Biere werden unter Verbraucherinnen und Verbrauchern immer beliebter. So sind diese Getränke nach Berechnungen des Deutschen Brauer-Bundes und des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ im Jahr 2025, was den Umsatz im Handel betrifft, erstmals über die 10-Prozent-Marke geklettert. Rund jedes zehnte in Deutschland verkaufte Bier ist demnach alkoholfrei. Bayerns Brauer-Präsident Schneider analysiert jedoch nüchtern: „Was wir an Absatz mit richtigem Bier verlieren, können wir nicht durch die gestiegenen Verkäufe immer besseren alkoholfreien Biers ersetzen.“ Der Alkoholfrei-Trend rette nicht die Brauereien. So räumte er ein: „Wir verlieren insgesamt Umsatz. Und für kleinere Brauereien ist es schwer, alkoholfreies Bier herzustellen, weil das Verfahren aufwendig ist.“ Dem Brauer „blutet das Herz, wenn im heimischen Getränkehandel ein Kasten unseres Schneider-Weißbiers für 14,99 Euro verkauft wird“. Normalerweise koste er rund 20 Euro. Schneider ist überzeugt, dass Brauer Geld verlieren. Denn: „Obwohl die Produktions- und Investitionskosten für Brauer deutlich gestiegen sind, sind die Bierpreise relativ stabil geblieben. Und er warnte: „Brauereien sterben nicht laut und gehen leise.“
Meckatzer-Chef Weiß bleibt ein Optimist
Michael Weiß, geschäftsführender Gesellschafter der mittelständischen Brauerei Meckatzer Löwenbräu aus Heimenkirch im Westallgäu, blickt dennoch optimistisch nach vorne. „Jetzt kommt es umso mehr darauf an, als mittelständische Brauerei in die Attraktivität der Marke zu investieren, die Qualität hochzuhalten und die emotionale Nähe zu Menschen in der Region auszubauen“, sagte er unserer Redaktion. Und der Unternehmer fügte hinzu: „So lässt sich auch ein höherer Preis pro Kasten Bier bei den Kundinnen und Kunden erzielen, was wiederum Brauereien den Spielraum eröffnet, notwendige Investitionen in ihre Betriebe vorzunehmen.“ Während Bier-Konzerne einen Kasten häufig für 14,99 Euro und zum Teil in häufigen Aktionsphasen einige Euro günstiger anbieten und damit ihre Größenvorteile ausnutzen, konnte Weiß einen Preis von rund 21 Euro für einen Kasten seines Bieres im Handel durchsetzen. So sagt er: „Unserer Brauerei geht es gut. Wir haben keinen Investitionsstau und verfolgen eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie.“
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