Drei Insolvenzverfahren hat der Handelskonzern Galeria bereits durchlaufen. Doch als das Unternehmen kürzlich auf den Neustart vor einem Jahr zurückblickte, zeigte es sich sehr optimistisch. Es gebe 83 Filialen, die profitabel laufen, das sei ein großer Erfolg. Den bekannten Händler mit seinen zahlreichen Kaufhäusern in den Innenstädten auf Kurs zu halten, obliegt seit kurzer Zeit einem Mann, der Erfahrungen mit schlingernden Handelsunternehmen hat: Christian Sailer, 53, hat zuvor den Einzelhandelskonzern Weltbild mit Sitz in Augsburg geleitet.
Der studierte Betriebswirt kam Anfang Oktober 2024 zu Galeria. Das Unternehmen hatte damals im Zuge des jüngsten Insolvenzverfahrens Kaufhäuser schließen müssen, darunter den Standort Augsburg. Aus „Galeria Karstadt Kaufhof“ wurde schlicht „Galeria“. Sailer startete als Finanzchef, an der Spitze stand im Herbst noch der Belgier Olivier van den Bossche. Ende April hat sich Galeria überraschend von van den Bossche getrennt, jetzt bilden Finanzchef Christian Sailer und Vertriebschef Tilo Hellenbock die Galeria-Führungsspitze.
Christian Sailer: Spagat zwischen traditionellem Geschäft und Onlinehandel
Sailer stammt aus Weiden in Oberpfalz, in seiner Zeit bei Weltbild hatte er dort mit seiner Familie den Wohnsitz - neben einer Wohnung in Augsburg. Er studierte in Regensburg und startete seine Karriere bei den Amberger Kaolinwerken, wechselte zu Bahlsen und 2003 zu A.T.U. Auto-Teile-Unger, ein Unternehmen, das sich ebenfalls in der Krise befand. Sailer trieb dort die Entschuldung voran. Im Januar 2017 startete der Familienvater, der als Hobbys Lesen und Klavierspielen angibt, bei Weltbild.
Der früher zur katholischen Kirche gehörende Buchhändler Weltbild hatte damals ebenfalls eine Insolvenz durchlaufen. Sailer wagte bei der Neuaufstellung einen Spagat: Er hielt an den Filialen, dem Katalog und dem traditionellen Sortiment fest. „Das Buch ist extrem wichtig für uns“, sagte er unserer Redaktion. Gleichzeitig erweiterte er den Online-Bereich und kaufte zahlreiche Plattformen hinzu, darunter Gärtner Pötschke, die Kindermodemarke Tausenkind und die Gesundheitsmarke Orbisana. Weltbild zog in eine schicke, neue Zentrale.
Stabilisierung von Weltbild gelang nicht auf Dauer
Doch die Stabilisierung gelang nicht auf Dauer: Weltbild musste im Juni 2024 abermals Insolvenz anmelden, 440 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Christian Sailer war zu dem Zeitpunkt allerdings seit einigen Monaten nicht mehr Chef.
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