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Elektromobilität: Sind E-Autos durch die hohen Spritpreise günstiger als Verbrenner?

Interview

„60 bis 65 Cent pro Kilowattstunde“: Unter diesem Wert ist das Laden günstiger als das Tanken

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    Constantin Hack ist Experte für Elektromobilität. Er berät die Mitglieder beim Auto Club Europa in allen Fragen rund um das E-Auto.
    Constantin Hack ist Experte für Elektromobilität. Er berät die Mitglieder beim Auto Club Europa in allen Fragen rund um das E-Auto. Foto: AZ-Montag: Jan Woitas, dpa/Lukas Frontzek, ACE

    Herr Hack, die Spritpreise liegen über zwei Euro. Ist jetzt der Moment günstig, auf ein Elektroauto umzusteigen?

    CONSTANTIN HACK: Jeder, der sich ein neues Auto zulegt, egal ob gebraucht oder neu, sollte darüber nachdenken. Die Infrastruktur ist gut, die Fahrzeugpreise haben sich stark an die für Verbrenner angenähert. Ab Mai gibt es eine Prämie, die zum ersten Mal das Leasing für private Personen interessant macht. Die gestiegenen Spritpreise lassen Elektroautos noch attraktiver werden. In diesen Tagen ist das Laden selbst für all diejenigen, die keine eigene Wallbox haben, günstiger als das Tanken.

    Wer lädt, ist besser dran?

    HACK: Wenn ich aktuell tanke, zahle ich doppelt so viel, als wenn ich zu meinem alten Haushaltsstromtarif lade. Wer eine Wallbox zu Hause hat, zahlt circa 40 Cent pro Kilowattstunde. Für 100 Kilometer macht das ungefähr sieben Euro Stromkosten. Wer für über zwei Euro Benzin tankt, zahlt rund 14 Euro pro 100 Kilometer und damit doppelt so viel. Die Strompreise ändern sich nicht so schnell. Sie sind nicht so anfällig für geopolitische Krisen, wie wir es jetzt mit dem Iran-Krieg erleben. Das bezieht sich jetzt aber auf all diejenigen, die zu Hause laden können.

    Und wenn ich auf öffentliche Ladesäulen angewiesen bin?

    HACK: Wenn ich öffentlich lade, dann muss ich den öffentlichen Strompreis bezahlen. Fahre ich viel, hole ich mir eine Ladekarte. Durch das Abo schrumpft meist der Preis pro Kilowattstunde. Fahre ich wenig, lohnt sich ein Abo nicht und ich zahle relativ viel für den Strom. Jetzt ist der Sprit aber so teuer, dass sich auch letzteres lohnt.

    Dennoch stehen öffentliche Ladesäulen aufgrund intransparenter und hoher Preise in der Kritik. Berechtigt?

    HACK: Wir kritisieren den Wildwuchs an der Ladesäule. Verbraucher, die auf öffentliche Ladepunkte angewiesen sind, zahlen oft doppelt so viel wie beim Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz. Wir werten insbesondere die AdHoc-Ladepreise aus, also die Ladepreise ohne Abo oder Ladekarte, weil sonst zu viele Faktoren mit hineinspielen. Lange war das die teuerste Ladeart, mittlerweile ist das jedoch nicht immer der Fall. Am Beispiel Augsburg liegt der Preis für normal schnelles AC-Laden bei 57,10 Cent, das DC-Laden, also das Schnellladen, bei 72,40 und das ultraschnelle Aufladen bei 78,47 Cent pro Kilowattstunde. Doch wer ein bisschen sucht, kann auch für unter 50 Cent pro Kilowattstunde öffentlich laden.

    Wie sinnvoll ist es, ein Elektroauto zu leasen?

    HACK: Für Privatpersonen ist das Leasing rein finanziell nicht die vernünftigste Idee. Egal, ob Verbrenner oder E-Auto. Vielmehr lohnt es sich für Firmen, die die Leasingraten steuerlich absetzen können. Ab Mai allerdings werden der Kauf und das Leasing von Elektroautos wieder staatlich gefördert und dadurch auch das Leasing äußerst attraktiv.

    Sie sprechen den „E-Auto-Booster“ der Bundesregierung an: Einkommensschwache Haushalte sollen bis zu 6000 Euro Zuschuss bekommen, wenn sie ein rein elektrisches Fahrzeug leasen oder neu kaufen.

    HACK: Ja, das nennt man auch „Social Leasing“. Das Angebot richtet sich an Menschen mit geringem Einkommen. Die Basisförderung liegt bei 3000 Euro. Ein Haushalt ohne Kinder und einem jährlichen Haushaltseinkommen unter 45.000 Euro erhält für ein rein elektrisches Fahrzeug bis zu 5000 Euro Prämie. Mit zwei Kindern oder mehr erhöht sich die Förderung auf bis zu 6000 Euro. Für Menschen mit wenig Geld ist das eine gute Möglichkeit, entweder einen Neuwagen zu kaufen oder ein E-Auto für drei Jahre zu leasen. Wer die volle Förderprämie bekommen will, darf aber wirklich nur über ein geringes Haushaltseinkommen verfügen. Das knirscht schon etwas im Getriebe. Bis zu 5000 Euro gibt es für Rentner, Studenten oder Auszubildende, wodurch etwa die Leasingrate deutlich reduziert werden kann.

    Gebrauchtwagen werden jedoch nicht gefördert.

    HACK: Ja, das ist schade. Denn der Verkauf von Elektro-Gebrauchtwagen lahmt. Die Leute sind hier sehr unsicher.

    Ist die Skepsis berechtigt?

    HACK: Ich bin mittlerweile total entspannt. Es gibt neue Untersuchungen, die zeigen, dass die Akkus wesentlich länger halten, als man erwartet hat. Die größte Sorge der Leute ist immer der Akku. Die letzte Generation von Elektroautos, die jetzt vom Leasing zurückkommt, hat brandneue Akkus eingebaut. Die sind richtig gut und haben in der Regel zwischen 90 und 95, manchmal sogar bis zu 98 Prozent Restreichweite. Selbst nach zehn Jahren liegt die Batteriegesundheit noch bei rund 90 Prozent. Zudem hat man mittlerweile bei jedem Neuwagen eine lange Batteriegarantie, die aber natürlich an Garantiebedingungen geknüpft ist.

    Elektroautos wären nur für kurze Strecken, etwa im Stadtverkehr, geeignet, hieß es noch vor ein paar Jahren. Was ist da dran?

    HACK: Früher hat man immer gesagt: Ein E-Auto, das ist was für die Stadt. Aber das war noch nie logisch. Denn die Leute auf dem Land haben in der Regel eher Eigentum und deshalb Platz für eigene Wallboxen. Denn der Casus knacksus ist immer das Laden. Momentan sind die Spritpreise so hoch, dass sich auch das öffentliche Laden lohnt. Aber wer weiß, wie lange das noch so bleibt.

    Gibt es einen ungefähren Richtwert, wie viel die Kilowattstunde maximal kosten darf, um günstiger zu laden, als zu tanken?

    HACK: Das hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Was tanke ich, was habe ich für ein Fahrzeug? Wir haben berechnet, dass der Turning Point in vielen Fällen bei 60 bis 65 Cent pro Kilowattstunde liegt. Wenn ich unter diesem Wert im Alltag lade, bin ich günstiger unterwegs als mit dem Verbrenner. Wer aber zum Beispiel viel Langstrecke fährt und diese auch zügig fährt, für den lohnt sich ein Umstieg finanziell auch wegen der vielen Ladestopps eher weniger. Gleichzeitig könnte man hier sagen: Je mehr Kilometer ich fahre, desto mehr lohnt sich der Umstieg allein schon der Umwelt zuliebe.

    Die Entscheidung, auf ein Elektroauto umzusteigen, hängt also stark vom Einzelfall ab.

    HACK: Genau. Ein Rentner, der im Jahr nur 1000 Kilometer fährt, kann seinen Verbrenner ruhig behalten. Erstens verursacht er kaum CO₂, weil er ja so wenig fährt. Zweitens würde sich der Neuerwerb für sein Portemonnaie nicht lohnen. Wer aber überlegt, von seinem VW-Passat auf den ID7, quasi das elektrische Modell, umzusteigen, der fährt gut. Denn der ID7 ist je nach Motorisierung und Ausstattung sogar günstiger in der Anschaffung.

    Zur Person

    Constantin Hack, 40, arbeitet seit 13 Jahren für den Auto Club Europa (ACE). Als Teil des Kompetenzteams Elektromobilität berät er die Mitglieder und externe Gremien in allen Fragen rund um Elektromobilität.

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