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Energieversorgung
02.04.2022

Metall-Arbeitgeber gegen Bevorzugung privater Haushalte bei Gas-Notstand

Stefan Wolf ist Präsident des mächtigen Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall - einem Zusammenschluss der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland.
Foto: Marijan Murat, dpa

Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf warnt vor einem wirtschaftlichen Einbruch, sollte die Industrie wegen mangelnder Gaslieferungen erheblich heruntergefahren werden.

Deutschland bereitet sich auf einen drohenden Engpass in der Gaslieferung vor. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall fordert für den Fall eines Stopps von russischen Gaslieferungen die Bundesregierung auf, die Bevorzugung privater Haushalte gegenüber der Industrie im Notfallplan zu überdenken. Zuletzt hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen die erste Stufe des nationalen Notfallplans in Kraft gesetzt.

Habeck forderte zudem Verbraucher auf, Energie zu sparen. „Die Bundesnetzagentur muss sich genau überlegen, ob sie an der Rangfolge der Kunden festhält, die vorrangig Gas bekommen, wenn Putin uns von sich aus das Gas abdreht“, sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf unserer Redaktion. „Niemandem wäre damit gedient, wenn die Menschen bei 24 Grad zu Hause in der Wohnung sitzen, aber die Unternehmen, in denen sie arbeiten, zusammenbrechen“, warnte Wolf.

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Der Metall-Arbeitgeberchef sagte weiterhin, dass Deutschland den größten wirtschaftlichen Einbruch in der Nachkriegszeit erleben könnte, wenn die Industrie wegen mangelnder Gaslieferungen in hohem Maße runtergefahren werden müsse. „Das wäre der Super-Gau. Die Kurzarbeit würde sprunghaft ansteigen und Firmen müssten zum Teil Beschäftigte entlassen.“, gab Wolf zu bedenken. Die Bundesregierung müsse sich dann die Frage gefallen lassen, wie diese Menschen dann noch ihre Gas- und ihre Stromrechnungen zahlen könnten. „Mir wäre es lieber, ich sitze ein paar Monate bei 18 Grad zu Hause und ziehe zwei Pullover an, behalte aber meinen Arbeitsplatz, weil die Industrie vorrangig mit Gas bedacht wird“, sagte Wolf.

Stefan Wolf: Unternehmen kämpfen mit hohen Energiekosten und gestiegenen Materialpreisen

Wolf warnte zudem vor weiteren Konsequenzen. „Wir dürfen auf keinen Fall die Industrie als Schlagader unseres Wohlstands und von Arbeitsplätzen abstellen“, betonte der Gesamtmetall-Chef. „Wenn diese Ader abgedrückt wird, dann dauert es Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, bis wir wieder das wirtschaftliche Niveau von heute erreichen. Danach muss der Staat handeln.“

Der Arbeitgeber-Chef signalisierte auch, dass die IG Metall hohe Lohnforderungen angesichts der Inflationsentwicklung erwarten könnte. „Auf der einen Seite stehen eine hohe Inflation und steigende Energiekosten, auf der anderen Seite kämpfen die Unternehmen nicht nur mit den hohen Energiekosten, sondern auch mit immens gestiegenen Materialkosten“, sagte Wolf. Das betrifft insbesondere oft genutzte Grundmaterialien in der Industrie: Allein die Preise für Stahl, Aluminium und Kunststoffgranulate seien unglaublich in die Höhe geschnellt. „Da noch etwas in Form von Lohnkostensteigerungen drauf zu setzen, wird vielen Unternehmen das Genick brechen“, warnte Wolf, der einen branchenübergreifenden Vergleich zog. „Dabei haben wir schon sehr hohe Durchschnittseinkommen in der Metall- und Elektroindustrie. Wenn Krankenschwestern oder Zahnarzthelferinnen das erfahren, werden sie blass.“

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Hier finden Sie auch das gesamte Interview mit Stefan Wolf im Wortlaut.

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