Bald beginnen die Pfingstferien. Und bis zur Sommerfrische ist es auch nicht mehr lang. Wer weiter weg will und den Flug noch nicht gebucht hat, wird das Urlaubsbudget deutlich erhöhen müssen. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade hervor. Denn wegen des Iran-Krieges bleibt die Straße von Hormus geschlossen und Kerosin wird immer begehrter.
Kerosin-Mangel in Deutschland: Ist der Familienurlaub mit Flieger noch bezahlbar?
„Treibstoff macht etwa ein Drittel der Betriebskosten von Airlines aus“, erklärt die Allianz-Branchenexpertin Maria Latorre. „In der Folge kürzen sie ihr Angebot selektiv und geben Preiserhöhungen an Passagiere weiter. In der Folge steigen Flugpreise direkt vor der Hauptreisezeit deutlich. Für Kurzentschlossene dürften es teure Sommerferien werden.“ Und weil eine Entspannung der Lage nicht in Sicht ist, heißt es perspektivisch von ihr: „Für Reisende in Deutschland wird Fliegen erst einmal spürbar teurer“. Selbst, wenn sich der Konflikt entspannen sollte, „bleiben die Effekte auf Preise und Angebot über die Ferienzeit hinaus bestehen.“ Laut Allianz Trade wurden international die Flugpreise bereits um bis zu 15 Prozent erhöht.
Die Lufthansa, Deutschlands größte Fluggesellschaft, kann zwar mit einem neuen Rekordumsatz von 8,7 Milliarden Euro für ein erstes Quartal in das Jahr starten, wie der Konzern vor wenigen Tagen bekannt gab. Aber es folgen eben noch drei weitere Quartale. Zwar geht Finanzvorstand Till Streichert davon aus, das Jahresergebnis von 2025 übertreffen zu können, aber die gestiegenen Kerosinpreise führen – Stand jetzt – für 2026 zu Mehrkosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro, wie es weiter heißt. Und um das zu kompensieren, will die Lufthansa in den folgenden Quartalen die Netzwerkplanung optimieren, sparen und die Tickets verteuern.
Ihren Kerosin-Bedarf für das laufende Jahr hat sich die Lufthansa zwar zu Vorkrisen-Preisniveau zu rund 80 Prozent abgesichert – für 2027 aber nur zu rund 40 Prozent. Heißt für Passagiere: Wenn sich die Lage in Nahost nicht entspannt und sich der Markt massiv erholt, wird es erst mal teurer. Lufthansa-Chef Carsten Spohr beschreibt die Lage so: Die Iran-Krise „stellt die Welt insgesamt, den globalen Luftverkehr und auch unser Unternehmen vor enorme Herausforderungen.“
Tui, Alltours und Dertour wollen Preise nicht nachträglich erhöhen
Die großen deutschen Reiseveranstalter betonen zwar, dass sie trotz der steigenden Kerosinpreise Kunden nicht nachträglich für gebuchte Reisen zur Kasse bitten. Man werde die Preise nicht im Nachhinein erhöhen, teilten die Anbieter Tui, Alltours und Dertour dem Tagesspiegel mit. Für zukünftige Buchungen könnte es allerdings angesichts des Preisanstiegs anders aussehen, heißt es weiter. Ein Tui-Sprecher rät also: „Wer jetzt bucht, sichert sich nicht nur Verfügbarkeit, sondern schützt sich auch vor weiteren Preissteigerungen.“
Die Allianz Trade geht jedenfalls von einem „stressigen Sommer“ für den deutschen Luftverkehr aus. Die Allianz-Tochter sichert Unternehmen gegen Zahlungsausfälle ab. Um dabei das Risiko präzise zu bewerten, hat sie sofortigen Zugriff auf die Daten von 289 Millionen Unternehmen in mehr als 160 Ländern. Und analysiert Branchenrisiken, also auch den Luftverkehr. Ano Kuhanathan, Leiter der Branchenanalyse bei Allianz Trade, erklärt die Zwänge der Fluggesellschaften so: „Mögliche Engpässe bei Kerosin zwingen diese aktuell zu Anpassungen: Einige betanken ihre Flugzeuge mit einer größeren Menge als nötig, andere planen auf bestimmten Flügen Zwischenlandungen zum Auftanken, falls am Abflug- oder Ankunftsflughafen nur geringe Mengen verfügbar sind.“ Dies könne zu Verspätungen im Flugplan und höheren Flugpreisen führen.
Das Bundeswirtschaftsministerium betont indes auf Nachfrage unserer Redaktion erneut, dass es „derzeit“ keine physischen Energieknappheiten in Deutschland gebe. Man beobachte die Lageentwicklung aber „weiterhin aufmerksam“. Dass auch Israel im Rahmen einer Energiepartnerschaft in Aussicht gestellt habe, Deutschland durch die Lieferung von Kerosin und Erdgas zu unterstützen, bestätigte das Ministerium. Man befinde sich mit mehreren Ländern in „konstruktiven Gesprächen“.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrsgesellschaft teilt jedenfalls mit, da sich der Preis für Kerosin in den vergangenen Wochen verdoppelt habe – und Kerosin schon in normalen Zeiten mit rund 30 Prozent den größten Kostenblock eines Fluges darstelle – habe dies „unweigerlich Auswirkungen auf die Kostenstruktur der Fluggesellschaften“. Auch das klingt nicht so, als würden Flugtickets absehbar günstiger werden.
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