Die jüngste Meldung, dass Tesla einen wichtigen Durchbruch in seiner hauseigenen Batterieproduktion erzielt hat, fand nur noch in Fachkreisen Aufmerksamkeit. Als Elon Musk vor sechs Jahren die neuen, selbst entwickelten Zellen ankündigte, fand sein „Battery Day“ wie ein Popkonzert noch ein weltweites Echo. Die großen, auf fünf Zentimeter Dicke aufgeblasenen Akkuzellen, kommen zwar endlich dem Ingenieurstraum einer Festkörperbatterie näher. Doch das ändert nichts daran, dass Chinas Industrie in der Zwischenzeit völlig neue Maßstäbe gesetzt hat.
Der versprochene Einsteiger-Tesla für die Masse kam nie
Ohne die in China entwickelten, viel billigeren, langlebigen Akkuzellen wäre es nicht möglich, dass kleinere E-Autos nun auch in Europa langsam erschwinglich werden. Musk hatte bei seinem „Battery Day“ ebenfalls ein Einstiegsmodell unter 25.000 Dollar versprochen. Doch wie schon der Tesla-Elektrolaster „Semi“ und der Sportwagen „Roadster“ wurde das Modell Jahr um Jahr verschoben – und zwischenzeitlich wohl ganz beerdigt.
Seit damals schaffte es nur das ganz nach Musks Vorlieben im Stil düsterer Science-Fiction-Fantasien entsponnene Ungetüm „Cybertruck“ in die Serienproduktion. Doch statt wie versprochen, den riesigen amerikanischen Pickup-Markt aufzumischen, blieb das Edelstahl-Monster auch in den USA ein Exot auf den Straßen.
Viele Banken nehmen Kaufempfehlungen für Tesla-Aktie zurück
Noch lebt Tesla von seinen massentauglichen „Model 3“ und „Model Y“. Angeheuerte deutsche Experten halfen Musk zuvor, große Anlaufschwierigkeiten in der Produktion zu überwinden. Doch die beiden Auto-Bestseller kommen zunehmend in die Jahre. Zum zweiten Mal in Folge sank 2025 der Absatz des US-Autobauers auf nur noch 1,6 Millionen Neuwagen. Es ist keine vier Jahre her, da traute die Finanzwelt Tesla noch zu, bis zum Jahr 2030 die Grenze von knapp zehn Millionen Neuwagen pro Jahr zu erreichen und damit den Volkswagen-Konzern zu überholen. Inzwischen nehmen viele Banken Kaufempfehlungen für die hoch bewertete Tesla-Aktie zurück.
Wer vor fünf Jahren an der Börse in Tesla investierte, machte immerhin über 60 Prozent Gewinn. Das ist allerdings nicht viel mehr Rendite als auch die biedere Toyota-Aktie einfuhr. Tesla machen heute viele Probleme zu schaffen. Musks desaströser Ausflug in die Politik war davon noch das Geringste. Viel schwerer wiegt, dass der Multimilliardär schlicht die Lust am Autobauen verloren hat.
Tesla scheitert bislang beim autonomen Fahren an den Grenzen des Möglichen
Musk liebt Visionen und zwingt Tesla zurück in die Rolle eines Start-ups. Anleger hält er mit vagen Versprechen bei Laune. Statt nach den Gesetzen der Autoindustrie die Fahrzeugpalette zu erneuern und zu verbreitern, soll Tesla menschenähnliche Roboter bauen und mit KI-Hilfe selbstfahrende Autos als größtes Massenverkehrsmittel aller Zeiten erschaffen.
Doch Tesla stößt immer härter an die Grenzen des Möglichen. Für selbstfahrende Autos reichen 99,99 Prozent Sicherheit nicht. Dies wäre mathematisch ein Unfall pro 10.000 Fahrten. Die letzten Schritte zur Perfektion sind die schwierigsten. Das ist das Problem der gesamten E-Auto-Branche auf dem Weg zu einem allseits akzeptierten Durchbruch.
Und Teslas Schicksal wird für die Zukunft der gesamten Elektromobilität mitentscheidend. Denn mit Konzept, Software und Ladennetz definiert Tesla in der Branche bis heute das Maß aller Dinge, an das kein anderer Hersteller heranreicht. Scheitert Tesla an den Marotten von Elon Musk, könnte dies am Ende dem E-Auto außerhalb von China den Sieg über die Verbrennertechnologie kosten.
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