Die Zeit der Öl- und Gasheizung läuft ab

09.03.2023

Wirtschaftsminister Habeck hat einen Plan für Verbote bereits ab 2024 vorgelegt. Das ist sportlich, die Bundesregierung wird ihren Entwurf überarbeiten müssen. Aber das langfristige Ziel stimmt.

Es scheint, als wäre die Bundesregierung selbst geschockt von dem, was sie da beschlossen hat. Im Koalitionsvertrag hatten SPD, Grüne und FDP festgelegt, dass ab 2025 alle neuen Heizungen mindestens zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden sollen. Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges hat die Koalition den Start auf den 1. Januar 2024 vorverlegt. Jetzt haben Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck und SPD-Bauministerin Klara Geywitz ihren Entwurf vorgelegt, die FDP droht, diesen abzulehnen. Der Entwurf ist tatsächlich an manchen Stellen überreguliert, in der Polterei steckt aber auch eine Menge Parteitaktik. Denn der grundsätzliche Kurs stimmt. 

Unproblematisch müssten die Pläne in den meisten Neubauten sein. Diese haben einen guten Energiestandard. Der Einbau einer Wärmepumpe, die Nutzung von Solarenergie dürfte kaum Probleme bereiten. 

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Schwieriger wird es bei bestehenden Gebäuden. Sie bedürften meist einer umfassenden und damit teuren Sanierung, um sie fit für eine Wärmepumpe zu machen, die Energie auch aus dem Grundwasser, dem Boden, der Luft bezieht. Ohne Sanierung wird es nicht leichter: Als Möglichkeiten blieben Fernwärme (gibt es nicht überall), Holzpelletkessel (brauchen viel Platz) oder Hybridheizungen, die zum Beispiel einen Gaskessel mit einer Wärmepumpe oder Solartechnik kombinieren (und damit ebenfalls teuer sind).

Den größten Charme hätte es sicherlich, eine Gasheizung zu 65 Prozent mit Biogas oder grünem Wasserstoff zu beheizen. Energieunternehmen machen ihr Netz gerade wasserstoffbereit. Das Problem ist nur, dass es den grünen Wasserstoff in der Menge bisher nicht gibt. Billig wird er auch nicht sein. 

Der Start zum 1. Januar ist sehr sportlich. Wärmepumpen sind knapp, die Energieberatungen bis unters Dach ausgelastet. Ein fließenderer Übergang hätte Schärfe aus der Debatte genommen. Die Frage ist zum Beispiel auch, ob ein Gesetz wirklich bis ins kleinste Detail regeln muss, wie nach zwei Jahren die Betriebsprüfung einer brandneuen Wärmepumpe auszusehen hat. 

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Die berechtigte Kritik darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Pläne konsistent sind zu den langfristigen politischen Zielen des Landes. Die meisten bestehenden, funktionstüchtigen Heizungen sind nicht betroffen. Muss aber eine Heizung erneuert werden, läuft diese für 20 bis 30 Jahre. Guten Gewissens kann man heute kein System installieren, das nur noch auf fossiles Erdgas oder Öl setzt. 

Wir können nicht auf einer abstrakten Ebene kritisieren, dass sich Deutschland geostrategisch zu abhängig gemacht hat von russischem Gas, im Alltag dann aber Gasheizungen einbauen und die Energie aus Russland einfach durch LNG-Terminals an der Küste ersetzen. Das Gas stammt dann aus den Golf-Staaten oder aus Fracking in den USA, eine Technologie, die wir bei uns selbst nicht anwenden wollen. Soll die Zeitenwende keine Floskel bleiben, wird sie selbst im Heizungskeller stattfinden müssen. 

Bayern will bis 2040 klimaneutral werden

Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu sein. In der Stromerzeugung hatten erneuerbare Energien im vergangenen Jahr einen stattlichen Anteil von fast 50 Prozent. Der Wärmebereich – Heizen und Warmwasser – liegt meilenweit dahinter, es sind rund 15 Prozent. Es ist höchste Zeit, hier an Tempo zu gewinnen. 

Bayern, übrigens, hat sich das Ziel der Klimaneutralität schon bis 2040 gesetzt. 

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