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Konjunktur
13.12.2021

Ifo-Institut: Die vierte Welle bremst den Aufschwung

Die Konjunktur bremst sich laut Ifo-Institut ein.
Foto: Marcus Brandt, dpa

Die bis in den nächsten Sommer andauernden Lieferschwierigkeiten und die Pandemie werden die Wirtschaft weiter stark belasten. Was Ifo-Präsident Clemens Fuest von der EZB erwartet.

Auch wenn das vielleicht nicht jeder Einzelhändler oder Restaurantbesitzer gerne liest, hat Ifo-Präsident Clemens Fuest am Dienstag bei der Winter-Konjunktur-Prognose seines Instituts doch erneut eine Sache sehr nachdrücklich betont. Er sagte: „Es sind nicht die 2G- oder 3G-Regeln, die die Konjunktur belasten.“ Diese Maßnahmen gegen die Pandemie belasteten nicht die Wirtschaft, sondern im Gegenteil: Diese schützten die Wirtschaft. Weil sie die Pandemie verkürzten und weil die Regeln Restaurant- und Geschäftsbesuche sicherer machten. Fuest sagte: „2G und 3G schützen nicht nur die Gesundheit, sondern stützen auch die Konjunktur. Die Pandemie belastet die Konjunktur. Uns ist nicht geholfen, wenn wir sagen, wir verzichten aus wirtschaftlichen Gründen auf 2G- oder 3G-Regeln. Dann machen wir auch die Wirtschaft immer nur noch schlimmer.“

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Und das ist zu vermeiden, denn das Ifo-Institut hatte nicht gerade euphorisch stimmende Nachrichten: Es hat die Wachstumsprognose für 2022 um 1,4 Prozentpunkte gesenkt und für das Jahr 2023 um 1,4 Prozentpunkte angehoben. Warum? Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser nannte diese Gründe: „Die anhaltenden Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle bremsen die deutsche Wirtschaft spürbar aus.“ Die zunächst erwartete kräftige Erholung für 2022 verschiebe sich daher weiter nach hinten. Der Ausblick: Die Wirtschaftsleistung Deutschlands wird 2021 um 2,5 Prozent zulegen, im kommenden Jahr nur noch um 3,7 Prozent. 2023 werden es 2,9 Prozent.

Lieferengpässe werden noch bis Mitte des Jahres andauern

Im laufenden Quartal, so erläuterte Wollmershäuser weiter, dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal schrumpfen und am Jahresbeginn 2022 „nur stagnieren“. Wie geht es dann weiter? „Im Sommerhalbjahr 2022 wird mit dem Abebben der Corona-Welle und dem allmählichen Ende der Lieferengpässe eine kräftige Erholung einsetzen.“

Es braucht also noch Geduld. Nicht nur im Kampf gegen die Pandemie und beim Warten auf Nachschub für die diversen, oft fehlenden sogenannten industriellen Vorprodukte. Auch die Verbraucherpreise werden weiter steigen, wie die Münchener Ökonomen prognostizieren. Heißt in Zahlen: Die Inflationsrate wird von 3,1 Prozent in diesem Jahr auf 3,3 Prozent im kommenden Jahr zunehmen. Was wiederum mit den – von den Lieferengpässen verursachten – steigenden Kosten zusammenhängt und mit der „verzögerten Anpassung an die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise “. Erst im Jahr 2023 erwarten die Wirtschaftsforscher, dass sich der Anstieg der Verbraucherpreise wieder „normalisiert“ und dann auf 1,8 Prozent zurückgeht.

Was Ifo-Präsident Clemens Fuest von der EZB erwartet

Ifo-Präsident Fuest forderte auch deshalb von der Europäischen Zentralbank, eine Wende bei der Geldpolitik einzuleiten und bei ihrer für Donnerstag anstehenden Sitzung das Ende des aktuellen Corona-Notprogramms zum Anleihenaufkauf (PEPP) anzukündigen. Eine Fortsetzung sei mit der Inflation nicht vereinbar. Die Geldpolitik müsse sich auf ihr Mandat konzentrieren und den Preisanstieg bremsen.

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Beim Blick auf den Arbeitsmarkt schaut die Sache indes besser aus. Die Arbeitslosenquote fällt laut Ifo-Institut von voraussichtlich 5,7 Prozent in diesem Jahr auf durchschnittlich 5,2 Prozent im nächsten Jahr. Und 2023 wird eine noch weiter abgesunkene Quote von 4,9 Prozent erwartet. Und die Kurzarbeit dürfte den weiteren Ifo-Angaben zufolge von schätzungsweise knapp 1,7 Millionen Beschäftigten im Durchschnitt des laufenden Jahres auf etwa 313.000 im nächsten und 74.000 im Jahr 2023 zurückgehen.

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Ist Christian Lindners (FDP) Nachtragshaushalt in Ordnung?

Die Finanzierung der Kurzarbeit fordert – indirekt – auch die Staatskasse. Hier wird erwartet, dass das Defizit im Staatshaushalt des laufenden Jahres bei voraussichtlich 162 Milliarden Euro liegen wird. Im weiteren Prognosezeitraum steht dann Erholung an: 2022 und 2023 wird ein Defizit von gut 80 beziehungsweise 20 Milliarden Euro erwartet. Allerdings sei, wie Wollmershäuser betonte, dabei noch „so gut wie nichts“ von dem berücksichtigt, was im Koalitionsvertrag der neuen Ampel-Regierung drinsteht. Dafür sei es noch zu früh und die Informationen noch „zu vage“.

Mit Blick auf die viel diskutierten Finanzierungsmöglichkeiten für die Vorhaben des gerade ins Amt gekommenen Bündnisses von SPD, Grünen und FDP sagte Fuest zum gerade von Finanzminister Christian Linder eingereichten Nachtragshaushalt in Höhe von 60 Milliarden Euro: „Aus meiner Sicht gibt es – ganz unabhängig davon, ob das verfassungsrechtlich in Ordnung ist – gute ökonomische Gründe, in der jetzigen Situation auch Schulden aufzunehmen.“ Allerdings nur unter der Bedingung, dass das Geld auch in zusätzliche Investitionen fließt. Zugleich aber müssten auch die Ausgaben überprüft werden.

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