Newsticker
Russische Wirtschaft ist wegen Sanktionen deutlich geschrumpft
  1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Lange Bauzeiten: So schnell bauen wie Musk? Das ist in Deutschland vorerst nicht möglich

Lange Bauzeiten
02.06.2022

So schnell bauen wie Musk? Das ist in Deutschland vorerst nicht möglich

Die Tesla-Fabrik bei Berlin ist der neue Goldstandard für die Wirtschaft. Nur zwei Jahre hat der Bau gedauert.
Foto: Patrick Pleul, dpa

Deutschland braucht zu lange für den Bau von Fabriken, Windparks und Schienen. Bund und Länder versprachen Tempo bei der Genehmigung, doch der Vorstoß steckt fest.

Der Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie haben es gezeigt: Deutschland ist ein Land mit langsamer Verwaltung. Die Behörden arbeiten mit alter Technik, Papier ist ihr Elixier und Genehmigungen brauchen ewig. Der Bau eines Windparks für grünen Strom dauert zwischen sechs und acht Jahren, wobei die eigentliche Bauphase nicht das Problem ist. Vorher, im Genehmigungsprozess, wird die Zeit verloren.

Die Ampel-Koalition wollte das ändern: "Die Verwaltung soll agiler und digitaler werden", heißt es im ersten Kapitel ihres Koalitionsvertrages. Gemeinsam mit den Ländern hat sich die Bundesregierung vorgenommen, einen Pakt zur „Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren" auf der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag zu beschließen.

Der Beschleunigungspakt ist vertagt – und nun?

Doch daraus wird nichts. Der Pakt ist nach Informationen des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) und unserer Redaktion von der Tagesordnung geflogen. Der VCI ist enttäuscht und sieht eine Riesenchance vertan. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sagte unserer Redaktion: "Die ausländischen Investitionen in Deutschland sinken seit mehreren Jahren deutlich. Besonders bei Genehmigungen müssen wir schneller werden, um Deutschland wieder attraktiver für Investitionen zu machen."

Die neue Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg, auch Gigafactory genannt, wird am 22. März eröffnet.
10 Bilder
Musk drückt den Startknopf – Tesla-Fabrik Berlin-Brandenburg wird eröffnet
Foto: Patrick Pleul, dpa

Der Interessenvertreter der Chemieindustrie forderte von Bund und Ländern, den Pakt rasch zu unterschreiben. "Damit kann die Transformation der Industrie zügig vorangetrieben und die Energieabhängigkeit reduziert werden", meinte Große Entrup. Nicht nur wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine, sondern auch um den Schutz des Klimas willen soll sich die gesamte deutsche Industrie schrittweise von Kohle, Gas und Öl verabschieden.

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu sein. Das heißt, dass in der Bundesrepublik ab Mitte des Jahrhunderts netto kein Klimagas mehr in die Atmosphäre geblasen wird. Heute gehört Deutschland mit seiner starken Industrie in der Betrachtung pro Kopf zu den Staaten mit dem höchsten CO2-Ausstoß. Damit dieser schnell sinken kann, setzen die Unternehmen auf sauberen Wasserstoff als Energiequelle.

Lesen Sie dazu auch

Vier Gründe für die deutsche Trägheit

Wasserstoff kann per Elektrolyse aus Strom von Windrädern und Solarfeldern gewonnen werden, doch der Ausbau stockt wegen langer Planungs- und Genehmigungsverfahren. Dass die Prozesse derart zäh sind, liegt an deutlich umfangreicheren Umweltauflagen, der Bürgerbeteiligung, die es früher so nicht gab, und an klagefreudigen Umweltverbänden. Außerdem fehlen in den Behörden Mitarbeiter.

Video: dpa

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erklärt in beinahe jeder seiner Reden, dass Deutschland schneller werden müsse. Erst am Mittwoch besiegelte er mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ein Bündnis "Zukunft der Industrie". Ein wesentliches Ziel ist, dass neue Werke, Stromleitungen, Windräder und Wasserstofffabriken rasch vom Staat genehmigt werden.

Ein Vorbild für die hiesigen Unternehmen ist Tesla-Chef Elon Musk aus den USA. Er baute in Rekordzeit binnen zwei Jahren seine neue E-Auto-Fabrik in den märkischen Sand im Süden Berlins. Allerdings legte Musk ohne die finale Baugenehmigung los und hätte bei einem Nein der Behörden den Rohbau wieder abreißen müssen. So viel Risiko können nur wenige Manager gehen. Dennoch ist die Tesla-Geschwindigkeit die Richtschnur für Habeck.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.