Regierung plant Förder-Aus für Solarenergie: Wann sich eine Anlage dennoch lohnt
Energiewende
„Egal, was Öl und Gas kosten“: Warum ein junges Paar eine PV-Anlage installieren lässt
Wegen der gestiegenen Energiepreise denken viele über eine PV-Anlage nach. Gleichzeitig plant die Regierung das Förder-Aus. Lohnt sich die Investition noch?
Das Ehepaar Werner aus Friedberg sieht sich durch den Iran-Krieg in ihrer Entscheidung für eine Solaranlage bestätigt.Foto: Siegfried Kerpf
Christofer Csernik klettert ohne zu zögern das schmale Gerüst nach oben. Drei wackelige Leitern erklimmt er, bis er am Rande des Schrägdaches steht. In seiner Branche dürfe man keine Höhenangst haben, sagt er. „Man muss gut aufpassen.“ Dann deutet Csernik auf die Solarmodule auf den Dachziegeln, ein dunkelblaues Feld unter hellblauem Himmel. In diesen unscheinbaren Kästen befindet sich Technik, die Sonnenlicht in Strom verwandelt – schon bald werden sie die Familie, die unter dem Dach wohnt, mit Energie versorgen.
Auf Cserniks T-Shirt steht „I love solar“. Der Fachmann leitet zwei Geschäftsstellen von Enerix, einer Firma, die Solaranlagen installiert. An diesem Freitagvormittag arbeiten seine Handwerker an einer Doppelhaushälfte in Friedberg. Manche Experten sehen allerdings dunkle Wolken für die Solarenergie heraufziehen – schuld sind die Pläne der Wirtschaftsministerin, Förderungen zu streichen. Lohnt sich eine Anlage künftig noch?
Iran-Krieg lässt Nachfrage nach PV-Anlagen steigen
Nur etwa eine halbe Stunde zuvor sind auf dem Dach des Friedberger Hauses lediglich silberne Gestelle zu sehen, die Module lehnen noch an der obersten Brüstung des Gerüstes. Während drei Handwerker auf dem Dach herumklettern und mit Bohrmaschinen hantieren, sitzen die Eheleute Werner auf der Terrasse und erzählen, warum sie sich eine PV-Anlage auf ihr Haus setzen lassen. Durch die steigenden Energiepreise als Folge des Krieges im Iran sehen sich die Hausbesitzer in ihrer Entscheidung bestätigt. „Es ist uns am Ende egal, was Öl und Gas kosten“, sagen die Werners.
Ähnliches berichtet Csernik: In seinem Betrieb sei die Nachfrage in den vergangenen Wochen gestiegen. Teilweise sei das wohl saisonal bedingt, es liege aber auch am Krieg. „Das hat viele Leute wirklich aufgeschreckt.“ Bei den Werners war ein anderer Grund ausschlaggebend: Sie wollten ihre Anlage noch installieren lassen, bevor Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ihre Pläne für die erneuerbaren Energien umsetzt. „Man merkt ja, dass das jetzt nicht mehr so gewollt ist in der aktuellen Regierung“ – so der Eindruck von Bauherr Werner.
Wirtschaftsministerin Reiche plant Einschnitte bei PV-Anlagen
Tatsächlich plant das Wirtschaftsministerium Einschnitte bei der Solarenergie. In einem Entwurf für ein neues Gesetz heißt es: Kleinere PV-Anlagen, die ab nächstem Jahr ans Netz gehen, sollen keine Einspeisevergütung mehr bekommen. Bisher erhielten die Betreiber für jede Kilowattstunde, die sie in das Netz einspeisen, einen festen Betrag. Stattdessen sollen sie ihre Energie nun am Strommarkt verkaufen. Reiche begründet ihre Pläne damit, dass die Anlagen mittlerweile auch ohne Förderung wirtschaftlich seien. Die Familie Werner kann die Einspeisevergütung noch mitnehmen. Vielleicht hätten sie die Anlage auch ohne die Subvention installieren lassen, sagen sie. Aber: „Jetzt wissen wir, wie die aktuellen Bedingungen sind. Was in zwei, drei Jahren ist, wissen wir nicht.“
Lohnt sich eine PV-Anlage auch ohne staatliche Förderung? Fachmann Christofer Csernik von der Firma Enerix weiß darauf Antworten.Foto: Siegfried Kerpf
Der Bundesverband Solarwirtschaft schlägt angesichts des geplanten Wegfalls der Förderung Alarm.Die Einspeisevergütung sei für Betreiber „nicht nur eine wichtige Rückversicherung, sondern ermöglicht häufig erst den notwendigen Zugang zu günstigen Krediten“, sagt der Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig unserer Redaktion. Zudem würden sich die Amortisationszeiten verlängern. Etwa 200 bis 300 Euro pro Jahr bringt die Einspeisevergütung bei einer Anlage wie jener der Werners, schätzt Csernik. Dennoch sieht er das geplante Ende der Förderung nicht so dramatisch.
Preise für PV-Komponenten werden wohl steigen
„Eine PV-Anlage ist auch ohne jegliche Förderung wirtschaftlich“, betont er. Ziel müsse sein, möglichst viel des eigenen Stroms selbst zu verbrauchen. So wollen es auch die Werners handhaben: Ihre Wärmepumpe können sie künftig mit ihrem Solarstrom betreiben. In ein paar Jahren möchten sie sich vielleicht ein E-Auto anschaffen. Sinnvoll sei es auch, Geräte wie die Waschmaschine in sonnigen Stunden mit hoher Stromproduktion laufen zu lassen, erklärt Csernik.
Interessiert man sich für eine PV-Anlage, wäre laut Csernik jetzt ein guter Zeitpunkt, sich darum zu kümmern. Denn die Anlagen werden wohl bald teurer werden. Grund dafür ist, dass die Regierung in China, wo viele Komponenten für PV-Anlagen hergestellt werden, Steuervergünstigen gestrichen hat. „Die Module sind schon ein bisschen teurer geworden“, berichtet Csernik.
Familie Werner braucht sich über steigende Preise für Komponenten keine Gedanken zu machen. Die Handwerker haben inzwischen alle Module montiert und machen erst mal Kaffeepause. Jetzt müssen sie nur noch das Gerüst abbauen. An einem weiteren Tag wird noch die technische Installation erledigt – dann können die Werners ihren eigenen Strom nutzen.
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