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MBDA Standort Schrobenhausen im Forst
Foto: Rainer Hassfurter

Taurus

Zu Besuch bei Taurus-Hersteller MBDA: Hightech-Waffen aus der Region

In der Region liegt ein Schwerpunkt der deutschen Rüstungsindustrie. Auch der Taurus-Hersteller MBDA hat hier seinen Sitz. Eine Erkundungsfahrt.

Liefert Deutschland den Marschflugkörper Taurus an die Ukraine oder nicht? Der Druck auf Kanzler Olaf Scholz, seine ablehnende Haltung in dieser Frage aufzugeben, steigt. Der Hersteller des hochmodernen Waffensystems sitzt in der Region. Im vergangenen Frühjahr haben wir uns auf dem streng abgesicherten Betriebsgelände von MBDA westlich von Schrobenhausen auch die Technik des Taurus erläutern lassen.

Die Zeiten ändern dich. Seit vielen Monaten muss sich mit der Ukraine gut zwei Flugstunden von München entfernt ein europäisches Land gegen einen Angriff verteidigen. Russische Söldner und Soldaten morden, foltern und vergewaltigen. Der Westen balanciert entlang einer schwammig-roten Linie bei dem Versuch, der Ukraine zu helfen, aber nicht direkt in den Krieg verwickelt zu werden. Und in Deutschland entkommt keiner mehr der Frage, wie man es denn nun mit der eigenen Armee hält. 

Die Bundeswehr, die über Jahrzehnte entkernt und vernachlässigt wurde, soll nun am liebsten in einem großen Sprung wieder flott gemacht werden. Mit diesem Versprechen und der Ankündigung neuer Schulden in Höhe von 100 Milliarden Euro, getarnt mit dem Namen Sondervermögen, hat Kanzler Olaf Scholz an Tag zwei nach der russischen Invasion die "Zeitenwende" ausgerufen. Doch Geld allein wird für die Ertüchtigung nicht reichen, das kann man bei einer Erkundung in der Region erfahren.

Eine Erkundungsfahrt in die Region – zu Firmen, die nicht jeder kennt

Schwaben und Oberbayern sind Schwerpunkte der Rüstungsindustrie in Deutschland. Allein in Schwaben arbeiten nach einer Schätzung der hiesigen Industrie- und Handelskammer rund 9000 Menschen in diesem Bereich. Und es dürften noch einige mehr werden. Nicht wenig von den 100 Milliarden für die Bundeswehr wird wohl in die Region und ihre direkte Nachbarschaft fließen. Das Geld schafft und sichert Arbeitsplätze. Mit den Aufträgen rückt aber auch eine Branche in den Fokus, die in der breiten Öffentlichkeit lange keinen guten Ruf hatte – und die selbst oft lieber etwas im Verborgenen agierte. 

Dass Airbus auch Militärhubschrauber baut und einen gewichtigen Anteil am Eurofighter hat, ist bekannt. Von der spektakulären Kursentwicklung der Rheinmetallaktie seit Ausbruch des Krieges hat man wahrscheinlich schon gehört. Und mit seinem Besuch kürzlich bei Hensoldt in Ulm, hat der Kanzler selbst die Scheinwerfer auf das Unternehmen gerichtet. Doch um so hochkomplexe Systeme wie Flugzeuge oder Panzer zu bauen, sind die Konzerne auf hunderte oder gar tausende Zulieferer und Spezialisten angewiesen, die selbst wiederum eng verflochten sind mit anderen Betrieben der Wirtschaft. Wir sind aufgebrochen zu einer Erkundungsfahrt in die Region, zu Firmen, die nicht jeder kennt, um Einblicke in dieses Netz zu bekommen und Antworten auf die Frage zu finden, was die Zeitenwende hier verändert. 

Die erste Station unserer Reise liegt versteckt im Wald, westlich von Schrobenhausen. Wer nicht aufpasst, verpasst schnell die Abfahrt zum "Industriegebiet Hagenauer Forst", wie es unverfänglich auf dem Hinweisschild steht. Der deutsche Ableger des europäischen Rüstungskonzerns MBDA hat dort, an einem historisch belasteten Ort, seit einigen Jahren seinen Hauptsitz. Die Nationalsozialisten ließen während des Zweiten Weltkriegs, versteckt unter Bäumen, Vorprodukte für die Sprengstoffherstellung fertigen. Später war eine Reihe anderer Unternehmen der Rüstungsindustrie hier aktiv. 

Für die Vorgeschichte kann MBDA nichts. Doch explosiv geht es auf dem Gelände seit der Übernahme durch einen der wichtigsten europäischen Hersteller für Lenkflugkörper weiter zu. Von den gut 80 Hektar Grund ist ein großer Teil streng abgeschirmt – auch für die meisten der fast 1000 Beschäftigten, die allein hier für MBDA Deutschland arbeiten. Das Unternehmen darf in dem abgesperrten Bereich bis zu 300 Tonnen Sprengstoff lagern und Tests mit bis zu 50 Kilogramm Sprengstoff durchführen.

Der Lenkflugkörper Taurus unter einem Eurofighter des Neuburger Geschwaders.
Foto: MBDA

"Bitte nicht erschrecken, wenn es plötzlich kracht. Das ist für uns hier Alltag", sagt Pressesprecher Günter Abel bei der Begrüßung. Noch im Eingangsgebäude wartet eine weitere Besuchergruppe, für die so eine Warnung wohl eher überflüssig ist: ein gutes Dutzend Bundeswehrsoldaten im Flecktarn. "Der Kunde", wie die Armee in der Branche heißt. Für diesen Kunden – aber auch für andere Streitkräfte von Nato-Staaten oder gleichgestellten Partnern des Bündnisses, entwickelt MBDA unter anderem Flugkörper, die Kampfjet-Piloten unter den Flügeln haben. Den mächtigen Marschflugkörper Taurus etwa, an dessen Modell in Originalgröße Abel uns auf dem Weg durch die moderne Eingangshalle vorbeiführt. 

Die Produkte der Firma werden hier in Szene gesetzt. "Wir schaffen Sicherheit", steht als Slogan gut sichtbar auf den Ständen. Der Taurus ist gut fünf Meter lang, weit über eine Tonne schwer und hat eine Reichweite von 500 Kilometern. 600 davon hat die Bundeswehr in den Magazinen, aber MBDA hat auch Südkorea damit beliefert. Der Flugkörper ist für Radar quasi unsichtbar, findet autonom ins Ziel und kann bei einem Angriff auf ein Gebäude so programmiert werden, dass er erst detoniert, wenn er die drei obersten Decken durchschlagen hat, erklärt Abel.

"Rohstoffe für Sprengstoff sind Mangelware."

Hightech, vor allem aber eben auch eine tödliche Waffe. Und schon ist man mittendrin in dem Grunddilemma, in dem sich die Rüstungsindustrie bewegt. Für sehr viel Geld entwickelt sie neue Waffen, die besser sind als alle bisherigen – die dann für viel Geld noch gefährlicher gemacht werden, und gegen die dann wieder neue Waffen entwickelt werden, gegen die dann ... Der Rüstungskreislauf eben, aus dem die Menschheit seit der Erfindung des Faustkeils nicht herausgekommen ist. 

Wie es scheint, ist nun ein neuer Zyklus angebrochen. Die Friedensdividende ist jedenfalls restlos aufgezehrt. "Mehr oder weniger blank" stehe die Bundeswehr da, sagte Generalleutnant Alfons Mais, der Inspekteur des Heeres, am Morgen des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022. Doch wenn die russische Führung mit Atomwaffen und Hyperschallraketen droht, wäre es beruhigend zu wissen, ob und wie die Bundeswehr das Land dagegen schützen könnte. Die Zeiten ändern dich. Die führenden Figuren der während des Kalten Krieges gegründeten Friedenspartei „Die Grünen“, gehören nun zu den entschiedensten Verfechtern von Waffenlieferungen an die Ukraine.

Der Enforcer ist ein leichtes, schultergestützes Lenkflugkörpersystem, das MBDA bald in Schrobenhausen produziert und an die Bundeswehr liefert.
Foto: MBDA

Zur Abwehr von Hyperschallraketen hat man bei MBDA zumindest schon Konzepte in der Schublade, sagt Abel. In der Praxis ist MBDA zusammen mit dem US-Konzern Raytheon schon seit den 1980er Jahren für den Kern der deutschen Luftverteidigung verantwortlich. Das Unternehmen sorgt für die Wartung und Weiterentwicklung der Patriot-Systeme der Luftwaffe. Dafür betreibt es im nahe gelegenen Freinhausen ein europaweit einmaliges Testzentrum. 

Wenn der Weg zur MBDA-Zentrale nur mit Navi zu finden ist, hat man beim Weg zu diesem Testzentrum auch mit GPS-Hilfe keine Chance. Kein Schild weist den Weg, am Ende geht es über einen gekiesten Feldweg eine lange Kurve den Berg hinauf. In dieser videoüberwachten Einsamkeit prüfen Experten neue Software für das System, das im Ernstfall auch russische Raketen abfangen soll. In wochenlangen Test-Kampagnen mit der Bundeswehr sorgen die Spezialisten dafür, dass die Technik jederzeit einsatzbereit bleibt. Die Arbeit dürfte nicht ausgehen. Denn auch bei der Flugabwehr ist die Bundeswehr auf Kante genäht.

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Von einst 36 Patriot-Systemen zu Zeiten des Kalten Krieges sind noch zwölf übrig. Zwei davon sind nun in der Slowakei stationiert, drei in Polen, eines ist eben erst an die Ukraine abgegeben worden. "Der Export von Waffen oder sogar eines Patriot-Systems in die Ukraine wäre vor dem russischen Überfall undenkbar gewesen", sagt Abels Chef Roland Kuntze. Fakt ist aber auch: Die Bundeswehr braucht Ersatz. MBDA hofft auf eine Entscheidung für den Aufbau einer neuen Fertigungslinie für Patriot-Munition in Schrobenhausen. Es wäre ein Meilenstein für das Unternehmen. Expertinnen und Experten sucht MBDA aber schon jetzt in beinahe allen Unternehmensbereichen. Insgesamt sollen in den nächsten ein bis zwei Jahren rund 250 Leute neu eingestellt werden, vor allem Ingenieure.

In Betrieb ist bereits die Produktionsstraße für eine andere Waffe: Enforcer heißt ein leichter Lenkflugkörper für die Infanterie, der im Lauf des Jahres hier in Schrobenhausen in die Serienproduktion gehen soll. Es fehlt nur noch die endgültige Abnahme der Technik durch die Bundeswehr. Das Hochfahren der Produktion ist aber auch aus anderen Gründen zeitaufwendig: "Rohstoffe für Sprengstoff sind Mangelware, auch die Beschaffung von Elektronik und Computerchips ist aufwendig", erklärt Kuntze. Nicht nur MBDA hat derzeit volle Bücher, auch die anderen Unternehmen der Branche brauchen dringend Material.

Termin bei ACS Armoured Car Systems Derching - Termin mit Sebastian Schaubeck - Reporter Matthias Zimmermann - Foto Axel Hechelmann

ACS in Derching

Foto: Axel Hechelmann

Abel und Kuntze könnten noch viel mehr zeigen und erklären. Eine Laserwaffe etwa, die aktuell an Bord einer deutschen Fregatte getestet wird und einmal Drohnenschwärme oder Schnellboote abwehren könnte. Doch unsere Erkundung geht jetzt weiter. Von Schrobenhausen nach Derching, ein Ortsteil von Friedberg nordöstlich von Augsburg. Von ganz groß zu eher klein. Sebastian Schaubeck heißt der Geschäftsführer der ACS Armoured Car Systems, die dort zwischen Tankstelle, Supermarkt und Autobahn ihre Halle hat.

ACS ist Teil der Unternehmensgruppe Gruma, die mit 22 Betrieben vor allem im Geschäft mit Land- und Nutzmaschinen aktiv ist. ACS kam im Jahr 2003 dazu, hat derzeit rund 50 Beschäftigte und baut auf Basis einer speziellen militärischen Version der Mercedes G-Klasse oder des Unimog von Daimler Trucks gepanzerte Fahrzeuge für verschiedene Einsatzzwecke. 300 davon sind bei der Bundeswehr seit Jahren schon im Einsatz. Auch international sind die ACS-Fahrzeuge gefragt. Tschechien und die Schweiz haben sie schon, Zypern bekommt demnächst 60 davon, die gerade in Derching gebaut werden.

Die Firma Armoured Car Systems (ACS) aus Derching bei Augsburg rüstet Fahrzeuge für den militärischen Einsatz um.
Video: Axel Hechelmann

Wie das geschieht, zeigt Schaubeck bei einem Gang durch die Halle. Von Mercedes-Benz aus Graz kommt die Basis. In mehreren Reihen stehen hier weiße G-Klasse-Geländewagen, die bis auf den Fahrersitz innen nur nacktes Blech haben. "Alles unter der Motorhaube und zwischen den Reifen kommt von Mercedes, der Rest ist ACS", erklärt Schaubeck grob die Arbeitsteilung. Was der Rest ist, hängt sehr stark vom jeweiligen Kunden ab. Auf Basis der beiden Grundfahrzeuge, die es jeweils in zwei Gewichtsklassen gibt, kann ACS dutzende Ausbauvarianten liefern. Alles praktisch in Manufaktur gefertigt, Fließbänder gibt es hier nicht. Das ist die Stärke des Unternehmens.

Im Vergleich zum Serienfahrzeug für den allgemeinen Automarkt sind die Stückzahlen im militärischen Bereich verschwindend gering. Für die Großindustrie ist das nicht interessant. ACS wiederum ist viel zu klein, um eigene Fahrzeuge entwickeln zu können. Dafür kann man ganz auf die Kundenwünsche eingehen und nach dem Baukastenprinzip die Fahrzeuge individuell ausstatten: schwer oder leichter gepanzert, offen, geschlossen mit diversen Aufbauten und Trägersystemen für Lenkflugkörper oder andere Waffen.

"Wir müssen als Land mehr für unsere Sicherheit tun."

Die Kombination dieser beiden Kompetenzen macht ACS nun zu einem gefragten Unternehmen. Denn aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr sollen auch 2000 leichte taktische Fahrzeuge beschafft werden – gebaut von ACS. Ursprünglich geplant waren einmal 600.

Dazu kommt auch noch ein Auftrag über 1000 Fahrzeuge aus den Niederlanden. Verglichen mit den rund 1500 Fahrzeugen, die ACS seit Bestehen des Unternehmens insgesamt ausgeliefert hat, wird klar: Die Zeitenwende hat das Unternehmen auf eine neue Ebene katapultiert. Allein könnte die Firma dieses Volumen nicht bewältigen, auch wenn kräftig ausgebaut und eingestellt werden soll. Der Rüstungsgigant Rheinmetall ist jetzt als Partner dabei, um den Auftrag überhaupt abwickeln zu können. Die ersten Fahrzeuge dürften der Bundeswehr 2024 zugehen, die letzten 2031. 

Die Frage, die sich Geschäftsführer Schaubeck aber bereits heute stellt, ist: Was kommt danach? "Kanzler Olaf Scholz sagt, dass die Bundeswehr zu einer der führenden Armeen Europas werden soll. Wir hoffen, dass das wirklich so kommt", sagt der 40-Jährige, der selbst bei der Division Schnelle Kräfte war, bevor er studiert hat. "Politische Führung heißt für mich auch, der Wehrindustrie eine klare Richtung zu geben", sagt Schaubeck. Industriepolitik also.

Reporter Matthias Zimmermann bei ACS – Sebastian Schaubeck steht ihm Rede und Antwort.
Foto: Axel Hechelmann

ACS hat mit der Entwicklung dieser Enok genannten Fahrzeugreihe 2019 begonnen. Hätte die Bundesregierung im vergangenen Jahr nicht im Eilverfahren das Sondervermögen beschlossen, hätte das Unternehmen wohl erst 2028 die ersten neuen Enoks an die Bundeswehr ausgeliefert. Rund zehn Jahre, in denen Schaubeck die Firma aber weiter am Laufen halten muss. Ohne Export geht das nicht. Es gebe im Ausland großes Interesse an dem Segment, das ACS bedient. "Was die Bundeswehr für gut befunden hat, gilt international als anerkannt", so Schaubeck. Allein: Eine Exportgenehmigung selbst für befreundete Nato- oder EU-Staaten zu bekommen, könne bis zu einem Jahr dauern. "Wenn wir uns nur auf die Bundeswehr verlassen hätten, wären wir in der Branche alle verhungert", sagt Schaubeck. Auch jetzt gelte es, parallel in die Weiterentwicklung der Fahrzeuge zu investieren.

"Meine persönliche Meinung ist, wir müssen als Land mehr für unsere Sicherheit tun. Das wird Geld kosten, und zwar auf Dauer. In nordischen Ländern hat man in der Vergangenheit schon einen Feiertag gestrichen, um die Verteidigung zu finanzieren. Am Ende ist es eine Frage des politischen Willens", sagt Schaubeck auf dem Weg nach draußen. Wir müssen weiter. Jetzt aber erst ins Büro, an den Computer, zu einem Experten in Sachen politischer Wille.

Reinhard Brandl sitzt im Bundestag für die CSU im Verteidigungsausschuss.
Foto: Henning Schacht/Lennart Preiss

Videogespräch mit Reinhard Brandl. Im Wahlkreis des 45-jährigen Ingolstädter Bundestagsabgeordneten ist mit Neuburg an der Donau einer von vier Eurofighter-Standorten der Luftwaffe. In unmittelbarer Nachbarschaft ist in Manching auch Europas größtes Entwicklungszentrum für Kampfflugzeuge von Airbus. Und nach Schrobenhausen sind es von Ingolstadt auch nur gut 40 Kilometer. Es ist also irgendwie folgerichtig, dass Brandl im Bundestag für die CSU im Verteidigungsausschuss sitzt. Noch dazu gehört er dem 13-köpfigen Gremium "Sondervermögen Bundeswehr" an, das eigens dafür geschaffen wurde, die Verwendung der 100 Milliarden "beratend zu begleiten".

Sagen Sie, Herr Brandl, bringt das Sondervermögen der Armee nun den nötigen Schub? Brandl schenkt sich erst einmal ein Spezi ein und holt tief Luft. Eine kurze Antwort gibt es wohl nicht. "Also", sagt Brandl. Er könne das Unverständnis vieler Bürgerinnen und Bürger über die nur schleppende Vergabe von Aufträgen für die Bundeswehr gut verstehen. Er warnt aber auch vor zu hohen Erwartungen: "Das Beschaffungswesen war bereits vor der Verabschiedung des Sondervermögens vollkommen überlastet. Jetzt zu glauben, man kippt einfach noch einmal 100 Milliarden in dieses System und dann erhält man schneller Ergebnisse, ist eine Illusion."

"Unter 90 Milliarden Euro, was bei der Truppe ankommt."

Das Beschaffungsamt habe hunderte offene Stellen, die es nicht besetzt bekomme. Vor allem aber habe sich die Beschaffung in Friedenszeiten ganz auf das Ziel der Risikovermeidung konzentriert. "Die Angst vor dem Bundesrechnungshof ist größer als die vor Russland", bringt Brandl das Problem auf den Punkt.

Die Unterstützung der Bevölkerung für eine Steigerung der Verteidigungsausgaben ist Brandls Meinung nach groß. Aber er sieht auch die Gefahr, dass der Staat mehr verspricht, als er am Ende halten kann. "Die Bundesregierung hätte sich nach der Verkündung der Zeitenwende dringend noch einmal ihren Koalitionsvertrag ansehen müssen. Zu sagen, wir machen trotz des Krieges in der Ukraine alles, was wir beschlossen haben, und finanzieren dann auch Doppelwumms, Inflationsausgleich und vieles mehr, ist nicht seriös", kritisiert Brandl.

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Zumal das Sondervermögen mitnichten alle Probleme der Bundeswehr lösen werde. "Am Ende wird es unter 90 Milliarden Euro sein, was bei der Truppe ankommt", sagt der Verteidigungsexperte. Das liege nicht zuletzt an steigenden Zinsen und höheren Preisen. Es seien zwar bereits einige hohe Verträge geschlossen worden, etwa für den Kauf des US-Kampfjets F-35. Aber was fehlt, ist die langfristige Perspektive. "Die Bundeswehr bräuchte zur Erfüllung ihrer Aufgaben und zur Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels ein in der mittelfristigen Finanzplanung abgesichertes Wachstum von mindestens fünf Milliarden Euro jährlich", sagt Brandl. 

Allein eine Milliarde Euro mehr wären seiner Meinung nach nötig, um Personalkostensteigerungen und Inflation abzufedern. "Aber das ist im Haushalt nicht abgebildet." Ebenso wenig wie die steigenden Betriebsausgaben, die das Sondervermögen mit sich bringt: Neue Fahrzeuge brauchen etwa meist auch neue Gebäude. "Das Sondervermögen war der einfachste politische Weg, schnell Geld für die Bundeswehr zu beschaffen. Die Regierung musste dafür nichts umschichten im Haushalt oder kürzen bei Bildung und Sozialem", sagt Brandl. "Wirkungsvoller wäre die Garantie einer langfristig steigenden Finanzierungslinie gewesen."

Termin bei Blackned in Heimertingen bei Memmingen - Termin mit Timo Haas - Reporter Matthias Zimmermann - Foto Axel Hechelmann

Blackned in Heimertingen

Foto: Axel Hechelmann

Brandls Erklärungen hallen noch im Ohr, als wir wieder ins Auto steigen. Im Navi steht als Adresse Zugspitzstraße 1 in Heimertingen. Etwas nördlich von Memmingen entwickelt hier in einem gewöhnlichen Industriegebiet die Firma Blackned IT-Technik, mit der Bundeswehrsoldaten im Einsatz ein sicheres digitales Kommunikationsnetz aufbauen können. Die deutschen Soldaten in Mali etwa kommunizieren über die Technik von Blackned. Jetzt sollen die Systeme bis Ende 2025 in alle Fahrzeuge der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim, die auch die deutschen Kräfte für die Schnelle Eingreiftruppe der Nato stellt, installiert werden.

Timo Haas, knapp zwei Meter groß, war zwölf Jahre Soldat bei der Bundeswehr. Er war auch 13 Monate in Afghanistan, zuletzt verantwortlich für die Sicherheit der Kommunikation vor Ort. 2009 hat er das Unternehmen zusammen mit einem Kameraden gegründet. Der ist seit Mitte 2020 nicht mehr an Bord, dafür ist Ende vergangenen Jahres Rheinmetall als Minderheitsgesellschafter eingestiegen. Wie es scheint, geht das Wachstum der Firma mit aktuell rund 160 Beschäftigten und rund 30 Millionen Umsatz im vergangenen Jahr nun erst richtig los.

Die Firma Blackned aus Heimertingen bei Memmingen bietet Software für kritische Kommunikation an. Abnehmer ist unter anderem die deutsche Bundeswehr.
Video: Axel Hechelmann

Im Kern hat Blackned eine Software entwickelt und in gängige Hardware eingepasst, mit der zwei Soldaten ohne besondere Ausbildung binnen zehn Minuten egal wo auf der Welt ein Kommunikationsnetz zum Laufen bringen können. Die Ausrüstung wiegt zehn bis fünfzehn Kilo und passt in einen großen Rucksack. In das Netz eingebunden werden können dann hunderte von Geräten verschiedenster Hersteller, ganz nach Bedarf vor Ort. "Man kann sich das Ganze vielleicht als ein mobiles Mobilfunknetz vorstellen", sagt Haas. Nur dass die Technik längst nicht auf Mobilfunk begrenzt ist.

"Unser Vorteil ist: Wir können über die Software Hardware lange nutzbar machen", erklärt Haas und geht in dem modernen Funktionsbau voraus in eine kleine Werkstatt. Ein Humvee-Geländewagen, der früher der US-Armee gehörte, füllt dort fast den ganzen Raum aus. An den Wänden allerlei Antennen, Kabel und technische Ausrüstung in Kisten. Zwei Techniker schrauben hier noch. "Mit einer Antenne auf dem Dach kann so ein Fahrzeug in Einsatz zur fahrenden Mobilfunkzelle werden", sagt Haas und hält eine tellergroße Platte mit mehreren Stummelantennen in die Höhe. Blackned hat die verbauten Systeme gespiegelt im Haus. Wenn im Einsatz ein Problem auftritt, kann der Soldat anrufen und bekommt eine Lösung geliefert.

"Der Ukrainekrieg hat viele zum Umdenken bewegt."

Haas sucht ständig Mitarbeiter, bis Ende 2024 will er die Zahl der Beschäftigten verdoppeln. "Wir sind in unserer Geschäftsentwicklung 160 Prozent über Planung", sagt der Gründer. Er blickt mit einer Mischung aus Staunen und Zweifeln auf die Wandlung im Verhältnis der Deutschen zu ihrer Armee. "Neue Mitarbeiter finden wir. Bislang haben rund 70 Prozent einen Bundeswehrhintergrund. Aber als wir eine Agentur beauftragen wollten, unseren Internetauftritt zu überarbeiten und etwas Marketing zu machen, sagte die ab, als sie verstanden hat, was wir machen", erklärt Haas. Die Sorge, andere Kunden zu verprellen, war wohl zu groß. 

"Ich denke, der Ukrainekrieg hat viele zum Umdenken bewegt und wir schauen heute anders auf unsere Sicherheit. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung findet es ist richtig, dass wir die Ukraine unterstützen und mehr in die Bundeswehr investieren. Aber wie nachhaltig ist diese Sichtweise, wenn in der Ukraine endlich wieder Frieden herrscht? Ich weiß es nicht", sagt Haas.

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Von  Matthias Zimmermann (Text) und Axel Hechelmann (Foto und Video)