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Teilzeit-Ausbildung verbessert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Lehrstellenoffensive

Jung, Mutter, Azubi: Wie die seltene Teilzeit-Ausbildung dieser Frau hilft

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    Annika Zimmermann aus Buchloe hat eine zweieinhalbjährige Tochter und absolviert ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen in Teilzeit.
    Annika Zimmermann aus Buchloe hat eine zweieinhalbjährige Tochter und absolviert ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen in Teilzeit. Foto: Anja Volkwein

    Annika Zimmermann ist 22 Jahre jung, Mutter und Auszubildende – dass sie alles drei gleichzeitig sein kann, ist nicht selbstverständlich. Sie profitiert davon, dass ihr Arbeitgeber erstmals Azubis auch in Teilzeit ausbildet. Mit diesem Modell schafft es die 22-Jährige, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

    Seit September 2024 macht Annika Zimmermann eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Dass die junge Mutter die Ausbildung in Teilzeit absolviert, war zunächst gar nicht ihr Plan. „Ich hatte mich für eine normale Vollzeitstelle beworben“, berichtet Zimmermann. Sie habe gar nicht gewusst, dass die Ausbildung in Teilzeit möglich sei, erzählt sie weiter. Damit ist sie nicht allein. In ihrer Berufsschule ist Zimmermann die einzige Auszubildende in Teilzeit. Damit falle sie natürlich auf. Die Reaktionen auf ihr Ausbildungsmodell seien aber durchweg positiv. Meistens höre sie Aussagen wie „Cool, ich wusste gar nicht, dass das geht“ oder „Schön, dass es die Möglichkeit gibt.“

    Nicht verbreitet: Das Teilzeitmodell in der Ausbildung ist eine Seltenheit

    Annika Zimmermann bewarb sich noch während ihrer Elternzeit in einer Klinik in Bad Wörishofen – und erhielt eine Zusage für eine Vollzeitstelle. „Wir hatten schon den Ausbildungsvertrag fertig“, berichtet die 22-Jährige. Als sie jedoch begann, die Kinderbetreuung für ihre Tochter ab Ausbildungsstart zu organisieren, wurde ihr schnell klar, dass sich Beruf und Familie in diesem Modell kaum vereinbaren lassen würden. „Ich hätte entweder einen Kindergarten finden müssen, der bis zum bitteren Ende offen hat, oder immer jemanden organisieren müssen, der meine Tochter nach dem Kindergarten noch betreut.“

    Gerade weil Zimmermann und ihr Partner relativ jung sind und ihre eigenen Eltern noch berufstätig, wäre eine verlässliche Unterstützung zusätzlich schwer umzusetzen gewesen. Also recherchierte sie zunächst im Internet, stieß auf die Möglichkeit einer Teilzeit-Ausbildung und wandte sich damit an ihren künftigen Arbeitgeber. „Ich habe erzählt, dass ich ein Kind habe, und sie haben gleich gesagt, dass sie offen für Neues sind.“

    Für Annika Zimmermann erweist sich nicht nur das Teilzeitmodell als Glücksfall. Nach einer abgebrochenen Ausbildung und der Babypause hat sie nun eine Lehre gefunden, die zu ihrer Lebenssituation passt und ihr Spaß macht. Besonders die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten sowie der abwechslungsreiche Alltag haben es ihr angetan. Die 22-Jährige durchläuft während ihrer Ausbildung alle kaufmännischen Abteilungen einer Reha-Klinik. „Ich wäre nicht froh geworden mit einem Beruf, in dem ich nur die eine Sache mache“, so Zimmermann.

    Ausbildung in einer Reha-Klinik: Annika Zimmermann gefällt der Einblick in verschiedenste Stationen

    In Teilzeit dauert die Ausbildung statt drei Jahren dreieinhalb, berichtet Zimmermann. Sie arbeite jeden Tag sechs, statt der üblichen acht Stunden, meist vormittags bis etwa 13 Uhr. „Ich bin richtig dankbar, dass ich das mit der Teilzeit machen kann, sonst würde ich untergehen“, sagt sie.

    Nachteile durch das Teilzeitmodell hat Annika Zimmermann nicht. Wie in jeder Ausbildung gibt es aber die Möglichkeit, die Dauer zu verkürzen und Prüfungen vorzuziehen – wenn die Noten stimmen. „Und selbst, wenn man das nicht schafft, ist es nur ein halbes Jahr länger“, sagt sie. Außerdem bekomme sie trotz Teilzeit eine volle Vergütung. „Das ist nicht in allen Ausbildungsbetrieben so“, sagt Zimmermann.

    Keine Nachteile durch die Ausbildung in Teilzeit: Verkürzung ist möglich

    Sie betrachtet die Möglichkeit, eine Ausbildung parallel zu ihrer Mutterrolle zu machen, auch als ein Stück Selbstverwirklichung. „Ich liebe meine Tochter und ich liebe die Zeit mit ihr“, stellt sie klar. Aber es sei auch wertvoll, mit Erwachsenen zu arbeiten und sich produktiv einzubringen: „Ich darf arbeiten, ich kann arbeiten. Ich sehe noch etwas anderes als den ganzen Tag nur Kinder.“ Eine solche Option würde sich positiv auf die psychische Gesundheit von vielen Müttern auswirken, vermutet die 22-Jährige.

    Veränderte Bewerbersituation: Immer weniger junge Menschen wollen im Gesundheitswesen arbeiten

    Die Bewerbersituation habe sich in der Gesundheitsbranche stark verändert, sagt Josef Gaul. Er ist Verwaltungsleiter der Klinik und betreut seit 35 Jahren die Auszubildenden. „Über die Jahre hinweg ist die Anzahl der Bewerbungen permanent weniger geworden“, berichtet er. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn seien es noch etwa 100 Bewerber auf einen Platz gewesen, mittlerweile seien es nur noch eine Handvoll.

    Die Teilzeit während der Ausbildung sieht Gaul als Chance, junge Eltern, Menschen, die Angehörige pflegen, oder auch Sportler zu unterstützen. „Es ist aber wichtig, dass die Bewerber einen Sachgrund haben und nicht nur keine Lust auf Vollzeit“, findet er. Als Vorteil bei der Gewinnung von Azubis betrachte er das Modell jedoch nicht: „Ich glaube nicht, dass wir mehr oder weniger Bewerbungen haben, wenn wir es anbieten oder nicht.“ Das Angebot sei schlicht nur für wenige Bewerber attraktiv. Daran festhalten möchte er dennoch: „Jetzt, wo wir wissen, wie es funktioniert, wollen wir keinen Unterschied mehr machen zwischen Voll- und Teilzeitbewerbern.“

    Der Beruf in Kürze

    • Berufsbild: Kaufleute im Gesundheitswesen arbeiten in verschiedenen medizinischen Einrichtungen, etwa in Krankenhäusern, bei Krankenkassen oder in Pflegeheimen. Sie organisieren und verwalten Abläufe, so etwa in der Buchhaltung, der Bettendisposition, der Patientenaufnahme und der Rezeption.
    • Voraussetzungen: Rund die Hälfte der Auszubildenden in diesem Beruf haben Fachhochschulreife oder Abitur, aber auch mit Mittlerer Reife oder Mittelschulabschluss ist der Start in die Ausbildung möglich. Einen Mindestabschluss gibt es nicht.
    • Ausbildungsvergütung (brutto): Im ersten Ausbildungsjahr liegt die Vergütung je nach Betrieb zwischen 700 und 1300 Euro, im zweiten zwischen 900 Euro und 1400 Euro, im dritten zwischen 1000 und 1500 Euro.

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