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Therme Bad Wörishofen schreibt Rekorde: So erklärt Bäderkönig Jörg Wund den Erfolg

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Therme Bad Wörishofen schreibt Rekordzahlen: Das Erfolgsgeheimnis des Bäderkönigs Jörg Wund

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    Echte Palmen entführen die Besucher der Therme in Bad Wörishofen für einen Tag in die Südsee, ist Thermen-Chef Jörg Wund überzeugt. Hier, im Sauna-Bereich, wird nur fotografiert, wenn keine Gäste da sind.
    Echte Palmen entführen die Besucher der Therme in Bad Wörishofen für einen Tag in die Südsee, ist Thermen-Chef Jörg Wund überzeugt. Hier, im Sauna-Bereich, wird nur fotografiert, wenn keine Gäste da sind. Foto: Michael Kerler

    Vom Südseegefühl trennt Jörg Wund nicht mehr als eine Treppe. Er läuft die Stufen hinunter, öffnet die Tür und steht im Paradies. Grüne Palmen recken sich nach oben, helles Licht erfüllt den Raum, unten leuchtet blaues Wasser. Die Winterkälte draußen ist binnen Sekunden vergessen. Seit über 20 Jahren ist die Therme in Bad Wörishofen Anlaufpunkt für alle, die Erholung suchen und ihrer Gesundheit Gutes tun wollen. Und manchen mag es geben, der hier eine Auszeit von der ernsten Weltlage sucht. Das Jahr 2025 war für die Therme in Bad Wörishofen das beste Jahr seit der Eröffnung 2004.

    Es kamen nicht nur über 750.000 Gäste, die Therme schaffte mit 23 Millionen Euro auch einen Umsatzrekord. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren in Form einer Prämie. „Wenn es im einundzwanzigsten Jahr des Bestehens besser läuft, als in allen Jahren davor, dann muss man etwas richtig gemacht haben“, freut sich Thermen-Chef Jörg Wund, der häufig schon als Bäderkönig bezeichnet worden ist. Während Hallenbäder an anderer Stelle kriseln oder gar schließen, hat er mit einem besonderen Konzept Erfolg und lockt immer mehr Badegäste an. Das ist nicht selbstverständlich, denn auch schwere Jahre hat die Therme hinter sich.

    Es ist 9:30 Uhr, noch ist es ruhig, noch sind keine Gäste da. Bis zur Eröffnung dauert es eine halbe Stunde. Die Gärtner nutzen die Zeit, um die Pflanzen zu pflegen, alle Palmen in der Therme sind echt. Darauf legt Jörg Wund Wert. Sein Vater Josef Wund war in dieser Hinsicht ein Visionär: „Seine Idee war: Wir bringen die Südsee und die Palmen nach Deutschland, dann müssen die Leute nicht so weit verreisen, können hier einen Urlaubstag genießen und nach 14 Tagen wiederkommen“, sagt sein Sohn. Und zur Südsee gehören nun einmal echte Palmen. Sie wurden aus Florida oder Asien importiert. In diesem Südsee-Gefühl sieht er ein Erfolgsgeheimnis, aber nicht das einzige. Denn Jörg Wund sind auch andere Details wichtig.

    Vater Josef Wund entwarf sich öffnende Dächer

    Der Boden im Thermenparadies ist aus sandfarbenem Naturstein, nicht aus glatten Fliesen, damit man nicht ausrutscht. Eine urige Blockhütte kaufte er auf und baute sie zur Sauna um. In privaten Suiten können sich Badegäste zurückziehen, wenn sie die Ruhe suchen. Die Inhaber-Familie stammt aus Friedrichshafen. Eine gewisse schwäbische Sparsamkeit, aber auch ein gewisser Erfindergeist ist ihr in die Wiege gelegt. Das zahlt sich aus.

    Das Thermalwasser der Therme Bad Wörishofen kommt aus 1100 Metern Tiefe.
    Das Thermalwasser der Therme Bad Wörishofen kommt aus 1100 Metern Tiefe. Foto: Michael Kerler

    Bereits Vater Josef Wund war – wie sein Sohn – Architekt und entwarf die Messe in Friedrichshafen. „Dann hatte er die Idee, dass die Zukunft im Bereich Freizeit liegen könnte“, sagt Jörg Wund. In den 70er Jahren beschäftigte sich Josef Wund mit Tennishallen. Diese stehen meist leer, wenn es im Frühling und Sommer warm genug ist. Die Idee des Vaters: Ein Glasdach, das sich bei gutem Wetter öffnen lässt. „Erst wollte keiner an die Idee glauben, dann war sie ein Renner“, sagt sein Sohn. Josef Wund übertrug die Idee später auf Thermen. Für die Besucher ist es ein besonderer Moment, wenn die Thermenkuppel in wenigen Minuten auffährt.

    Bau der weltgrößten Therme Erding

    In Erding bei München eröffnete die Familie im Jahr 1999 die bis heute weltgrößte Therme, im Jahr 2004 kam Bad Wörishofen hinzu. Dort hatte man schon nach Thermalwasser gebohrt und war fündig geworden. Mit dem damaligen Bürgermeister ist man sich schnell einig geworden. Rund 22 Millionen Euro betrugen die Investitionskosten. „Es ist wichtig, dass einen die Politik unterstützt“, sagt Jörg Wund. Selbstverständlich ist das nicht. Als der Bürgermeister wechselte, stritten die Stadt und die Therme lange, ob für die Badegäste ein Fremdenverkehrsbeitrag abzuführen ist. Zehn Jahre ist das inzwischen her, Jörg Wund kann die Auseinandersetzung aber bis heute schwer verstehen. Schließlich lockt die Therme tausende Tagesgäste an, die die Landschaft für sich entdecken und später vielleicht sogar ihren Urlaub dort verbringen. Dies belegt eindrucksvoll die Verdopplung der Gästeankünfte im Kurort seit der Thermeneröffnung.

    Vor der Öffnung herrscht in der Therme Bad Wörishofen Ruhe.
    Vor der Öffnung herrscht in der Therme Bad Wörishofen Ruhe. Foto: Michael Kerler

    Inzwischen ist es dreiviertel zehn Uhr, die Becken mit Thermalwasser beginnen zu sprudeln. An der Theke machen die Beschäftigten alles für den Tag bereit. Es gibt Getränke, frischen Saft, Salate, Schnitzel, Currywurst und mehr. Die Bademeisterinnen und -meister nehmen ihre Positionen ein.

    Das Thermalwasser der Therme entspringt in 1100 Meter Tiefe, mit 40 Grad kommt es an die Oberfläche. In der Kurstadt Bad Wörishofen ist es wichtig, auch für die Gesundheit Angebote zu bieten. Ein Sole-Becken lässt die Badegäste schweben wie im Toten Meer und entlastet die Gelenke. Das Schwefelbecken soll sich positiv bei Rheuma auswirken, in Vital-Becken findet sich mit weiteren Mineralien und Vitaminen angereichertes Wasser. Wer im Kneipp-Becken watet, härtet sich ab. „Es wäre eine Sünde, wenn wir in der Kneipp-Stadt dieses Angebot nicht hätten“, meint Jörg Wund. Anregungen der Gäste nimmt er gerne entgegen. „Jeder Kunde ist ein Unternehmensberater“, ist der Thermeninhaber überzeugt. Statt eines Gongs, der zum Wechseln auffordert, hat er eine große Anzahl Sprudel-Massageplätze eingeplant. Den laut plätschernden Wasserfall überdeckt eine Grotte. Und Eintritt bekommt man erst ab 16 Jahren. „Das macht die Atmosphäre entspannt, dafür gibt es am Samstag einen Familientag, dann können auch die Kinder frei herumspringen.“ 

    Der Tiefpunkt: 300 Tage geschlossen in der Corona-Krise

    Doch die Therme hat auch harte Zeiten hinter sich. Dank regelmäßiger Wartung und Modernisierung war die Therme ab der Eröffnung an keinem Tag geschlossen, sagt Jörg Wund. Dann aber kam die Corona-Pandemie. „Auf einmal mussten wir 300 Tage zusperren“, erinnert sich der 60-Jährige bitter. Die Therme einzumotten und die Systeme abzuschalten, ging nicht. Die Technik hätte gelitten, die Palmen wären erfroren. „Damals habe ich nachts schlecht geschlafen, ich hatte Sorgen, ob die Gäste wiederkommen“, sagt der Geschäftsführer und Inhaber. Doch die Gäste kamen wieder – stärker denn je.

    Die Saunawelt der Therme Bad Wörishofen zieht gerade im Winter Gäste an.
    Die Saunawelt der Therme Bad Wörishofen zieht gerade im Winter Gäste an. Foto: Michael Kerler

    Rund 2100 Besucher zählt die Therme am Tag im Schnitt. In den Weihnachtsferien können es einmal über 5000 sein, im Sommer sind es eher zwischen 700 und 800. Im Sommer in die Therme, wer macht denn dies? „Im Sommer kommen die echten Profis“, antwortet Wund lachend. Dann ist es in der Therme noch ruhiger. Und an manchem kühlen Sommerabend legt man sich gerne ins warme Wasser.

    Mittlerweile ist er schuldenfrei: „Das war eine Befreiung“

    Auch einen Schicksalsschlag traf die Familie: Im Jahr 2017 kam Josef Wund bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Sein Sohn Jörg Wund übernahm die Thermen Erding und Bad Wörishofen. Die Thermen im Schwarzwald, in Sinsheim und Euskirchen übernahm die Josef Wund-Stiftung. Im vergangenen Jahr hat Jörg Wund die Therme Erding an die internationale Therme Group verkauft. „Erding ist zwanzig Jahre auf Volllast gelaufen. Man muss sich genau überlegen, ob man nochmals einen neunstelligen Betrag für Sanierungen und Investitionen aufbringen will – die Familie hat dies schon einmal getätigt“, sagt der Unternehmer. Mit dem Verkauf ist Jörg Wund stattdessen schuldenfrei und kann sich auf Bad Wörishofen konzentrieren. „Das war eine Befreiung“, sagt er. Die Therme könnte er eines Tages an seinen Sohn, der gerade Betriebswirtschaft studiert, übergeben. 

    Die Therme Bad Wörishofen verbuchte 2025 ein Rekordjahr.
    Die Therme Bad Wörishofen verbuchte 2025 ein Rekordjahr. Foto: Michael Kerler

    In Bad Wörishofen wird deshalb weiter investiert. Jedes Jahr rund eine bis zwei Millionen Euro. „Es darf nie so aussehen, als wäre das Bad 20 Jahre alt“, sagt Wund. Die Eintrittspreise passe er jedes Jahr ungefähr um die Inflationsrate an. „Ein Unternehmer muss schauen, dass die Einnahmen nicht langsamer steigen als die Kosten“, erklärt er und hofft auf das Verständnis der Kunden. Zuletzt sei zum Beispiel das Abwasser doppelt so teuer geworden, auch Energie ist teuer. Jörg Wund hat deshalb Photovoltaik auf den Dächern und über den Parkplätzen bauen lassen, um günstigen Strom zu erzeugen. Dazu kommen Speicher. Rund 3,8 Millionen Euro hat er hier 2025 finanziert. „Dies ist ökologisch und ökonomisch der richtige Weg.“ An sonnigen Wintertagen deckt die PV ungefähr den Strombedarf, nach fünf bis sechs Jahren sollen sich die Investitionen refinanziert haben. Die Badegäste finden heute auch 30 Ladestationen für E-Autos.

    Neue Ideen für das Sportbad

    Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt die Therme im engeren Sinn, dazu kommen rund 200 Beschäftigte, die für die Pächter in der Gastronomie arbeiten, in der Reinigung oder der Massage.

    Nach dem Verkauf der Therme Erding will sich Jörg Wund auf den Standort in Bad Wörishofen konzentrieren.
    Nach dem Verkauf der Therme Erding will sich Jörg Wund auf den Standort in Bad Wörishofen konzentrieren. Foto: Michael Kerler

    Um die Zukunft zu sichern, jongliert Jörg Wund mit neuen Ideen. Eine Lösung muss zum Beispiel für das Sportbecken gefunden werden, nachdem sich die Stadt zurückziehen will. Einfach das Schwimmbad weiterzubetreiben, ist nicht rentabel. Wund träumt von einer Lösung, bei der man neben einer riesigen Kinoleinwand schwimmen könnte. Bisher sind es aber nur Ideen. „Die Erwartungshaltung der Menschen ist inzwischen extrem hoch“, sagt er. Ein Trend sei zudem textiles Saunen. Nicht jeder mag es schließlich, sich splitterfasernackt auszuziehen.

    Ob auch er selbst die Thermenwelt hin und wieder genießt? Das nicht, sagt Jörg Wund und lacht. Dafür kennen ihn hier zu viele Leute.

    Mittlerweile gibt es die Therme in Bad Wörishofen seit über zwanzig Jahren.
    Mittlerweile gibt es die Therme in Bad Wörishofen seit über zwanzig Jahren. Foto: Michael Kerler
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