Antonia klappt ihren Laptop auf. Seit Wochen schiebt die 22-jährige Studentin die Planung ihres Sommerurlaubs auf. Diesmal probiert sie etwas Neues aus: Kayak.ai, den KI-gestützten Reiseplaner der gleichnamigen Reisesuchmaschine. Kaum ist die Website geladen, öffnet sich ein Chatfenster. Der Mauszeiger wandert in das Textfeld, dessen Rand leicht aufleuchtet. „Plane eine fünftägige Reise für zwei Personen nach Athen im August“, tippt sie ein. Sekunden später füllt sich der Bildschirm mit Flug- und Hotelvorschlägen, samt Preisen.
Was für Antonia auf den ersten Blick simpel erscheint, ist für viele noch ungewohnt. Denn bislang nutzen nur rund 15 Prozent der Deutschen KI aktiv für ihre Reiseplanung. Das zeigt eine Studie der Management- und IT-Beratung MHP, die im Juli 2025 erschienen ist. In der jungen Zielgruppe liegt der Wert jedoch deutlich höher: Bei den 18- bis 29-Jährigen geben 35 Prozent an, KI schon mehrfach für die Reiseplanung verwendet zu haben. Am häufigsten kommt dabei mit fast 62 Prozent der KI-Chatbot ChatGPT zum Einsatz.
KI liefert Angebote für Flüge und Hotels
Unternehmen wie Kayak scheinen darin eine Marktchance zu sehen. Ihr KI-Reiseplaner kombiniert die Konversationsfähigkeiten von ChatGPT mit Echtzeit-Reisedaten und soll die Urlaubsplanung deutlich erleichtern. „Mit den passenden Prompts kann sie nicht nur stundenlange Recherche ersparen, sondern auch bares Geld bei der Reiseplanung“, sagt Yvonne Bonanati von Kayak.
Tatsächlich liefert das Tool nicht nur konkrete Angebote für Flüge und Hotels, sondern auch weitere Inspirationen wie etwa Tagespläne mit Sightseeing- und Restaurantvorschlägen. Doch wie zuverlässig sind diese Informationen?
Professor Wolfram Höpken: KI hat extrem großen Fundus an Informationen
Dazu gibt Professor Wolfram Höpken eine Einschätzung. Er lehrt Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten und ist Leiter des Instituts für Digitalen Wandel. „Der Vorteil von KI-basierten Systemen ist, dass diese mittlerweile auf Echtzeitdaten zugreifen. Sie haben einen extrem großen Fundus an Informationen“, erklärt der Experte für KI im Tourismus. Gleichzeitig betont er: „Hundertprozentige Korrektheit kann da natürlich nicht erreicht werden.“
Neben Komplettlösungen entstehen auch Tools, die sich auf Reisetipps am Zielort konzentrieren. Mirko Filetti, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Umweltplanung an der BTU Cottbus, hat nebenberuflich selbst eine solche KI-Anwendung entwickelt: „Reisetipps.AI“, ebenfalls mit Daten von ChatGPT. Er erklärt, dass die Systeme zunächst über sogenannte Prompts auf ihre Aufgabe eingestellt werden müssen. Dieses sogenannte Priming lege sehr genau fest, was die KI leisten solle. Die größte Schwachstelle liegt seiner Einschätzung nach derzeit in den fehlerhaften Links, die ChatGPT generieren kann. „ChatGPT ist kein Wissensmodell, es ist ein Sprachmodell“, sagt Filetti. Dadurch berechne das System lediglich die Wahrscheinlichkeit einer Antwort und kreiere Links, die gar nicht existieren.
Lieber persönliche Beratung: Ein Reisebüro will den KI-Assistenten wieder einstellen
Schwachstellen beim Einsatz von KI hat auch das Würzburger Reisebüro Take-Off erkannt. Seit einigen Jahren bietet es mit „Sunny“ einen KI-Reiseberater an, will diesen nun jedoch wieder abschalten. „Viele Leute nutzen zwar das Angebot, es gibt ordentlich Abfragen, aber es kommt nicht zur Buchung“, sagt Inhaber Alexander Ridler. Für ihn liegt der Grund auf der Hand: „Das Zwischenmenschliche fehlt bei der KI.“ Besonders das persönliche Gespräch sei entscheidend, um herauszulesen, was der Kunde brauche und um dessen Bedürfnisse gezielt zu hinterfragen. „Sunny“ arbeitet nach einem einfachen Prinzip: Der Kunde gibt Stichworte zur Reise ein, die KI fragt bei Bedarf nach und erstellt anschließend ein Angebot, das per E-Mail verschickt wird. Im persönlichen Kontakt sieht Ridler dennoch einen entscheidenden Vorteil: „Als Reiseberater kann man seinen Kunden aus vielen anderen Buchungen einschätzen. Dann ist das Vertrauen einfach da.“ Ob er künftig noch einmal auf KI setzen würde? Ridler schließt es nicht aus: „Ich sage niemals nie. Ich denke, da wird sich noch viel tun. Aber momentan ist es eine Spielerei.“
Experte Wolfram Höpken stellt klar, dass die KI kein Selbstläufer ist, sondern auch die Nutzer dazulernen müssen: „Die meisten tippen das Gleiche ein wie bei Google, dort gibt man Schlagworte ein, weil Google schlagwortbasiert sucht. Bei der KI muss man auch den Kontext beschreiben und weiter ausholen.“ Das bemerkt auch Antonia bei ihrer ersten Reiseplanung mit KI. Je mehr Informationen sie liefert, desto passender werden die Vorschläge. Sie klappt ihren Laptop wieder zu. Gebucht ist der Urlaub noch nicht, dafür stehen erste Ideen für ihren Sommer in Athen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Masterstudiengang Fachjournalismus der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden.
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