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USA
23.06.2022

Zapfsäulen-Frust: US-Präsident Biden will die Benzinsteuer aussetzen

Der US-Präsident Joe Biden steht innenpolitisch unter Druck.
Foto: dpa

Sinkende Umfragewerte und steigende Spritpreise machen Joe Biden zu schaffen. Nun möchte er die Benzinsteuer aussetzen. Doch selbst Parteifreunde zweifeln.

Eigentlich ging es um die hohen Benzinpreise in den USA. Doch die Videowand hinter dem Präsidenten zeigte Bilder von russischen Panzern und Zivilisten in der Ukraine. „Lassen Sie uns rekapitulieren, wie es dazu gekommen ist“, sagte Joe Biden: „Putin hat die Ukraine überfallen“. Seinen republikanischen Kritikern hielt er entgegen: „Hättet ihr lieber niedrigere Benzinpreise in Amerika und Putins eiserne Faust in Europa?“

Auf die Antwort möchte es der Regierungschef lieber nicht ankommen lassen. Seine innenpolitische Erfolgsbilanz ist mager. Die Zustimmungswerte sind soeben in einer Umfrage auf desaströse 36 Prozent gefallen. Und der seit Anfang des Jahres um zwei Dollar auf durchschnittlich fünf Dollar je Gallone (rund 3,8 Liter) gestiegene Spritpreis ist das wichtigste Aufregerthema in einem Land, dessen Bürger auf das Auto angewiesen sind. Sosehr Biden auch versucht, die Hintergründe zu erklären: Bei den Kongresswahlen im Herbst könnte der Zapfsäulen-Frust viele Demokraten ihre Mandate kosten.

Biden kämpft gegen die Benzinpreissteigerung durch den Ukraine Krieg

Mit aller Kraft versucht Biden deshalb, im Kampf gegen die Inflation in die Offensive zu kommen. Um „Putins Preissteigerung“ zu kontern, hat er Ölreserven freigegeben, einen höheren Ethanolanteil im Benzin erlaubt und den Mineralölkonzernen mit Kartellverfahren gedroht. Am Mittwoch nun forderte er den Kongress und die Bundesstaaten auf, die Benzinsteuer für drei Monate auszusetzen.

„Ich weiß, dass das alleine das Problem nicht löst“, gestand er: „Aber es wird Familien kurzfristig etwas Erleichterung verschaffen.“ Tatsächlich wäre die rechnerische Entlastung eher symbolisch. Die föderale Benzinsteuer in den USA ist nämlich seit 1993 nicht erhöht worden, während sich im gleichen Zeitraum der Spritpreis verfünffachte. Entsprechend gering ist mit 18,4 Cent pro Gallone beim Benzin und 24,4 Cent beim Diesel ihr Anteil an der Zapfsäule. Hinzu kommen im Schnitt noch 30 Cent Steuer des jeweiligen Bundesstaats.

Video: AFP

Kritiker hegen jedoch Zweifel, ob der befristete Verzicht auf die staatlichen Einnahmen bei den Autofahrern im vollen Umfang ankommt. Einige Bundesstaaten wie Maryland, Georgia und Connecticut haben ihre Landessteuern bereits ausgesetzt. Der Effekt war eher durchwachsen – vielen Deutschen dürfte das bekannt vorkommen. So ergab eine wissenschaftliche Untersuchung, dass an den Tankstellen in Maryland nur 58 bis 65 Prozent der Entlastung an die Kunden weitergegeben wurde.

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Auch unter den Demokraten gibt es Skeptiker an Bidens Plänen

Auch politisch ist Bidens Vorstoß kein Selbstläufer. Die Republikaner im Kongress haben den Vorschlag schon im Februar abgelehnt. Und selbst bei den Demokraten gibt es viele Skeptiker: Einigen geht die Entlastung nicht weit genug, andere fürchten, dass das Geld in den Kassen der Mineralölkonzerne versickert. Eine dritte Gruppe sorgt sich um den drohenden Einnahmeausfall von rund zehn Milliarden Dollar, die eigentlich für den Straßenausbau verplant sind. Entsprechend zurückhaltend fallen die Reaktionen der Parteispitze aus. „Wir werden sehen, wo es Gemeinsamkeiten gibt“, sagte Parlamentssprecherin Nancy Pelosi. Steny Hoyer, der Fraktionschef der Demokraten, gestand offen, er wisse nicht, ob er genug Stimmen für das Benzinsteuermoratorium zusammenbekomme.

Beobachter bezweifeln daher, dass Bidens Ankündigung etwas an den hohen Spritpreisen ändern wird. Im Weißen Haus sucht man im Kampf gegen die politisch brisante Rekordinflation fieberhaft nach Alternativen. So wird eine teilweise Aussetzung von Zöllen auf China-Importe diskutiert. Zudem macht die Regierung Druck auf die Mineralölkonzerne, ihre Raffinerie-Kapazitäten zu erhöhen. Und schließlich wird Biden im Juli nach Saudi-Arabien reisen. Nach der brutalen Ermordung des Journalisten Dschamal Kaschoggi 2018 hatte Biden gefordert, das Land zum „Ausgestoßenen“ zu machen. Nun will er die ölreichen Scheichs um Hilfe bitten.

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