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Volkswagen, Mercedes, Bosch: Warum die Autoindustrie nicht aus der Krise kommt

Autoindustrie

Motor abgewürgt? Warum die deutschen Autobauer nicht aus der Krise kommen

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    Es lief schonmal besser für die deutsche Autoindustrie.
    Es lief schonmal besser für die deutsche Autoindustrie. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

    Ein wenig können sich die Autobosse damit trösten, dass es nicht nur ihr eigener Industriezweig ist, der gerade kränkelt. Gegenüber dem Vorjahr sank der Umsatz der Industrieunternehmen in Deutschland im vierten Quartal 2025 um 1,4 Prozent, die Beschäftigtenzahlen gar um 2,3 Prozent. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Industriebarometer der Beratungsfirma Ernst & Young (EY) hervor.

    Aber das Auto bleibt das Sorgenkind. „Am massivsten fällt der Stellenabbau in der Automobilindustrie aus: Im vergangenen Jahr gingen fast 50.000 Auto-Jobs verloren, seit 2019 sogar 111.000“, schreiben die Analysten. Obendrauf kommen Berichte über ein großangelegtes Sparprogramm bei VW. Was ist da los?

    Stellenabbau bei Autobauern: Was sagen die Zahlen?

    Die Gewinne brachen zuletzt ein. Beispiel: Mercedes. Im vergangenen Jahr machte der Autobauer etwa fünf Milliarden Euro weniger Gewinn als noch im Jahr zuvor – ein Rückgang von fast 50 Prozent. „Belastet wurde die Entwicklung durch globale Zölle, negative Wechselkurseffekte und intensiven Wettbewerb in China. Kosteneinsparungen von mehr als 3,5 Milliarden Euro bei Mercedes-Benz Cars kompensierten einen Teil des Gegenwinds“, erklärt das Unternehmen dazu. Auch andere Hersteller meldeten Gewinneinbrüche, darunter der weltgrößte Zulieferer Bosch. Dort sank der Gewinn ebenso um fast die Hälfte. Und die Zukunft sieht wenig rosig aus. „Für das Jahr 2026 erwarten wir einen Rückgang der Automobilproduktion in den Kernmärkten“, erklärt eine Unternehmenssprecherin.

    Die Gründe: US-Zölle und eine geringe Nachfrage in China. „Zusätzlich dämpft die anhaltend moderate wirtschaftliche Entwicklung in Europa die Kaufkraft und somit die Nachfrage nach Neufahrzeugen.“

    Wie reagiert die Industrie?

    Das Manager Magazin berichtete über Sparpläne bei VW. Der Konzern will demnach bis 2028 60 Milliarden Euro einsparen. Es wäre eine massive Ausweitung des bisherigen Sparprogramms. Auch Werksschließungen und ein weiterer Stellenabbau seien nicht ausgeschlossen, heißt es in dem Bericht. Das Unternehmen selbst bestätigte das bislang nicht. Die IG Metall warnte VW vor einem Stellenabbau. Man habe sich zuletzt in einem Sanierungsprogramm darauf verständigt, bis 2030 keine betriebsbedingten Kündigungen oder Werksschließungen vorzunehmen.

    Sowohl bei VW als auch bei den Konkurrenten laufen bereits Anstrengungen, die Kosten zu senken, um Gewinneinbrüche abzufedern. Mercedes beispielsweise will bis 2027 zehn Prozent der Produktionskosten einsparen. Der Autobauer setzt unter anderem auf ein Abfindungsprogramm. 

    Wo liegen die Probleme für die Autoindustrie?

    Neben den Zöllen und der sinkenden Nachfrage in China spricht der Verband der Automobilindustrie von einer „massiven Standortkrise“. Die Bedingungen verschlechterten sich zusehends. „Insbesondere teure Energie, hohe Steuern und Lohnkosten, eine marode Infrastruktur, lange Genehmigungsverfahren und überbordende Bürokratie setzen den Unternehmen zu und bringen ganz besonders den automobilen Mittelstand unter Druck“, erklärt der Verband. Die Analysten von EY fügen hinzu: Vor allem die Inlandsnachfrage schwächelt und ging im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent zurück, die Exporte nur um 0,3 Prozent – trotz Zöllen und schwieriger Situation auf dem chinesischen Markt.

    Was sagt die Politik?

    Die Union ist relativ eindeutig in ihrer Problemanalyse und sieht die Schuld bei den linken Parteien. „Wenn mindestens zwei, eher drei Parteien im Deutschen Bundestag über Jahre hinweg das Auto und die dazugehörigen Industrieunternehmen verteufeln, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Automobilunternehmen abwandern“, sagt Christian von Stetten (CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag und Chef des Parlamentskreises Mittelstand der Union, zu unserer Redaktion. Ähnlich sieht man das in der Industrie. Alleine durch den Wandel zur klimaneutralen Mobilität könnten bis 2035 etwa 190.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie entfallen, erklärt der VDA.

    Bei der Linken sieht man das anders. „Die Deindustrialisierung ist kein abstraktes Schreckgespenst mehr, sie findet längst statt. Beinahe täglich hageln Ankündigungen zu Jobabbau und Werkschließungen ein“, sagt der Bundestagsabgeordnete Cem Ince, selbst Arbeiter in der Automobilindustrie, unserer Redaktion. „Diese würden aber die industrielle Substanz unseres Wirtschaftssystems unwiederbringlich zerstören und die Krise verschärfen – sie sind kein Teil der Lösung. Es ist ein Skandal, dass sie bei VW anscheinend wieder zur Debatte stehen.“

    Er fordert: Solange über Stellenabbau gesprochen werde, darf es keine Bonuszahlungen für die Chefetagen und Dividenden an die Aktionäre und Aktionärinnen geben. Um die Industrie in Schwung zu bringen fordert die Linke unter anderem einen staatlichen Transformationsfonds von mindestens 20 Milliarden Euro. „Zugleich gilt es, die Kaufkraft und Binnennachfrage zu stärken: durch höhere Tarifbindung, einen armutsfesten Mindestlohn, gezielte Förderprogramme und massive Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr“, sagt er. „Finanziert werden kann das durch eine konsequente Bekämpfung von Steuerflucht, die Wiedereinführung der Vermögensteuer, eine gerechtere Erbschaftsbesteuerung und den Abbau umweltschädlicher Subventionen.“

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