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Wieder Unruhe in der Volkswagen- und Audi-Welt: VW und Audi verkaufen zu wenige Autos

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Wieder Unruhe in der Volkswagen-Welt: VW und Audi verkaufen zu wenige Autos

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    Der VW-Konzern steckt in der Krise.
    Der VW-Konzern steckt in der Krise. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

    Die Volkswagen- und damit Audi-Welt gilt als besonderer Planet. Unruhe innerhalb des Konzerns mit zuletzt rund 629.000 Beschäftigten und vielen Marken wie VW, Audi, Porsche, Skoda oder Seat ist eine konstante Größe, zu unterschiedlich sind die Interessenlagen. Den Hauptaktionären der Familien Porsche und Piëch, deren Macht sich in Salzburg ballt, steht eine mächtige Arbeitnehmerfraktion gegenüber. Im Aufsichtsrat stellt sie zwar nur zehn von 20 Mitgliedern und könnte dank des Doppelstimmrechts des Aufsichtsrats-Vorsitzenden überstimmt werden, schließlich gehört er der Arbeitgeber-Gruppe an. Da aber das rot-grün regierte Land Niedersachsen zwei Mandate in dem Kontrollgremium besetzt und im Zweifel auf Seiten der Beschäftigten-Vertreter steht, hat die Arbeitnehmerseite die Mehrheit. 

    Weil der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) im Herbst kommenden Jahres bei den Landtagswahlen in seinem Amt bestätigt werden will, liegt es nahe, dass er sich vehement gegen Werkschließungen bei Volkswagen in Europa ausgesprochen hat. Dennoch tauchen immer wieder Berichte auf, wie zuletzt im Handelsblatt, in denen unter Bezugnahme auf Unternehmensberater darauf verwiesen wird, Konzern-Stützpunkte wie das VW-Werk in Emden oder der Volkswagen-Nutzfahrzeug-Standort in Hannover seien besonders kostenintensiv. Gleiches treffe auch auf das sächsische VW-Werk in Zwickau und den Audi-Stützpunkt im baden-württembergischen Neckarsulm zu. 

    Das schürt Unruhe unter Beschäftigten, sind doch zum Beispiel rund 15.500 Frauen und Männer für Audi in Neckarsulm tätig. Mancher VW- und Audi-Mitarbeitende fragt sich, ob sein Arbeitsplatz gefährdet sein könnte. Doch ein Volkswagen-Insider sagt unserer Redaktion: „Olaf Lies kann die Wahl in Niedersachsen als verloren betrachten, wenn er weiteren Stellen- oder gar Standort-Streichungen zustimmt. Das wäre sein politisches Todesurteil.“  Die Macht-Arithmetik im VW-Aufsichtsrat spricht ebenfalls gegen solche zusätzlichen massiven Einschnitte, zumindest in absehbarer Zeit. Schließlich hat VW-Chef Oliver Blume bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens bestätigt, dass innerhalb des Konzerns über die Marken hinweg bereits insgesamt rund 50.000 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden. 

    VW-Konzern muss sich der gesunkenen Nachfrage anpassen

    Längst ist bekannt, dass Audi den Standort in Brüssel schließt und VW sich aus Osnabrück zurückzieht und hofft, dass eine Verteidigungsfirma die Fabrik übernimmt. Das ist für Blume eine intelligente Lösung, intelligenter als Standort-Schließungen, schließlich bleiben so Werke und Arbeitsplätze erhalten. Der Konzern-Chef ist auch bereit, die Produktionskapazitäten der Nachfrage anzupassen und damit weiter abzusenken. Fest steht: Der Volkswagen-Konzern verkauft, gemessen an seinen Ansprüchen, zu wenige Autos. Zwischen Januar und März dieses Jahres waren das 2.048.900 Fahrzeuge, vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 360.100 auf die Marke Audi, was ein Minus von 6,1 Prozent ausmacht. Der Volkswagen-Betriebsrat verweist darauf: „Waren die VW-Fabriken vor der Corona-Zeit noch insgesamt auf die Herstellung von rund zwölf Millionen Fahrzeugen jährlich ausgerichtet, pendelt sich der Konzern offenbar auf noch neun Millionen Einheiten ein.“ Es bleibt eine Differenz von etwa drei Millionen. 

    Konzernchef Oliver Blume will „jeden Stein umdrehen“.
    Konzernchef Oliver Blume will „jeden Stein umdrehen“. Foto: Hannes P. Albert, dpa

    Auf die erheblichen Überkapazitäten muss Blume reagieren. VW kommt hier gut voran und hat die Produktionskapazität in China um mehr als eine Million Fahrzeuge verringert. In Europa sind vor allem bei den Marken VW und Audi bis 2028 ebenfalls rund eine Million eingetütet. Der VW-Chef muss in Gesprächen mit den Marken-Verantwortlichen und Beschäftigten-Vertretern eine Strategie erarbeiten, wie die Gruppe noch einmal weltweit um knapp eine Million Produktionseinheiten runterkommt.

    Im Zuge dessen hat sich der VW-Aufsichtsrat nach Informationen unserer Redaktion mit einem angeblich 160 Seiten dicken Papier der Boston Consulting Group befasst. Nach Darstellung des Handelsblatts werden dort zahlreiche Maßnahmen aufgelistet, die Deutschlands größten Autobauer aus der Krise führen sollen. Das Produktportfolio soll demnach deutlich ausgedünnt, Produktions-Plattformen sollen vereinfacht und Varianten sollen reduziert werden. Volumina würden neu verteilt, Beteiligungen geprüft, die Komplexität insgesamt werde verringert. Erstmals seien auch deutsche Werke „als strukturelle Problemfälle benannt“ worden.

    Die VW-Patriarchen wirken verschnupft

    Von sich abzeichnenden Werkschließungen ist nicht die Rede. Andererseits lässt sich in Erfahrung bringen, dass Salzburg verschnupft sei, also die Familien Porsche und Piëch wohl nicht zufrieden mit dem Ausmaß der Krisenbewältigungs-Maßnahmen Blumes sind. Die Anteilseigner, heißt es, hätten sich gewünscht, dass in der letzten Volkswagen-Sanierungsvereinbarung mit den Arbeitnehmer-Vertretern die Schließung eines weiteren Standortes beschlossen worden wäre. Hier fallen wieder die Namen Emden und Zwickau. 

    In die VW-Gemengelage zwischen patriarchalischem Anspruch und Wirklichkeit passt vielleicht das Buch des österreichischen Landsmanns der Porsches und Piëchs, eben Peter Handkes Werk „Als das Wünschen noch geholfen hat“. SPD-Mann Lies und die einflussreiche VW-Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Daniela Cavallo lesen Wolfgang („Wolferl“) Porsche, 82, und Hans Michel Piëch, 84, also dem Kreis der VW-Milliardärsfamilien, die Wünsche nicht von den Augen ab. 

    Dessen ungeachtet erreicht das Salzburger Anspruchsdenken verlässlich den umgänglichen und fleißigen VW-Chef Blume, einen teamorientierten Strategen. Wird der Manager auf dem Planeten Volkswagen zwischen Patriarchen-Forderungen und Arbeitnehmer-SPD-Macht zerrieben? Blume sagte dazu dem Manager Magazin: „Ich arbeite seit etwa 15 Jahren konstruktiv und vertrauensvoll mit den Familien Porsche und Piëch zusammen. Der Aufsichtsrat hat mich Ende letzten Jahres gebeten, meinen bis 2028 laufenden Vertrag bis 2030 zu verlängern. Dazu habe ich mich bereit erklärt.“ 

    Diskussionen über weitere Einsparungen stehen erst am Anfang

    In Brechts Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ heißt es passend zum ewigen und rätselhaften VW-Drama: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen. Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Nach Recherchen unserer Redaktion stehen die Diskussionen in dem Konzern über weitere Einsparungen erst am Anfang. Zunächst wird über Modelle, dann über technische Plattformen und Produktions-Volumina gesprochen. Am Ende steht die Frage, wie es in den Werken weitergeht. Der Prozess kann Monate dauern. 

    Und was sagt Audi-Chef Gernot Döllner zu alledem als umsetzungsstarker Manager, der Audi wieder auf die Erfolgsspur bringen will? Er verweist auf den hohen Wettbewerbsdruck, insbesondere in China. Der Manager analysiert gegenüber unserer Redaktion: „Dazu kommen geopolitische Spannungen, neue Handelszölle und insgesamt deutlich gestiegene Kosten. Das ist keine Phase, die einfach vorbeigeht. Das ist die neue Realität unserer Branche.“

    Audi-Chef Gernot Döllner bekennt sich zum Standort Deutschland.
    Audi-Chef Gernot Döllner bekennt sich zum Standort Deutschland. Foto: Soeren Stache, dpa

    Der Audi-Chef bekennt sich zu Deutschland „als Heimat, die wir wieder wettbewerbsfähig machen, nicht als Museum, das wir konservieren, sondern mit einer verlässlichen Vision für die Zukunft“. Sparen sei für den Autobauer kein Selbstzweck: „Wir müssen unsere Kosten weiter senken, Komplexität reduzieren und schneller werden.“ Döllners Vorstandskollege, Produktions-Vorstand Gerd Walker, stellt klar: „Aktuell gibt es keine Entscheidung zu weiteren Sparmaßnahmen oder gar Werkschließungen. Dennoch müssen wir weiter und sehr konsequent an den Kosten arbeiten.“

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