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Gentherapie

10.11.2017

80 Prozent der Haut ersetzt: Gentherapie rettet Jungen

Der kleine Hassan spielt Fußball. Mit einer Gentherapie haben Mediziner dem kleinen Jungen von einer lebensbedrohenden erblichen Hautkrankheit geheilt.
Bild: Ruhr-Universität Bochum

Es ist ein letzter Versuch, den Jungen vor dem Tod zu bewahren: eine Gentherapie zur Heilung seiner schweren Hauterkrankung. Hassans neue Haut kommt fast komplett aus dem Labor.

Hassan war ein schier hoffnungsloser Fall. Als er mit sieben Jahren in die Bochumer Kinderklinik kam, waren bereits 60 Prozent seiner Hautoberfläche zerstört, durch die schweren chronischen Wunden und die Infektionen war er völlig ausgezehrt – eine Folge der Erbkrankheit Epidermolysis bullosa, auch Schmetterlingskrankheit genannt, von der in Europa etwa 35.000 Kinder betroffen sein sollen. Dabei ist die obere Hautschicht, die Epidermis, nur unzureichend in der darunterliegenden Hautschicht, der Dermis, verankert. Schon kleinste Belastungen führen zu Blasenbildung und zur Ablösung der Haut.

Gentherapie: 80 Prozent der Haut wird ersetzt

Bei Hassan war die Krankheit zunächst unter Kontrolle, nach einer Infektion verschlechterte sich sein Zustand aber so dramatisch, dass im Grunde nur noch eine palliativmedizinische Behandlung infrage kam. Auf Wunsch der Eltern suchten die Ärzte nach experimentellen Therapiemöglichkeiten und stießen auf Michele De Luca, der im italienischen Modena eine Gentherapie an zwei Patienten getestet hatte, allerdings nur an kleineren Hautbereichen.

Deutsche Ärzte schickten den italienischen Experten einige Hautzellen des Jungen, um gesundes Hautgewebe zu züchten. In Deutschland transplantierten die Wissenschaftler dann das nachgezüchtete Gewebe in zunächst drei Operationen. Insgesamt ersetzten sie 80 Prozent von Hassans Haut.

Haut ersetzt: Hassan erster Patient mit dieser Behandlung

Heute, zwei Jahre danach, geht Hassan zur Schule, er spielt Fußball und kann ein weitgehend normales Leben führen. Verletzungen heilen bei ihm wie bei anderen Kindern auch. Zu Beginn der Behandlung lag Hassan wie eine Mumie in seinem Bett, von Kopf bis Fuß in Verbände gewickelt. „Er ist der erste Mensch, der so behandelt wurde“, sagt der plastische Chirurg Tobias Hirsch, der ihn operiert hat. Es sei „ein Wunder und ein Segen“, dass es ihm nun so gut gehe. Die Forscher sehen ihren Erfolg als Beweis, dass eine solche Gentherapie grundsätzlich möglich ist. Sie hoffen, dass das Verfahren in Zukunft auch zur Behandlung anderer Patienten eingesetzt werden. Weitere Langzeitbeobachtungen seien nötig, um sicherzustellen, dass die Behandlung wirklich sicher ist. dpa

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