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Früherkennung

25.05.2014

Ärzte-Chef zweifelt an Sinn vieler Vorsorge-Untersuchungen

Wie sinnvoll sind Vorsorgeuntersuchungen? Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery will das in Zukunft öfter hinterfragen.
Bild: Hauke-Christian Dittrich

Wie sinnvoll sind Vorsorgeuntersuchungen? Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery will das in Zukunft öfter hinterfragen. Denn Todesfälle verhinderten diese nur bedingt.

Montgomery sagte, man müsse den Sinn von Früherkennungsuntersuchungen "stärker hinterfragen als bisher". Zugleich wies er das Argument zurück, man solle über Vorsorgeuntersuchungen nicht allzu offen diskutieren, weil so Patienten von Untersuchungen abgehalten würden.  "Man kann derartige Debatten heutzutage nur in völliger Transparenz und Offenheit führen", sagte Montgomery. Die Patienten hätten ein Recht darauf, umfassend aufgeklärt werden.

Über Sinn und Zweck von Vorsorgetests wird in der Wissenschaft seit einiger Zeit intensiv diskutiert. Umstritten ist etwa der Nutzen der Tastuntersuchung auf Prostatakrebs oder des Hautkrebs-Screenings. Auch das Mammographie-Screening wird neuerdings stärker hinterfragt.

Die Grünen begrüßten den Vorstoß des Präsidenten der Bundesärztekammer.Studien zu Screening-Programmen zeigten, dass sich die Zahl der Todesfälle durch derartige Untersuchungen nur marginal senken lasse, sagte Montgomery. Außerdem könne man mit diesen Tests in der Regel nur die Menschen erreichen, die sich ohnehin um ihren Körper kümmerten. "Nötig ist eine wissenschaftliche Analyse aller Statistiken, die es zu den Vorsorgeuntersuchungen gibt, um das Verhältnis von Nutzen und Risiko besser zu bestimmen", unterstrich der Ärztepräsident.

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Grüne: Nutzen und Risiken von Früherkennungsuntersuchungen immer überprüfen

Die Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft der Grünen-Fraktion im Bundestag, Kordula Schulz-Asche, erklärte, Vorsorgeuntersuchungen seien für viele Erkrankungen richtig und wichtig. Nutzen und Risiken für die Patienten müssten aber immer wieder überprüft werden. Dem Vorstoß Montgomerys müssten jetzt Taten folgen.

Auch die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) erklärte, wenn derartige Untersuchungen Menschen nicht mehr tatsächliche Sicherheit böten, müssten sie hinterfragt, verändert oder eingestellt werden. Die Ministerin sprach sich für ein Gesundheitssystem mit "viel mehr individualisierten, zielgruppenspezifischen oder passgenauen Vorsorge- und Präventionsangeboten" aus. epd

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