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Hantavirus

19.12.2017

Baden-Württemberg in diesem Jahr besonders vom Hantavirus betroffen

Mäuse sorgen für eine Ausbreitung von Hantaviren. Heißes, trockenes Wetter begünstigt dabei die Ausbreitung des Virus.
Bild: Bodo Marks, dpa

Hantaviren breiteten sich 2017 in Deutschland rasant aus. Eine nicht unerhebliche Rolle spielte dabei das Wetter, das die Ausbreitung des Hantavirus erst begünstigt haben soll.

Wer sich vor Mäusen ekelt, hatte 2017 dazu allen Grund: Die Nager verbreiten Hantaviren, die auch beim Menschen gefährliche Infektionen auslösen können. Das Hantavirus hat sich 2017 rasant ausgebreitet, vor allem in Baden-Württemberg. Insgesamt infizierten sich 928 Menschen mit dem Virus, das unter anderem durch Mäusekot übertragen wird (Stand: 12. Dezember). Im selben Zeitraum waren es 2016 gerade mal 77 Fälle. Das teilte das Landesgesundheitsamts in Stuttgart auf Anfrage mit.

Auch in Bayern haben die Infektionen wieder stark zugenommen. Insgesamt steckten sich 366 Menschen (Stand: 26.11.2017) mit dem Hantavirus an. Das sind 13 mal so viele Betroffene wie im Vorjahreszeitraum, wie das Robert Koch-Institut auf Anfrage mitteilte. Die meisten Menschen infizierten sich im Frühjahr und Sommer; das Virus verbreitete sich vor allem in den Landkreisen des Bayerischen Waldes.  

Seit Anfang Oktober ist die Zahl der Neuerkrankungen stark zurückgegangen. In der laufenden und in der vergangenen Woche wurden jeweils nur zwei Fälle übermittelt. Mitte Mai hatte die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht. Damals wurden bis zu 61 Fälle in der Woche registriert.

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Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr gab es in Deutschland nur 282 Infektionen mit dem Hantavirus. Wegen des warmen und trockenen Wetters ist Experten zufolge außerdem mit einem weiteren Anstieg der Hantavirus-Infektionszahlen in den nächsten Tagen zu rechnen.

Heißes Wetter: Robert-Koch-Institut warnt vor Hantavirus

Hantaviren sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts weltweit verbreitet. Der Name leitet sich vom koreanischen Grenzfluss Hantan ab. Dort erkrankten während des Koreakrieges Anfang der 1950er Jahre mehr als 3000 Soldaten an einem schweren Fieber - aufgrund des Hantavirus.

Schon lange ist es auch in Deutschland angekommen: Mit 460 Hantavirus-Fällen seit Jahresbeginn wurden damit der Großteil aller Infektionen in Deutschland in Baden-Württemberg registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es in dem Bundesland lediglich 22 Fälle, wie Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Sonntag in Stuttgart mitteilte. Bei anhaltendem warmen und trockenen Wetter sei mit einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen mit Hanta zu rechnen.

Hantavirus 2017: Ansteckungsgefahr auf Dachböden besonders hoch

In ganz Deutschland wurden Mitte Juni nach Angaben des Robert-Koch-Intituts (RKI) mehr als 670 Hantavirus-Fälle gezählt. Im gesamten Vorjahr waren es nur 282, bis Juni 2016 sogar lediglich 64 Fälle. Es zeichne sich bereits ab, dass 2017 ein "Hantajahr" werde, sagte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

Hantaviren werden über Rötelmäuse verbreitet, die das Virus über Kot und Urin ausscheiden. Menschen infizieren sich, indem sie erregerhaltigen Staub einatmen. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht unter anderem beim Umschichten von Holzstapeln sowie beim Reinigen und Aufräumen von Dachböden, Kellern, Garagen und Schuppen.

In Deutschland verbreiten vor allem Rötelmäuse die Hantaviren, die zur Zeit vorallem in Südwestdeutschland auf dem Vormarsch sind. Eine Infektion verläuft ähnlich wie Grippe.
Bild: Lehtikuva Kimmo Taskinen/Lehtikuva_Oy (dpa)

Um Kontakt mit Hantaviren zu vermeiden, sollte Staub vor Reinigungsarbeiten befeuchtet werden. Außerdem empfehlen Experten, die Flächen mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel einzusprühen. Wohngebäude sollten gegen das Eindringen der Nager gesichert werden. Auch von den Ausscheidungen der Nager sollte man sich fernhalten, vor allem in Gebieten mit viel Buchenwald. Von Mensch zu Mensch ist das Hantavirus nicht übertragbar.

Die Hauswinkelspinne fühlt sich besonders in feuchten Wohnungen, Schuppen und Kellern wohl. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
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Bild: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Wie Bucheckern zur Ausbreitung des Hantavirus beitragen

Die Ursache für die hohen Fallzahlen von Hantaviren sind das starke Vorkommen von Bucheckern im vergangenen Jahr. Bucheckern sind die Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus, deren Bestand durch die gute Futtersituation stark gestiegen ist. Damit breitet sich auch das Virus besser aus.

Rötelmäuse lieben Bucheckern. Viele Bucheckern bedeuten viele Mäuse, viele Mäuse führen zu einer Ausbreitung von Hantaviren.
Bild:  NABU/Helge May (dpa)

Baden-Württemberg zählt innerhalb Deutschlands zu den Hauptverbreitungsgebieten des Hantavirus. Immer wieder werden hier Epidemiejahre beobachtet. Das letzte "Hantajahr" mit deutlich erhöhten Infektionszahlen war 2012 mit insgesamt 1778 gemeldeten Fällen von Hantavirus.

Symptome der Hantavirus-Infektion ähneln Grippe

Hantavirus-Erkrankungen verlaufen meist harmlos und ähnlich wie Grippe mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In schweren Fällen kann es auch zu einem vorübergehenden Nierenversagen kommen. Das gemeinsame Auftreten von hohem Fieber, Rücken- und Bauchschmerzen und Problemen beim Wasserlassen kann auf eine mögliche Hantavirus-Infektion hinweisen.

Auch Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen bis zum -versagen können bei einer Ansteckung mit Hanta folgen. Kommt Blut im Urin oder der Haut hinzu, ist die Grenze von einer Grippe zu einem besorgniserregenden Verlauf der Hantavirus-Infektion überschritten und in seltenen Fällen vielleicht auch eine Blutwäsche vonnöten.

2014: Frau aus dem Ries nach Infektion mit Hantavirus gestorben

2014 kam es im westlichen Donau-Ries-Kreis bei einer Landwirtin zu einer Verkettung derart unglücklicher Umstände, dass sie an einer Hanta-Infektion starb – sie hatte mit Mäusefallen hantiert und dabei offenbar virenbelasteten Staub eingeatmet. Da zusätzlich eine Blutgerinnungsstörung auftrat, verlief die Krankheit tödlich. Es war und blieb der erste Todesfall durch Hantaviren im Landkreis und seit Jahren der erste Fall in Deutschland.

AZ, dpa

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