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Cholera-Epidemie
13.07.2017

Cholera im Jemen hat bislang mehr als 1700 Tote gefordert

Die Situation der an Cholera erkrankten Menschen im Jemen ist oft katastrophal. Das Land ist vom Bürgerkrieg gebeutelt. Jetzt breitet sich die Seuche immer weiter aus.
Foto: Hani Al-ansi

Verseuchtes Trinkwasser hat im Jemen die derzeit schlimmste Cholera-Epidemie der Welt ausgelöst. Mehr als 1700 Menschen sind an Cholera gestorben - viele davon waren Kinder.

Seit 2014 wütet im Jemen ein verheerender Bürgerkrieg, der bereits 10.000 Menschen das Leben kostete. Nun wird das Land auch noch von der zurzeit schlimmsten Cholera-Epidemie der Welt heimgesucht. Aktuell gibt es mehr als 300.000 Verdachtsfälle. Das teilte das Rote Kreuz am Montag in Genf mit und warnte davor, dass die Epidemie "außer Kontrolle" gerate. Mehr als 1700 Menschen seien bereits an der Krankheit gestorben. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen rief zu mehr internationaler Hilfe im Kampf gegen die leicht übertragbare Krankheit auf.

Ärzte ohne Grenzen: Cholera in Jemen gerät außer Kontrolle

Ärzte ohne Grenzen erklärte in Berlin, die Region Abs im Nordwesten des Jemen sei am stärksten von der Cholera betroffen. Dort müsse vor allem die Versorgung der Menschen mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen "dringend verbessert werden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern".

"Entweder es passiert jetzt etwas, oder in den nächsten Wochen und Monaten werden noch mehr Menschen erkranken", mahnte der zuständige Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen, Gabriel Sánchez. Die Logistik-Koordinatorin der Organisation, Christina Imaz, erläuterte, es müssten nicht nur Patienten behandelt, sondern auch Häuser desinfiziert und Wasserquellen mit Chlor behandelt werden.

Mehr als 1700 Menschen sind in Jemen an Cholera gestorben

Nach den jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie des Roten Kreuzes sind seit Ende April bereits mehr als 1700 Menschen an Cholera gestorben: Bei einem Viertel der Opfer handelt es sich um Kinder.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat kürzlich 36 Tonnen Hilfsgüter in das Bürgerkriegsland gebracht. Darunter befinden sich 750.000 Beutel eines Salzes, um den Flüssigkeitshaushalt von Erkrankten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies sei genug, um 10.000 der bislang etwa 200.000 Betroffenen zu behandeln, teilte Unicef letzte Woche mit. Auch Vorrichtungen zur Säuberung von Wasser und andere sanitäre Güter seien geliefert worden. Unicef kündigte weitere Lieferungen an. 

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Jemen: Laut WHO sind 7,6 Millionen Menschen von der Cholera bedroht

Die Krankheit grassiert nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor allem in den nördlichen Provinzen Hadscha, Hodeida und Amran sowie in Sanaa. Fälle wurden in 20 der 22 Provinzen verzeichnet.  Insgesamt leben laut WHO 7,6 Millionen Menschen in den Epidemie-Gebieten. Bis Ende August sei von 300.000 Fällen auszugehen, sagte eine Unicef-Expertin kürzlich in Genf.

Im Jemen grassiert die tödliche Infektionskrankheit Cholera. Hunderttausende Menschen haben sich bereits angesteckt, etwa 1300 sind gestorben.
Foto: Hani Al-ansi, dpa

Begünstigt hat den Ausbruch der Epidemie der Bürgerkrieg, der seit 2014 im Jemen wütet und durch den mehr als 10.000 Menschen starben. Damals stürmten schiitische Huthi-Rebellen Sanaa und vertrieben die international anerkannte Regierung des Landes. 

Wie der Bürgerkrieg im Jemen zur Verbreitung von Cholera beiträgt

Eine von Saudi-Arabien angeführte und von den USA unterstützte sunnitische Koalition begann daraufhin damit, Luftangriffe auf Stellungen der Huthis zu fliegen. Doch die angeblich vom Iran unterstützten Rebellen kontrollieren weiter die Hauptstadt und viele Teile des Nordens. Friedensverhandlungen sind mehrfach gescheitert.

Dafür trafen die Bombardements oft die Infrastruktur des Landes. Mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen wurden wegen der Kämpfe zerstört. Viele Menschen haben kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Erreger konnten sich so schneller vermehren.

Cholera-Epidemie im Jemen: Was ist Cholera überhaupt?

Laut der Apotheken-Umschau gilt verseuchtes Trinkwasser als der Hauptüberträger für die Infektionskrankheit. Dabei sind wässriger Durchfall und Erbrechen typische Symptone. Lebensgefährlich wird die Erkrankung erst, wenn Betroffene bei schwerem Krankheitsverlauf einen großen Flüssigkeitsverlust erleiden. Daraufhin droht den Erkrankten nämlich Austrocknung.

Verbreitet ist die Cholera demnach in Ländern, in denen das Trinkwasser an Hygiene mangelt. Die Apotheken-Umschau nennt Afrika und Südostasien als betroffene Gebiete.

Sie stehen auf der Liste der Todesursachen ganz oben. An Pneumonie sterben jährlich nahezu 4 Millionen Menschen, vorwiegend Kinder. Die Lungenentzündung ist damit trauriger Spitzenreiter der Krankheiten, die die meisten Todesopfer fordern.
10 Bilder
Die gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt
Foto: Archiv

Cholera breitet sich nicht nur im Jemen aus - diese Länder sind betroffen

Auch in anderen Krisenländern ist die Cholera ausgebrochen. So sind in Somalia seit Jahresbeginn rund 32.000 Fälle der schweren Durchfallerkrankung gemeldet worden. Angesichts der verheerenden Dürre will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Süden des Landes etwa eine halbe Million Menschen gegen die Krankheit impfen. Mindestens 618 Menschen seien an der Cholera gestorben, wie die WHO Anfang Mai in einer Mitteilung erklärte.

Ebenfalls von einer Cholera-Epidemie betroffen ist der Südsudan. "Dies ist der längste, am meisten verbreitete und tödlichste Cholera-Ausbruch seit der Unabhängigkeit des Südsudans" im Jahr 2011, teilte das UN-Nothilfebüro (Ocha) Mitte Juni mit. Seit offiziellem Beginn des Ausbruchs vor einem Jahr, am 18. Juni 2016, sind der WHO zufolge mehr als 8367 Menschen im Südsudan an Cholera erkrankt und 249 an der Durchfallerkrankung gestorben.

Seit dem Anfang des Bürgerkriegs Ende 2013 hat das ostafrikanische Land jedes Jahr einen Cholera-Ausbruch erlebt. Die Ausbrüche in 2014 und 2015 wurden Ocha zufolge bereits innerhalb von acht und fünf Monaten eingedämmt. dpa, AZ

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