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Darminfektion
02.06.2011

EHEC: Neuer Bakterien-Stamm macht den Erreger so gefährlich

Martina Bielaszewska vom Institut für Hygiene der Universitätsklinik in Münster bestückt ein Realtime PCR-Gerät für einen molekular-biologischen Schnelltest für den Nachweis von EHEC-Bakterien. dpa

Den Wissenschaftlern wird nun klarer, warum EHEC so gefährlich ist: Bakterien haben ihre Gene ausgetauscht. Daraus ist ein Stamm von e.coli-Bakterien entstanden, den keiner kannte.

Es hilft den Patienten zwar noch nichts, aber Wissenschaftler sind ihrem Gegner, dem gefärhlichen EHEC-Erreger auf der Spur. Ärzte an der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf und Kollegen aus China haben nun das Erbgut des Erregers entschlüsselt. "Es handelt sich um eine so noch nie gesehene Kombination von Genen", sagte Bakteriologe Holger Rohde. Die neuen Erkenntnisse helfen den betroffenen Patienten nach Erkenntnissen der Experten allerdings nicht unmittelbar, sondern müssen in den nächsten Wochen erst interpretiert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält den neuen Stamm von e.coli-Bakterien ebenfalls für die Darminfektionen verantwortlich.

Seit mehreren Wochen grassiert der gefährliche EHEC-Erreger in Deutschland. Die ersten Fälle wurden in Hamburg bekannt, doch schon wenige Tage später gab es auch Patienten in Bayern. Am heutigen Donnerstag gab es möglicherweise das 18. Todesopfer, das die Folgen der Krankheit nicht überlebt hat. In Baden-Württemberg ist eine 55 Jahre alte Patientin in der Uniklinik in Heidelberg gestorben. Sie wurde laut Angaben des Sozialministeriums wegen des Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS) behandelt. Dies ist eine schwere Folge einer Infektion mit dem Darmbakterium EHEC, deren Symptome wässriger bis blutiger Durchfall und starke Bauchschmerzen sind.  Experten sind zunächst davon ausgegangen, dass die Erreger durch Gurken aus Spanien übertragen wurden. Dies hat sich jedoch

Zwei Bakterienstämme vermischt

Trotz der wachsenden Patientenzahlen ist den Medizinern ihr "Gegner" nun weit besser bekannt als zuvor. Allem Anschein nach haben für die neue Kombination zwei Bakterienstämme Teile ihrer Erbsubstanz miteinander ausgetauscht - in einer Art primitivem Sex. In der Summe entstand ein Escherichia coli (E. coli)-Bakterium, welches HUS auslösen kann, erläutert Rohde. Etwa 80 Prozent - Rohde spricht vom "Mutterschiff" - stammten vom E. coli-Stamm O104. Die übrigen 20 Prozent wurden von einem anderen Bakterium übernommenen. In diesem Teil des Genoms sind Erbanlagen zur Produktion des gefährlichen Shigella-Toxins, das den Patienten jetzt Probleme bereitet. Die Arbeit gelang gemeinsam mit Kollegen des chinesischen Beijing Genomic Institute. Dieses verfügt über zahlreiche moderne Automaten, die genetische Sequenzen sehr schnell lesen können.

DNA-Eigenschaften ausgetaucht

Bakterien können untereinander Gene austauschen. Mikrobiologen sprechen dabei von Konjugation, man kann den Vorgang aber auch als ursprünglichen, primitiven Sex bezeichnen. Dabei gehen mit Teilen der DNA Eigenschaften eines Keimes auf andere über - es kommt zu Mischformen. Die Keime lagern sich dafür nebeneinander und bilden eine Art Schlauch zwischen sich. So können sie genetisches Material austauschen. Auf diese Weise erwerben Bakterien neue Eigenschaften. Damit können sich die Keime besser an ihre Umwelt anpassen. Aber auch Resistenzen gegen Medikamente werden auf diese Weise verbreitet. "Der neue Keim ist ein Produkt einer ganz normalen bakteriellen Eigenschaft, um sich an seine Umwelt anzupassen", sagt Rohde.

Wo dies geschehen sei - etwa in einem Tier, im Menschen, einer Pfütze, einer Kläranlage oder sonstwo - lasse sich aber nicht sagen. Am federführenden deutschen Labor für das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) - das ist die schwere Komplikation einer EHEC-Infektion - wird weiter mit Hochdruck daran gearbeitet, das Erbgut des Erregers zu deuten. Ebenfalls am Donnerstag teilte das Unternehmen Life Technologies in Darmstadt mit, das Genom des Erregers im Auftrag der Münsteraner Forscher gelesen zu haben. Bereits zu Beginn der Woche hatten auch die Münsteraner HUS-Experten darauf hingewiesen, dass es sich bei dem in Deutschland grassierenden Stamm um ein Hybrid handelt, der die Eigenschaften mehrerer Erreger in sich vereint. dpa

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