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Drogen
21.06.2016

Legal Highs: Tödliche Drogen-Gefahr aus dem Internet

Legal Highs werden im Internet angeboten und dabei oft verharmlost.
Foto: Pauline Willrodt/Archiv (dpa)

Legal Highs können von Jugendlichen leicht als Kräutermischung oder Badesalz übers Internet gekauft werden. Diese Drogen sind dabei gefährlicher, als sie wirken.

Laut Jugendschützern werden Legal Highs aus dem Internet in immer größeres Problem im Bereich Drogen-Sucht. Durch ein paar Klicks kämen Jugendliche so relativ leicht an diese Substanzen. Die tragen zwar harmlos klingende Namen wie "Beach Party", "Crazy Monkees" oder "Couch Trip" - Legal Highs und ihre Folgen können aber sehr gefährlich werden. Legal Highs gehören zu den sogenannte neuen psychoaktiven Stoffen (NPS).

Legal Highs werden auch über soziale Netzwerke vertrieben

Das Portal Jugendschutz.net warnte am Montag in Berlin davor, dass gefährliche Drogen getarnt als Kräutermischungen oder Badesalze leicht bei Minderjährigen landen. Teilweise werden Legal Highs auch über soziale Netzwerke vertrieben.

Das Portal überprüfte über ein halbes Jahr lang fast 90 Anbieter von Legal Highs in Deutschland - darunter auch viele Online-Shops. Das Ergebnis: Jugendliche konnten oft auch ohne Altersnachweis Legal Highs kaufen - obwohl solche Angebote eigentlich nur Erwachsenen zugänglich sein dürften.

Legal Highs: 39 Tote im Jahr 2015

Legal Highs sind laut Jugendschützern vor allem deswegen zu gefährlich, weil sie harmlos wirken. Denn oft seien sie bunt verpackt und tragen lustige Namen. Außerdem bezeichnen sie die Anbieter oft als harmlose Kräutermischungen.

In Wirklichkeit ist die Zusammensetzung solcher Legal Highs laut Experten aber oft nicht ganz geklärt, was ein hohes Risiko ist. "Fast jede Woche kommt eine neue Substanz mit leichten molekularen Änderungen auf den Markt", hieß es aus dem Büro der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU). Die Wirkungen seien ähnlich wie die von Cannabis oder Amphetaminen, allerdings viel stärker und nicht einschätzbar.

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Foto: Fredrik von Erichsen (dpa)

Die vielfältigen Wirkstoffvarianten werden auch als gesetzliches Schlupfloch genutzt. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden erklärte, Legal Highs würden "so designt, dass sich ihre konkrete Zusammensetzung immer gerade so" dem Gesetz entziehe. Ein Gesetzentwurf, den das Bundeskabinett am 4. Mai beschlossen hat, soll Abhilfe schaffen. Künftig sollen nicht mehr einzelne Stoffe, sondern chemische Stoffgruppen verboten werden.

Die Nebenwirkungen reichen von Übelkeit bis hin zu Bewusstlosigkeit und Kreislaufversagen, was sogar zum Tod führen kann. Im vergangenen Jahr soll es 39 Tote durch Legal Highs gegeben haben. 2014 waren es noch 25. Die Polizeibehörde geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Eine Gefahr seien diese Drogen auch dadurch, dass sie schnell süchtig machen sollen.

Gesetz gegen Legal Highs geplant

Ein Beutel mit einer sichergestellten "Legal High"-Kräutermischung.
Foto: Christoph Schmidt/Archiv/Illustration (dpa)

Jugendschützer kritisieren, wie einfach Anbieter Legal Highs über das Internet und in sozialen Netzwerken an Jugendliche bringen können. Manchmal verschicken sie sogar kostenlose Probepackungen. Oft schreiben die Händler im Netz, die Mischungen seien nur Raumdüfte und nicht zum Essen oder zum Rauchen geeignet - ein Vorgehen, dass von jugendschutz.net als reine Verschleierungstaktik eingestuft wird. Viele Anbieter preisen ihre Kräutermischungen auch ausdrücklich als legal an. Eine Untersuchung des Universitätsklinikums Freiburg zwischen April 2015 und März 2016 kam jugendschutz.net zufolge allerdings zu anderen Ergebnissen. Demnach ließen sich die Forscher stichprobenartig 471 Produkte liefern und stellten fest, dass 55 Prozent unter das Betäubungsmittelgesetz fielen. 73 Prozent der Mischungen hätten starke psychoaktive Substanzen enthalten, von denen bekannt sei, dass sie zu gefährlichen Vergiftungen führten könnten.

Bisher fallen Legal Highs noch nicht unter deutsche Gesetze gegen Drogen. Dass die Bundesregierung das bald ändern möchte, loben Jugendschützer. Doch sie mahnen auch dazu, alle Schlupflöcher zu schließen - ansonsten könnten Anbieter andere Wege finden, um diese Drogen doch wieder an Jugendliche zu verkaufen. afp/dpa

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