Newsticker

Söder fordert bundesweit einheitliche Regeln für regionale Corona-Gegenmaßnahmen
  1. Startseite
  2. Wissenschaft
  3. Experten: CO2-Ausstoß 2019 stark gesunken

Klimaschutz-Bilanz

08.01.2020

Experten: CO2-Ausstoß 2019 stark gesunken

Weniger Kohlestrom und mehr Windkraft haben 2019 den CO2-Ausstoß verringert.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

Immer mehr Strom in Deutschland kommt von Windrädern und Solaranlagen, immer weniger aus Kohlekraftwerken. Das lässt die Klimaschutz-Bilanz für das abgelaufene Jahr gut aussehen.

Weniger Kohlestrom und dafür mehr Windkraft: Die Energiewende hat den Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland Experten zufolge im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gedrückt.

Im Vergleich zu 1990 seien die CO2-Emissionen um etwa 35 Prozent gesunken, heißt es in der Jahresauswertung der Denkfabrik Agora Energiewende, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Damit sei das 40-Prozent-Ziel für das nun laufende Jahr überraschend doch wieder "in greifbarerer Nähe" - bisher gingen Bundesregierung und Umweltschützer davon aus, dass das nichts mehr werden kann.

Der Rückgang von mehr als 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Vergleich zum Vorjahr gehe allerdings nur auf die Stromproduktion zurück. Die Erneuerbaren Energien - also Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie Biomasse - hätten einen Rekordanteil von 42,6 Prozent des Bruttostromverbrauchs gedeckt, heißt es in der Auswertung weiter. Der gestiegene CO2-Preis der EU für die Energiewirtschaft habe die klimaschädliche Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle weniger rentabel gemacht, sie sei deswegen stark zurückgegangen. Die Stromproduktion aus Erdgas habe deutlich zugelegt. Erdgas ist zwar auch ein fossiler Brennstoff, aber weniger klimaschädlich als Kohle.

Experten: CO2-Ausstoß 2019 stark gesunken

Im Verkehr dagegen seien die Treibhausgas-Emissionen sogar gestiegen - auch wegen des SUV-Trends. Diese Fahrzeuge sind groß und verbrauchen vergleichsweise viel Sprit, ihr Absatz steigt trotz der Klimaschutz-Debatte in Deutschland stark. Der Verbrauch von Diesel und Benzin nahm 2019 zu. Dasselbe gilt für Heizöl - dabei spielte nach Einschätzung von Agora-Direktor Patrick Graichen aber eine große Rolle, dass Heizöl-Tanks auf Vorrat gefüllt wurden.

Graichen: "Ökostrom-Lücke" droht

Die bisherige nationale Klimapolitik von Union und SPD hat nach Einschätzung Graichens wenig bis nichts mit dem Fortschritt im Klimaschutz zu tun: "Das ist ihnen in den Schoß gefallen", sagte er. Der Stromverbrauch erreichte Agora Energiewende zufolge im vergangenen Jahr den niedrigsten Stand seit der Jahrtausendwende. Das liege aber am geringeren Wirtschaftswachstum und der konjunkturellen Lage der energieintensiven Industrien, etwa des Stahlsektors.

Zudem warnte Graichen, dass mit den Rekordmeldungen aus dem Ökostrom-Bereich bald Schluss sein dürfte - stattdessen drohe eine "Ökostrom-Lücke". Ein Grund: Der Anteil an Atomstrom lag 2019 noch bei 12 Prozent, zum Ende des Jahres ist das AKW Philippsburg vom Netz gegangen. Ende 2022 soll der Atomausstieg abgeschlossen sein. Außerdem soll etwa beim Verkehr Strom - und zwar Ökostrom - zunehmend Mineralöl als Antrieb ersetzen.

Betrachtet man nicht den Stromverbrauch, sondern den gesamten Energiemix, haben die erneuerbaren Energien bisher nur einen Anteil von knapp 15 Prozent. Da zugleich der Ausbau vor allem von Windrädern nicht mehr so schnell vorankommt, wie Energiewende-Experten es für notwendig halten, könne Kohlestrom den Atomstrom teilweise ersetzen - zulasten des CO2-Ausstoßes. Die Bundesregierung müsse die Rahmenbedingungen ändern, forderte Graichen: "Ohne Windkraft werden wir weder den Kohleausstieg noch die Klimaschutzziele erreichen." (dpa)

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

14.01.2020

Erfolgszahlen strafen Energiewendegegner Lügen

Der Rückgang der CO2-Emissionen im Jahr 2019 fand ausschließlich im Stromsektor statt. Im Verkehrs- und Wärmebereich sanken die CO2-Emissionen nicht.
Im Stromsektor ist der Rückgang auf zwei Faktoren zurückzuführen:
- PV- und Windstrom haben Kohlestrom verdrängt. Hier ernten wir die Früchte des Zubaus in früheren Jahren.
- Ein höherer Preis für die CO2-Zertifikate, die bisher nur im Strombereich erforderlich sind, hat dazu geführt, dass die Kohleverstromung teilweise durch Gasverstromung (bei der weniger CO2 anfällt) ersetzt wurde.

Damit wurden all diejenigen Lügen gestraft, die auch in dieser Zeitung und in diesem Internetforum noch im Sommer 2019 behauptet haben, die Energiewende bringe nichts, denn die CO2-Emissionen sänken ja kaum.

Im Verkehrs- und Wärmebereich müssen wir jetzt durch Ordnungsrecht (Installation neuer ÖL- und bald auch neuer Gasheizungen untersagen, Passivhausstandard für neue Häuser vorschreiben) und durch Ausweitung des CO2-Zertifikatehandels auch auf diese Sektoren die Treibhausgasemissionen eindämmen!

Raimund Kamm

Permalink
15.01.2020

>> Damit wurden all diejenigen Lügen gestraft, die auch in dieser Zeitung und in diesem Internetforum noch im Sommer 2019 behauptet haben, die Energiewende bringe nichts, denn die CO2-Emissionen sänken ja kaum. <<

Die bisherigen Rückgänge sind unumstritten - der hohe Preis für die Verbraucher ist ein Kritikpunkt - das fehlende Konzept für die Dunkelflaute und Versorgungssicherheit der andere. Dafür wollen die Menschen Antworten statt Windkraft- und PV-Propaganda.

>> Im Verkehrs- und Wärmebereich müssen wir jetzt durch Ordnungsrecht (Installation neuer ÖL- und bald auch neuer Gasheizungen untersagen, Passivhausstandard für neue Häuser vorschreiben)... <<

Mit der Forderung zum Bau von Passivhäusern haben Sie wegen der langfristigen Wirkung grundsätzlich recht - nur ist dieses Ziel aktuell überhaupt nicht mit dem Nachfragezuwachs in Deutschland vereinbar. Der hat klare Priorität ;-)

Und beim Verkehr sollten Sie ganz ruhig sein Herr Kamm - Ihr 250 Mio. Bahnhofstunnel raubt unseren Stadtwerken jegliche Finanzmittel für den wichtigen Ausbau des Tramnetzes und manifestiert unattraktiven Busverkehr im 15-Minuten Takt in weiten Teilen des Stadtgebietes - v.a. auch in Neubaugebieten, wo die Menschen nun von Beginn an auf das Auto setzen.

Permalink
08.01.2020

>> Damit sei das 40-Prozent-Ziel für das nun laufende Jahr überraschend doch wieder "in greifbarerer Nähe" - bisher gingen Bundesregierung und Umweltschützer davon aus, dass das nichts mehr werden kann. <<

Die Steuern wurden erhöht - jetzt kommt die Wahrheit ans Licht.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren