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Zecken

07.03.2018

FSME: Wie hoch ist die Gefahr durch einen Zeckenbiss?

Gefährlicher Blutsauger: 2017 gab es mehr FSME-Infektionen.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Archiv)

FSME - Viele Menschen haben Angst vor den Krankheiten, die Zecken übertragen. Wie man sich schützen kann und welche Regionen zu den Risikogebieten zählen.

Wer auf die Karte blickt, der sieht rot. Und rot heißt: Hier gibt es ein erhöhtes Risiko, sich durch einen Zeckenstich mit der gefährlichen Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, zu infizieren. Betroffen ist vor allem Süddeutschland. 2017 traten dort 85 Prozent aller Erkrankungsfälle auf.

Doch das könnte sich bald ändern. Denn: Die Gefahr einer Infektion mit der tückischen Krankheit, die auch zu einer Hirnhautentzündung führen kann, breitet sich nach Erkenntnissen von Zeckenforschern Richtung Norden aus. Zuletzt haben sich vermehrt Menschen an der niedersächsisch-niederländischen Grenze, in privaten Gärten in Berlin oder auch in Stadtparks in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt.

Das Robert-Koch-Institut registrierte 2017 bundesweit fast 500 Erkrankungsfälle – die zweithöchste je erfasste Zahl. Einen Trend zu immer mehr Infektionen gebe es aber nicht, hieß es. Der Trend sei die Schwankung. Gerhard Dobler, Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis, nannte eine Schwankungsbreite der letzten Jahre von 250 bis 500 Fällen. Ungewöhnlich sei 2017, dass es weniger Zecken gab, jedoch mehr Erkrankungen.

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Zecken: 146 Kreise in Deutschland gelten als FSME-Risikogebiete

Als FSME-Risikogebiete gelten 146 Kreise in Deutschland. Dazu zählen fast ganz Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen und des Saarlands. In unserer Region sind die Landkreise Aichach-Friedberg, Neuburg-Schrobenhausen, Neu-Ulm, Donau-Ries, das Unter-, Ost- und Oberallgäu betroffen, ebenso Kempten und Memmingen (Stand 2017).

Stadt und Landkreis Augsburg, die Kreise Landsberg, Günzburg und Dillingen und die Stadt Kaufbeuren gehören indes nicht dazu. „Warum es auf der Karte diesen weißen Fleck gibt, kann man nicht erklären“, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. „Das ist seit vielen Jahren so, dass es in diesem Gebiet nicht so viele FSME-Fälle gibt.“ Aber: Das Gebiet, das noch nicht als Risikogebiet eingestuft ist, ist in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden.

Um sich vor den Viren zu schützen, gibt es eine Impfung. „Eine FSME ist gefährlich. Es können neurologische Schäden bleiben“, sagt Jakob Berger, stellvertretender Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Er empfiehlt, sich impfen zu lassen – das gelte auch für Menschen, die nicht in einem Risikogebiet leben. Denn schließlich vereise man auch, etwa in den Bayerischen Wald, wo die FSME stark verbreitet ist.

Durch Zeckenstich drohen auch andere Gefahren als FSME

Die FSME ist nicht die einzige Gefahr, die ein Zeckenstich mit sich bringt. Weitaus häufiger ist die Lyme-Borreliose, die durch Bakterien ausgelöst und in ganz Deutschland übertragen wird. Schätzungen gehen von mehreren zehntausend Neuerkrankungen pro Jahr aus. Eine Impfung gibt es nicht. Deswegen ist es wichtig, sich nach einem Waldspaziergang oder der Gartenarbeit abzusuchen, am Haaransatz, in den Ohren, am Hals, unter den Achseln, in den Armbeugen, am Bauchnabel, im Genitalbereich und in den Kniekehlen. Entdeckt man eine Zecke, sollte sie schnell mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange herausgezogen werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Denn zu einer Borreliose-Infektion kommt es nur selten innerhalb der ersten zwölf Stunden. Weil sich die Borrelien im Darm der Zecke befinden, dauert es, bis sie nach draußen gelangen. FSME-Viren werden dagegen schon binnen kurzer Zeit nach dem Stich übertragen.

Mit einem Zeckenstich müsse man nicht gleich zum Arzt, sagt Mediziner Berger. Die Zecke könne man selbst entfernen. Wenn sich allerdings um die Einstichstelle ein großer, roter Hof bildet, sollte man das unbedingt abklären lassen. Denn diese ringförmige Rötung ist ein typisches Merkmal für eine Borreliose-Infektion. „Die sollte dann mit Antibiotika behandelt werden“, sagt Berger. (mit dpa, afp)

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