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Pestizide und Milben

10.05.2017

Forscher warnen: Gefährliche Parasiten in US-Bienenfarmen

Ein Biene, die aus ihrer Wabe schlüpft, ist an ihrem Hinterleib von einer Varroa-Milbe befallen.
Bild: Andreas Lander (dpa/Archiv)

Pestizide und Milben machen seit Jahren den Bienen den Garaus. Nun haben Forscher festgestellt: Die industrielle Bienenhaltung in den USA fördert die Ausbreitung von Parasiten.

Jahr für Jahr machen sich 3000 Trucks aus allen Teilen der USA auf den Weg nach Kalifornien. Auf mächtigen Anhängern kommen 1,5 Millionen Bienenstöcke ins Central Valley. Die Bienen leisten dort wichtige Arbeit: Sie produzieren nicht nur Honig, sondern bestäuben auch die Blüten der Mandelbäume - und legen damit den Grundstein für eine boomende Industrie.

Mit beschaulichem Hobby hat Imkerei in den USA nicht zwingend etwas zu tun. Zwar haben die meisten der etwa 125.000 Imker jeweils weniger als 25 Bienenstöcke, aber andere betreiben dafür regelrechte Bienenfarmen. Und die sind, nach einer neuen Studie, offenbar besonders anfällig für einen Hauptverursacher des Bienensterbens: die Varroa-Milbe.

US-Bienenfarmen tragen zur Verbreitung der Varroa-Milbe bei

Amerikanische Bienenzüchter versuchen seit 25 Jahren, ihre sterbenden Bestände zu erhalten - durch aufwendige Pflege zuletzt mit vorsichtigem Erfolg. Die Zahl der Kolonien ist seit dem Tiefstand 2008 langsam wieder auf fast 2,8 Millionen gestiegen. Dennoch ist es ein Kampf: Immer wieder im Winter kollabieren bis zur Hälfte aller Bienenkolonien. Manchmal verschwinden aber auch mitten in der Sommersaison komplette Völker ohne bisher nachvollziehbaren Grund. Experten sprechen vom "Colony Collapse Disorder", ohne das Phänomen erklären zu können.

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2016 bestätigte eine Studie der University of Maryland, dass die Varroa-Milbe eine tragende Rolle beim Kollaps der amerikanischen Bienenvölker spielt. Der Parasit, der Arbeiterinnen ebenso wie Brut befällt, schwächt die Honigbienen, beeinträchtigt ihre Orientierung und überträgt zudem häufig todbringende Viren. Jetzt ergänzen Forscher aus Tucson, dass "Varroa destructor" sich offenbar in eng bestückten Bienenfarmen besonders gut ausbreiten kann.

Denn die alleine wenig mobilen Parasiten reisen einfach auf dem Rücken von Sammelbienen mit: Entweder befallen sie gesunde Sammlerinnen, die auf Futtersuche in bereits sterbenden, Varroa-verseuchten Kolonien räubern. Oder Varroa-befallene und desorientierte Sammelbienen schleppen die Milbe versehentlich in einen noch gesunden Stock ein.

Einzelne Bienenvölker in der Natur oder einer kleinen Imkerei würden hingegen nach einem Varroa-Befall zwar möglicherweise sterben - aber die Milben dann mit ihnen. Auch könnten diese Völker regelmäßig ausschwärmen, ihre Bestände aufsplitten und so den Milbenbefall verkleinern, betonen die Forscher.

Bienen sind Milben, Parasiten und Pestiziden ausgesetzt

"Diese Arbeit zeigt, dass die bisherigen Methoden, Varroa zu kontrollieren, nicht länger brauchbar sind", resümiert Gloria DeGrandi-Hoffman vom staatlichen Carl Hayden Bienen-Forschungszentrum in Tucson. Es müssten neue Wege her.  

Ein weiteres Problem ist, dass viele Profi-Imker ihre Bienenstöcke zum Schutz vor Krankheitserregern wie der Amerikanischen Faulbrut mehrmals jährlich mit Antibiotika besprühen - ein in Deutschland verbotenes Verfahren. Zum einen schwächt dies Darmfunktion und Widerstandskraft der Tiere, wie jüngst eine andere Studie zeigte. Zum anderen sind Rückstände im Honig aufzuspüren und Resistenzen können entstehen.

Zudem werden hochgiftige Pestizide ausgebracht, etwa Neonicotinoide. Sie machen vielen Bienen den Garaus, wenn sie Nektar aus damit besprühten Pflanzen sammeln. Diese Mittel bereiten mittlerweile auch in Deutschland Probleme, wie der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske, betont. Und auch hierzulande macht den 275.000 Bienenvölkern die Varroa-Milbe zu schaffen. dpa/sh

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