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Herpesvirus

10.05.2018

Forschung: Heilen Killerzellen bald Herpes?

Forschern am Helmholtz Institut München gelang es, neue effektive Angriffsmöglichkeiten für Killer-T-Zellen am Herpesvirus 6 (HHV-6) auszumachen. Menschen sind oft von Lippenherpes geplagt.
Bild: Arno Burgi, dpa (Archivbild)

Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum München haben neue Werkzeuge im Kampf gegen Herpes entdeckt. Ist die Viruserkrankung mit Killerzellen bald heilbar?

Herpesviren begleiten die meisten Menschen ihr ganzes Leben. Vor allem das Virus Herpes-Simplex macht Betroffenen zu schaffen. Immer wieder quälen Bläschen im Mundbereich die Infizierten. Viele wissen jedoch nichts von ihrem unbeliebtem "Mitbewohner".

Neben Herpes-Simplex ist vor allem das sogenannte Herpesvirus 6 (HHV-6) ist weit verbreitet. Meist ist es harmlos. Aber bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann das Virus zum Ausbruch von Krankheiten führen.

Herpesvirus 6: Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders betroffen

Hoffnung machen nun Forschungsergebnisse aus München. Wissenschaftlern am Helmholtz Zentrum ist es gelungen, Virusbestandteile zu identifizieren, an denen so genannte Killer-T-Zellen angreifen können. Möglicherweise können auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse neue effektive Therapien im Kampf gegen Herpes entwickelt werden. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Virenexperten im Fachmagazin PLOS Pathogens.

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Die Mehrheit der Bevölkerung nimmt das humane Herpesvirus 6 im frühen Kindesalter auf. HHV-6 ist ein entfernter Verwandter des Herpes-Simplex-Virus. Er ist jedoch wesentlich gefährlicher. Infizieren sich Säuglinge oder Kleinkinder mit HHV-6, kann das zum sogenannten Dreitagefieber führen. Danach nistet sich das Virus für das ganze Leben seines Wirts im Körper ein.

Viele Menschen infizieren sich mit Herpesviren nach der Geburt oder im frühen Kindesalter. Auswirkungen hat das Virus erst bei einem geschwächten Immunsystem.
Bild: dpa (Symbolbild)

Dort hat es meist keine Auswirkungen auf die Gesundheit. Trotzdem stehen HHV-6-Herpesviren in verdacht,  Auslöser für Autoimmun­erkran­kungen und des chronischen Erschöpfungssyndroms (englisch: chronic fatigue syndrome) zu sein. Vor allem bei Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem - wie nach Transplantationen - bricht die Virenerkrankung aus. Dadurch drohen schwerste Schäden an unterschiedlichen Organen.

Herpes: Helmholtz-Herpes-Forscher legten Fokus sich auf Killer-T-Zellen

Die Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum München nahmen für ihre Forschung das Immunsystem genauer unter die Lupe. Die Virenexperten interessierte, wie es das Virus am Ausbruch hindert. "Wir studieren den Werkzeugkasten des Immunsystems", erläutert der Leiter der DZIF-Forschergruppe HOCOVLAR in der Abteilung Genvektoren, PD Dr. Andreas Moosmann. Hoffnung auf eine Heilung von Herpes macht seine weitere Aussage: "Und wir haben ein paar interessante neue Werkzeuge entdeckt, die wir bereits nachbauen konnten."

Schlüssel im Kampf gegen Herpes sind sogenannte Killer-T-Zellen. Die Forscher konzentrierten sich darauf herauszufinden, welche Strukturen des Virus die Killer-T-Zellen in erster Linie angreifen. Die menschlichen "Killermaschinen" eliminieren infizierte Zellen und damit die Vermehrung des Virus im Körper stoppen.

Den Forschern um Erstautorin Larissa Martin und Doktorandin Alexandra Hollaus gelang es, 16 Strukturen des Virus zu identifizieren. An diesen können HHV-6-spezifische Killerzellen andocken und angreifen. Die Wissenschaftler bedienten sich beim Analysieren der Mathematik. Mit einem Algorithmus prüften sie digital den Erreger. Auf diese Weise konnten rund 300 mögliche Angriffsstellen identifiziert werden.

Von 20 Angriffsmöglichkeiten für Killer-T-Zellen erwiesen sich 16 als effektiv

Weitere Analysen minimierten die Zahl auf 77 Möglichkeiten. In der Folge entwickelten die Helmholtz-Experten gegen 20 entsprechende Killer-T-Zellen, von denen 16 die infizierte Zelle zerstören konnten. Das macht Hoffnung im Kampf gegen das Herpesvirus. Andreas Moosmann fasst die Erkenntnisse der Forschung in einer Mitteilung vom Helmholtz Zentrum München zusammen:"Es können offenbar sehr unterschiedliche Virusproteine ​​als Zielstruktur für das Immunsystem dienen.

Zudem beobachten wir bei gesunden Personen regelmäßig T-Zellen gegen diese Strukturen genauso wie bei Transplantationspatienten, die das Virus in Schach halten können." Seine Kollegin PD Dr. Johanna Tischer, Transplantationsmedizinerin am Klinikum Großhadern, schließt die Mitteilung mit den Worten ab: "Wir sind nun dabei, dies bei einer größeren Zahl von Patienten zu überprüfen".

So erfreulich die Forschungsergebnisse sind: Bis Herpes heilbar ist, wird noch einige Zeit vergehen. "Ein Ausbruch des Virus könnte möglicherweise verhindert werden, indem man Patienten HHV-6-spezifische Killer-T-Zellen verabreicht. Bis dahin haben wir aber noch ein gutes Stück Arbeit vor uns," weiß Andreas Moosmann.

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