1. Startseite
  2. Wissenschaft
  3. Für Narzissten können Misserfolge zur Existenzfrage werden

Persönlichkeitsstörung Narzissmus

03.05.2016

Für Narzissten können Misserfolge zur Existenzfrage werden

Mehr als normale Selbstliebe: Narzissten sind übermäßig von sich überzeugt.
Bild: Symbolbild: Franziska Koark (dpa)

Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung. Die übertriebene Selbstbezogenheit fügt nicht nur den Betroffenen selbst Leid zu.

Narzissmus ist eine übertriebene Selbstbezogenheit, die von Widersprüchen und Leid geprägt ist. Das "Hamburger Abendblatt" berichtet auf Grundlage eines Buches von Gabriele Nicoleta von den Auswirkungen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung - und dem Leid, das Narzissmus den Betroffenen, aber auch deren Angehörigen und Nahestehenden zufügt.

Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung

Gabriele Nicoleta litt jahrelang unter ihrer Mutter. Erst nach ihrem Tod findet sie im Internet eine Aufzählung von Symptomen der Persönlichkeitsstörung Narzissmus. Jeder einzelne der aufgeführten Punkte passte, als hätte ihre Mutter persönlich Modell gestanden. Doch wie wahrscheinlich sehr häufig blieb der Narzissmus unerkannt. Kein Wunder: Wer krankhaft narzisstisch ist, holt sich nur selten Hilfe.

Nicoleta hat eine Gruppe für die Opfer narzisstischer Mütter gegründet. Viele Kinder kennen das Gefühl, dass ihre Mutter sie nicht akzeptiert. Die Persönlichkeitsstörung gibt es laut Hans-Werner Bierhoff, Sozialpsychologe und pensionierter Professor an der Ruhr-Universität Bochum, in zwei Formen, offen und verdeckt. Offene Narzissten sind optimistisch und leistungsorientiert, Erfolgsmenschen. Verdeckte Narzissten leiden unter sozialer Angst, Neid und Selbstzweifeln.

Für Narzissten können Misserfolge zur Existenzfrage werden

Narzissten kompensieren durch Selbstdarstellung

Narzissmus zeichnet sich durch innere Widersprüche aus. Einerseits empfinden sich Betroffene selbst als minderwertig, andererseits muss genau dieses Gefühl durch übersteigerte Größenfantasien und Selbstdarstellung kompensiert werden. Beide Formen des Narzissmus haben eine Gemeinsamkeit - das Fehlen von Empathie. Narzissten sind rücksichtslos. Und das ist nicht zu ändern. Das musste auch Gabriela Nicoleta erleben. Die Demütigungen ihrer Mutter hielt sie stets in der Hoffnung auf Versöhnung aus.

Die Ursachen von Narzissmus sind noch unklar. Die Störung wird außerdem erst dann zum Problem, wenn Leidensdruck entsteht. Misserfolge können für Narzissten zur Existenzfrage werden, erklärt Réthy in ihrem Artikel. Betroffene brauchen die Bestätigung von anderen, um ihr Selbst zu stärken. Bekanntschaften werden nur so lange aufrecht erhalten, wie Bewunderung vorhanden ist. Deshalb fühlen sich Narzissten oft einsam. Auch sie leiden schließlich unter dem eigenen Narzissmus. sh

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren