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Gebärmutter-Transplantation

09.11.2016

Gebärmutter-Transplantation gibt Frauen Hoffnung

In Schweden gibt es schon gute Erfahrungen mit der Gebärmutter-Transplantation. Jetzt wurde in Deutschland erstmals eine transplantiert.
Bild: Johan Wingborg (dpa)

Eine 23-Jährige hat in Tübingen in einer mehrstündigen Operation eine neue Gebärmutter erhalten. Zum ersten Mal in Deutschland ist damit eine Gebärmutter transplantiert worden.

Diese Operation hat es in Deutschland zuvor noch nie gegeben: Erstmals haben Tübinger Ärzte eine Gebärmutter transplantiert. Eine 23-jährige Frau wurde dafür mehrere Stunden lang operiert. Dabei ist es laut Universitätsklinikum Tübingen zu keinen Komplikationen gekommen. Der Patientin gehe es laut einer Pressemitteilung des Klinikums nach der Gebärmutter-Transplantation gut.

23-Jährige bekommt Gebärmutter transplantiert

Die Frau war wegen einer angeborenen Fehlbildung wegen eines sogenannten Mayer-Rokitanski-Küster-Hauser-Syndroms unfruchtbar. Davon sind etwa drei bis fünf Prozent der Frauen in Deutschland betroffen. Bisher konnten sie keine Kinder bekommen. Ihnen blieb nur die Adoption und theoretisch die Leihmutterschaft, die in Deutschland allerdings verboten ist. Durch die Gebärmutter-Transplantation der Tübinger Ärzte bekommen betroffene Frauen nun neue Hoffnung.

Die Frau in Tübingen hatte die Gebärmutter als Lebendspende erhalten. Das Kinikum teilte nicht mit, um wen es sich bei der Spenderin handelt. Bevorzugt werden in solchen Fällen Verwandte wie Mutter oder Schwestern.

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Gebärmutter transplantiert: Mehr Kliniken planen Transplantation

Neben Ärzten aus Tübingen waren an der Gebärmutter-Transplantation auch das Team des schwedischen Gynäkologen Mats Brännström vom Universitätsklinikum Göteborg beteiligt. Der Experte hat dort bereits bewiesen, dass sich eine Gebärmutter transplantieren lässt und dass danach gesunde Kinder zur Welt kommen können.

In Tübingen liefen die Vorbereitungen für die Gebärmutter-Transplantation mehrere Jahre. Auch andere Universitätskliniken planen solche Uterus-Transplantationen - darunter die Klinik in Erlangen. Nach dortigen Angaben kommen solche Operationen für Frauen infrage, deren Gebärmutter fehlt oder zu klein ist.

Der Eingriff war nicht ohne Risiko - für die Organspenderin, die Empfängerin und auch für das womöglich später darin wachsende Kind. Der Erlanger Gynäkologe Matthias Beckmann ist jedoch überzeugt, dass das Risiko beherrschbar ist und sich lohnt. Denn für die betroffenen Frauen sei es die einzige Möglichkeit, auf legalem Weg in Deutschland ein eigenes Kind zu bekommen. "Ich bin nicht besonders risikofreudig. Aber die Gesetzgebung treibt die Frauen in die Illegalität", sagte Beckmann mit Blick auf das hiesige Verbot von Leihmutterschaft und Eizellenspende einige Monate vor der ersten Gebärmutter-Transplantation in Tübingen. "Diesen Frauen kann man in Deutschland derzeit einfach nicht helfen. Das heißt, wir müssen ein ganz anderes Verfahren finden."

Für viele für die Transplantation nötige Schritte haben die Mediziner erprobte Standard-Techniken. Neu entwickelt werden musste eine Technik beim Einsetzen der Gebärmutter: Bei vielen Frauen, die von Geburt an keinen Uterus haben, seien laut Medizinern die Blutgefäße zu kurz.

Die Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin war zuerst generell dagegen, eine Gebärmutter zu transplantieren. Mit den Erfolgen in Schweden verschwanden diese Bedenken aber. dpa

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